21.03.2006 · Wer stark wächst, weckt Erwartungen auf immer mehr. Entfernen sich diese dann von den Tatsachen, bleiben Enttäuschungen und Kursverluste nicht aus. Auch der Wire-Card-Aktie macht dies am Dienstag zu schaffen.
Während große Softwarefirmen wie Oracle mit eher weniger dynamischen Märkten zu kämpfen haben (Oracle-Aktie weiter in Handelsspanne gefangen), können kleinere Spezialanbieter immer noch gut wachsen.
Besonders dann, wenn es um Bezahlen im Internet geht. Denn das Geldverdienen ist dort zum einen schwierig, zum anderen aber notwendig, um die Angebotsqualität aufrecht erhalten zu können und die Gratis-Mentalität und Datenklau bekämpfen zu können. Dabei gilt: Je umständlicher die Zahlungsmodalitäten, um so eher geht Zahlungskraft verloren.
Rekordjahr 2005
Anbieter für Zahlungsabwicklungen ist zum Beispiel die Wire Card AG. Ob Kreditkarte, Lastschrift, Überweisung, Rechnung, Vorkasse, Debitkarten - alles läßt sich über Wire-Card-Technik abwickeln. Außerdem bietet das Unternehmen mit Click2Pay ein alternatives Internet-Zahlungssystem an.
Für das Geschäftsjahr 2005 hat das Unternehmen nach eigener Darstellung Rekordwerte bei Umsatz und Ergebnis erwirtschaftet und seine Prognosen erheblich übertroffen. Indes sind die Zahlen in ihrer Aussagekraft insofern etwas eingeschränkt, als sie um Effekte aus Erstkonsolidierungen und im Jahr 2004 eingestellten Geschäftsbereichen bereinigt wurden, um die Vergleichbarkeit mit dem Vorjahr zu ermöglichen.
Auf dieser Basis stieg die Gesamtleistung (Umsatz inklusive Bestandsveränderungen) im Geschäftsjahr 2005 um 62 Prozent auf 55,5 Millionen Euro. Das Vorsteuerergebnis (Ebit) verbesserte sich von sechs Millionen Euro um 63 Prozent auf 9,8 Millionen Euro. Der Konzern-Jahresüberschuß belief sich auf 8,2 Millionen Euro.
Weiter Verluste im Altgeschäft
Alle Erwartungen übertroffen habe das Segment Elektronische Zahlungssysteme und Risikomanagement (EPRM). Die Gesamtleistung habe sich auf 53,07 Millionen Euro nach 37,04 Millionen Euro im Vorjahr belaufen, das Ebit 10,83 Millionen Euro nach 7,35 Millionen Euro im Vorjahr erreicht. Sowohl die Wire-Card-Plattform-Lösung als auch Click2Pay hätten viele neue Kunden gewinnen können.
Im Segment Call Center Services (CCS) konnte Wire Card die Gesamtleistung von 5,9 auf 6,3 Millionen Euro steigern. Allerdings verzeichnet das Segment weiter Verluste, auch wenn diese sich verringerten. Vor Steuern fiel ein Verlust von 0,99 Millionen Euro nach 1,31 Millionen im Vorjahr an.
Der Bereich CCS ist das eigentliche Traditionsgeschäft von Wire Card, die früher unter dem Namen Infogenie Europe Call-Center-Lösungen anboten. Doch das Geschäftsmodell lief nie so recht an, so daß es fast zur Insolvenz kam. In diesem Segment werden laut Wire Card aber auch für die EPRM-Sparte benötigte Dienstleistungen erstellt.
Endgültiger Umsatz etwas unter vorläufigen Zahlen
Nach Vorlage der Zahlen fiel die Aktie am Dienstag in der ersten Stunde des Handels in der Spitze um 5,2 Prozent auf 6,33 Euro. Vielleicht haben den Anlegern ein paar Dinge nicht behagt.
Zum einen hatte das Unternehmen im Januar vorläufige Pro-forma-Zahlen bekannt gegeben. Demnach hatte der Jahresumsatz 57 Millionen Euro betragen. Die endgültigen Zahlen lagen in jedem Fall darunter. Zudem ist nicht klar, ob die vorläufigen Zahlen auch die Bestandsveränderungen einschlossen.
Indes lag das endgültige Ebit leicht über dem vorläufigen. Außerdem hätte sich mancher sicherlich deutlicher Aussage über die Rentabilität und die Umsatzkraft von Click2Pay gewünscht.
Wire Card erwartet für das laufende Geschäftsjahr ein Ebit-Wachstum von mehr als 40 Prozent. Die Einschätzung basiere auf der sich im ersten Quartal 2006 abzeichnenden positiven Entwicklung im Bestands- und Neukundengeschäft sowie auf zusätzlichen Effekten durch die Integration der Wire Card Bank, mit der das Unternehmen jetzt Zahlungen selbst abwickeln kann.
Analystenprognosen über Unternehmensprognosen
Die Wire Card Bank bietet darüber hinaus seit kurzem eigene Zahlkarten und Konten an. Mit der Herausgabe von Prepaid-Karten soll im Verbund mit Click2Pay eine „übergangslose Verbindung zwischen Online- und Offline-Welt“ geschaffen werden.
Damit erhöhte das Unternehmen die im Januar abgegebene Prognose von „mehr als 30 Prozent“ noch einmal deutlich. Indes liegt die Prognose deutlich unter der von SES Research, die zuletzt von einem deutlichen Ergebnissprung auf 16,5 Millionen Euro ausgingen.
Das alles dürfte die Anleger doch etwas enttäuscht haben, die offenbar von mehr ausgingen. Das kam auch in der Bewertung der Aktie zum Ausdruck. Auf Basis der Analystenprognosen für das laufende Geschäftsjahr beläuft sich das Kurs-Gewinn-Verhältnis auf über 30. Kalkuliert man aber mit der tendenziell geringeren Prognose des Unternehmens, so kommt das KGV in der Gegend von 35 zu liegen.
Für das kommende Jahr beträgt es nach Analystenschätzungen 23. Das ist auch nicht gerade wenig, zumal man davon ausgehen muß, daß es in der Tendenz eher höher liegen könnte, auch wenn das derzeit nicht unbedingt absehbar ist.
Entwicklung aufmerksam beobachten
Die optimistischen Erwartungen kamen auch im Chart zum Ausdruck. Wer Ende August beherzt zugriff (Wire Card-Aktie mit guten Aussichten), kann heute auf einen Kursgewinn von fast 100 Prozent zurückblicken, obgleich das Papier seit dem Vier-Jahres-Hoch vom Montag vergangenen Woche bei 6,79 Euro etwas zurückgekommen ist.
Indes festigte sich der Aktienkurs im Laufe des Handels wieder und pendelte sich vorläufig bei etwa 6,49 Euro 2,8 Prozent im Minus ein. Das ist insofern allerdings nachteilig, als daß es nun weiterer guter Nachrichten bedarf, um der Aktie zu neuen Höhen zu verhelfen. Ansonsten droht möglicherweise sogar die Bildung einer Schulter-Kopf-Schulter-Formation, wenn weitere Gewinnmitnahmen folgen. Daher sollte man die weitere Entwicklung aufmerksam verfolgen.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |