http://www.faz.net/-gv6-75shr
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER
F.A.Z.-Index -- --
DAX ® -- --
Dow Jones -- --
EUR/USD -- --

Veröffentlicht: 17.01.2013, 08:21 Uhr

Solar-Aktien Investoren dürfen sich am Strohfeuer wärmen

Auch wenn vor zwei Woche eine Investition des amerikanischen Star-Investors Warren Buffett den Solar-Aktien Aufttrieb verlieh, geht die Konsolidierung der Branche weiter. Vorsicht bleibt angesagt.

von
© picture alliance / dpa Solarindustrie: Immer noch kein neuer Glanz

So düster für Solarinvestoren das Jahr 2012 ausgeklungen ist, so hoffnungsfroh startete das neue Jahr. Im Technologiewerteindex Tec-Dax gehörten Sonnenstromaktien in den ersten beiden Januarwochen zu den größten Gewinnern.

Thiemo Heeg Folgen:

Und die Zuwächse fielen nicht nur gut aus, sondern exorbitant gut: Papiere des Wechselrichterherstellers SMA Solar gewannen binnen kürzester Zeit bis zu einem Fünftel an Wert, der Kurs der Solarworld-Anteilsscheine legte gar bis zu drei Vierteln zu.

China: Vom Buhmann zum Hoffnungsträger

Den Optimismus der Anleger haben mehrere Nachrichten angestachelt. Da war zunächst China - derzeit noch verschrieen als Markt, der sich gegen Ausländer abschottet. Künftig aber hofft die Industrie auf gute Geschäfte im Reich der Mitte. Das Thema Solar stößt dort auf hohes Interesse, was bereits die Tatsache beweist, dass die installierte Anlagenleistung heuer deutlich steigen und auch mittelfristig über den bisherigen Planungen liegen soll.

Dies dürfte zunächst zwar in erster Linie den einheimischen Unternehmen nützen, die selbst unter dem raschen Rutsch der Zell- und Modulpreise leiden. Mittelfristig rechnet sich auch mancher Anbieter aus dem Westen die Möglichkeit aus, in China einzusteigen. SMA Solar ist dies vor kurzem teilweise gelungen. Wenige Tage vor Weihnachten gaben die Nordhessen den Kauf einer Mehrheitsbeteiligung an dem chinesischen Konkurrenten Zeversolar bekannt. Vorstandssprecher Pierre-Pascal Urbon sprach von einer „historischen Chance“, das Unternehmen in einem jungen Wachstumsmarkt erfolgreich zu verankern.

Buffett, der Heilsbringer

Für noch sonnigere Investorengesichter sorgte eine Ankündigung des amerikanischen Investors Warren Buffett. Das neue Jahr war wenige Tage alt, als bekannt wurde, dass Buffett eine weitere Milliardensumme in erneuerbare Energien steckt. Für bis zu 2,5 Milliarden Dollar übernimmt der zu seinem Firmenimperium gehörende Versorger Mid-American Energy ein kombiniertes Sonnenstromprojekt in Kalifornien mit einer Leistung von 579 Megawatt. Dabei soll es sich um das bis dato größte Solarprojekt der Welt handeln.

Der erste Profiteur dieses Geschäfts war der Modulhersteller Sunpower, der die Anlage bislang entwickelte und nun aufbauen und später auch betreiben und unterhalten soll. Firmen-Präsident Howard Wenger sprach von einem „historischen Meilenstein in der Energiebranche“. Zunächst waren die Anleger kaum zu halten: Sunpower-Aktien legten in Folge mehr als 50 Prozent zu. Inzwischen haben sie fast die Hälfte dieses Gewinns wieder eingebüßt. Ein ähnliches Schicksal war auch anderen Solarwerten an der Börse beschieden. Rund ein Drittel des unter anderem dank Buffett ausgelösten Kurszuwachses ist wieder passé.

Schrumpfkur noch nicht beendet

Damit zeigt sich deutlich, dass hinter dem Aufschwung des Jahres nur ein Strohfeuer steckt. Die Sorgen der Industrie sind keineswegs vergessen. Die meisten Branchenbeobachter gehen davon aus, dass die Konsolidierung sich auch 2013 und darüber hinaus fortsetzen dürfte. Vor allem für die erste Jahreshälfte erwarten sie angesichts hoher Überkapazitäten noch Probleme. Erst für die zweite Jahreshälfte gehen Analysten davon aus, dass sich die Preise stabilisieren und die Nachfrage wächst. Zwei Nachrichten der vergangenen Tage werfen ein Schlaglicht auf die schwierige Lage. Solarworld hat für den Standort im sächsischen Freiberg Kurzarbeit angekündigt. Und die Bosch-Tochtergesellschaft Aleo Solar lieferte am Mittwoch schlechte Geschäftszahlen.

Infografik / Solar / Der Impuls des Star-Investors Warren Buffett © F.A.Z. Vergrößern Kursentwicklungen seit Anfang 2012 mit dem Ausschlag seit dem 3. Januar 2013

Dementsprechend sind Analysten weiterhin mehr als zurückhaltend, was ein Engagement in Solaraktien angeht. Für den Wechselrichterhersteller SMA raten nur vier Analysten im Konsensrating der Finanzagentur Bloomberg zu einem Kauf der Aktie. Sieben empfehlen, das Papier zu halten, weitere sieben einen Verkauf der Titel. Noch düsterer sehen die Einschätzungen für Solarworld aus: 15-mal „verkaufen“ steht fünfmal „halten“ und null Mal „kaufen“ gegenüber. Wer also gegenwärtig in Sonnenstrom investieren will, sollte dies lieber auf seinem Hausdach tun anstatt an der Börse. Eine eigene Photovoltaikanlage liefert zumindest zwei Jahrzehnte lang über die Stromeinspeisevergütung konstante Erträge - und das ohne ein allzu großes Risiko.

Mehr zum Thema

Quelle: F.A.Z.

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Vor der Quartalsbilanz Apple droht mit mieser Stimmung

Apples Aussichten sind nicht rosig. Heute Abend meldet der Konzern wahrscheinlich, dass er weniger iPhones verkauft. Das ist schlecht für den Konzern – aber nicht unbedingt für die Aktionäre. Mehr Von Patrick Bernau

26.07.2016, 15:03 Uhr | Finanzen
Nach dem Brexit Finanzplatz Frankfurt wittert die große Chance

Noch 2015 war die City of London laut des Statistischen Bundesamts der bedeutendste Finanzplatz der Welt. Vor New York, Hongkong, Singapur. Das deutsche Finanzzentrum Frankfurt dagegen liegt auf Platz 14. Zweitklassig, ein bisschen provinziell wirkt Frankfurt am Main gegenüber den gigantischen Finanzmetropolen der Welt. Doch mit dem Brexit könnte sich das ändern. Mehr

06.07.2016, 17:07 Uhr | Finanzen
Die Pokemon-Dämmerung War’s das mit dem Nintendo-Aktienhype?

Die Nintendo-Aktie verliert an einem einzigen Tag wie seit knapp 26 Jahren nicht mehr. Ihr Kursverlauf wirft Fragen auf. Mehr Von Christoph A. Scherbaum

25.07.2016, 12:59 Uhr | Finanzen
Marktbericht Commerzbank-Zahlen und Stresstest machen Anleger nervös

Der Dax ist am Dienstag etwas fester aus dem Handel gegangen. Die Anleger blieben aber aus Angst vor Milliardenlöchern in den Bilanzen europäischer Banken skeptisch. Die Commerzbank-Aktie war mit mehr als 6 Prozent im Minus der Verlierer des Tages. Mehr

26.07.2016, 18:31 Uhr | Finanzen
Schrumpfende Kapitalquote Was soll ein Anleger mit Commerzbank-Aktien machen?

Eine überraschend gesunkene Eigenkapitalquote und ein Gewinneinbruch der Commerzbank hat nicht nur deren Aktionäre auf dem falschen Fuß erwischt. Die Sorgen um deutsche Banken nehmen vor der Ergebnisveröffentlichung des Stresstests wieder zu. Mehr

26.07.2016, 12:24 Uhr | Finanzen
Name Kurs %
F.A.Z.-Index -- --
DAX ® -- --
Dow Jones -- --
NIKKEI -- --
HANG SENG -- --
F.A.Z. EURO -- --
E-STOXX 50® -- --
S&P 500 -- --
NASDAQ 100 -- --
MDAX ® -- --
TecDAX ® -- --
SDAX ® -- --