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Solar-Aktien Investoren dürfen sich am Strohfeuer wärmen

 ·  Auch wenn vor zwei Woche eine Investition des amerikanischen Star-Investors Warren Buffett den Solar-Aktien Aufttrieb verlieh, geht die Konsolidierung der Branche weiter. Vorsicht bleibt angesagt.

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So düster für Solarinvestoren das Jahr 2012 ausgeklungen ist, so hoffnungsfroh startete das neue Jahr. Im Technologiewerteindex Tec-Dax gehörten Sonnenstromaktien in den ersten beiden Januarwochen zu den größten Gewinnern.

Und die Zuwächse fielen nicht nur gut aus, sondern exorbitant gut: Papiere des Wechselrichterherstellers SMA Solar gewannen binnen kürzester Zeit bis zu einem Fünftel an Wert, der Kurs der Solarworld-Anteilsscheine legte gar bis zu drei Vierteln zu.

China: Vom Buhmann zum Hoffnungsträger

Den Optimismus der Anleger haben mehrere Nachrichten angestachelt. Da war zunächst China - derzeit noch verschrieen als Markt, der sich gegen Ausländer abschottet. Künftig aber hofft die Industrie auf gute Geschäfte im Reich der Mitte. Das Thema Solar stößt dort auf hohes Interesse, was bereits die Tatsache beweist, dass die installierte Anlagenleistung heuer deutlich steigen und auch mittelfristig über den bisherigen Planungen liegen soll.

Dies dürfte zunächst zwar in erster Linie den einheimischen Unternehmen nützen, die selbst unter dem raschen Rutsch der Zell- und Modulpreise leiden. Mittelfristig rechnet sich auch mancher Anbieter aus dem Westen die Möglichkeit aus, in China einzusteigen. SMA Solar ist dies vor kurzem teilweise gelungen. Wenige Tage vor Weihnachten gaben die Nordhessen den Kauf einer Mehrheitsbeteiligung an dem chinesischen Konkurrenten Zeversolar bekannt. Vorstandssprecher Pierre-Pascal Urbon sprach von einer „historischen Chance“, das Unternehmen in einem jungen Wachstumsmarkt erfolgreich zu verankern.

Buffett, der Heilsbringer

Für noch sonnigere Investorengesichter sorgte eine Ankündigung des amerikanischen Investors Warren Buffett. Das neue Jahr war wenige Tage alt, als bekannt wurde, dass Buffett eine weitere Milliardensumme in erneuerbare Energien steckt. Für bis zu 2,5 Milliarden Dollar übernimmt der zu seinem Firmenimperium gehörende Versorger Mid-American Energy ein kombiniertes Sonnenstromprojekt in Kalifornien mit einer Leistung von 579 Megawatt. Dabei soll es sich um das bis dato größte Solarprojekt der Welt handeln.

Der erste Profiteur dieses Geschäfts war der Modulhersteller Sunpower, der die Anlage bislang entwickelte und nun aufbauen und später auch betreiben und unterhalten soll. Firmen-Präsident Howard Wenger sprach von einem „historischen Meilenstein in der Energiebranche“. Zunächst waren die Anleger kaum zu halten: Sunpower-Aktien legten in Folge mehr als 50 Prozent zu. Inzwischen haben sie fast die Hälfte dieses Gewinns wieder eingebüßt. Ein ähnliches Schicksal war auch anderen Solarwerten an der Börse beschieden. Rund ein Drittel des unter anderem dank Buffett ausgelösten Kurszuwachses ist wieder passé.

Schrumpfkur noch nicht beendet

Damit zeigt sich deutlich, dass hinter dem Aufschwung des Jahres nur ein Strohfeuer steckt. Die Sorgen der Industrie sind keineswegs vergessen. Die meisten Branchenbeobachter gehen davon aus, dass die Konsolidierung sich auch 2013 und darüber hinaus fortsetzen dürfte. Vor allem für die erste Jahreshälfte erwarten sie angesichts hoher Überkapazitäten noch Probleme. Erst für die zweite Jahreshälfte gehen Analysten davon aus, dass sich die Preise stabilisieren und die Nachfrage wächst. Zwei Nachrichten der vergangenen Tage werfen ein Schlaglicht auf die schwierige Lage. Solarworld hat für den Standort im sächsischen Freiberg Kurzarbeit angekündigt. Und die Bosch-Tochtergesellschaft Aleo Solar lieferte am Mittwoch schlechte Geschäftszahlen.

Dementsprechend sind Analysten weiterhin mehr als zurückhaltend, was ein Engagement in Solaraktien angeht. Für den Wechselrichterhersteller SMA raten nur vier Analysten im Konsensrating der Finanzagentur Bloomberg zu einem Kauf der Aktie. Sieben empfehlen, das Papier zu halten, weitere sieben einen Verkauf der Titel. Noch düsterer sehen die Einschätzungen für Solarworld aus: 15-mal „verkaufen“ steht fünfmal „halten“ und null Mal „kaufen“ gegenüber. Wer also gegenwärtig in Sonnenstrom investieren will, sollte dies lieber auf seinem Hausdach tun anstatt an der Börse. Eine eigene Photovoltaikanlage liefert zumindest zwei Jahrzehnte lang über die Stromeinspeisevergütung konstante Erträge - und das ohne ein allzu großes Risiko.

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