Home
http://www.faz.net/-gv7-qaq3
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Software Übernahme bringt SAP strategisch voran

13.05.2010 ·  Mit Kursverlusten reagiert die Aktie des deutschen Softwareriesen SAP auf das teuer aussehende Übernahmeangebot für Sybase. Strategisch aber scheint sie sinnvoll zu sein. Denn Sybase ist auf die mobile Nutzung von Informationen spezialisiert.

Artikel Bilder (3) Lesermeinungen (1)

SAP musste wegen seiner stagnierender Wachstums- und Gewinnentwicklung etwas tun. Nun hat der deutsche Softwarekonzern wenige Monate nach einem Führungswechsel gehandelt und einer Großakquisition ausgeholt. Nach einer Mitteilung vom Mittwochabend er für 5,8 Milliarden Dollar oder nach aktuellem Kurs umgerechneten 4,57 Milliarden Euro in bar das amerikanische Softwareunternehmen Sybase kaufen. Der Verwaltungsrat von Sybase habe der Transaktion zugestimmt, hieß es weiter.

Der von SAP angebotene Preis von 65 Dollar je Aktie entspricht einer Prämie von knapp 25 Prozent zu dem am Mittwoch zuletzt gehandelten Sybasekurs an der amerikanischen Börse und einer Prämie von 56 Prozent zu jenem Niveau, zu dem die Sybaseaktie vor Bekanntwerden der angestrebten Transaktion handelte.

Beachtliche Prämien für Sybase-Aktionäre

Die Prämien sehen auf den ersten Blick zwar beachtlich aus. Der von SAP für die Sybasepapiere gebotene Preis führt zu Kurs-Gewinnverhältnissen von 24,4 und 22,4 auf Basis der Gewinnschätzungen für das laufende und das kommende Geschäftsjahr. Das Verhältnis von gebotenem Preis zu operativem Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen liegt mit rund 15 allerdings deutlich über dem Durchschnitt von rund neun, der in den vergangenen Jahren für vergleichbare Transaktionen geboten wurde. Das macht ein höheres Gegenangebot nur bedingt wahrscheinlich.

Auf der anderen Seite scheint die Prämie zumindest aus Sicht von SAP gerechtfertigt zu sein. Denn nach Einschätzung von Franz Isselstein von der Radios AG in London ist die Transaktion leicht Wert steigernd für SAP. Sie werde schon im ersten Jahr nach Umsetzung zur Gewinnsteigerung beitragen. Die Finanzierung sei nicht nur kein Problem, sondern es bleibe sogar Raum für weitere Übernahmen. Zudem kann SAP auf diese Weise die Entwicklung hin zu und die Integration von mobilen Applikationen in die Software- und Datenbankstruktur der Unternehmenskunden vorantreiben.

Sybase entwickelt seit mehr als 25 Jahren Datenbanktechnologien. Heute sei Sybase der größte Anbieter von Unternehmenssoftware und -services, der sich ausschließlich auf das Informationsmanagement und die mobile Nutzung von Informationen spezialisiert habe, erklärt das Unternehmen auf seiner deutschen Webseite. Mit den angebotenen globalen Datenmanagement-Lösungen seien Unternehmen in der Lage, ihre Informationen sicher weiterzuleiten und sie überall anderen Menschen bei Verwendung eines beliebigen Geräts verfügbar zu machen. Mit offenen, plattformübergreifenden Software-Lösungen ließen sich bereits getätigte Investitionen optimieren und verbessern, Datenressourcen verknüpfen. Nutzer mit Kundenkontakt erhielten direkten Zugang zu unternehmenskritischen Informationen. Das könne zu Finanz- und Produktivitätsfortschritten in allen Bereichen führen.

Sybase bietet jedoch beachtliche Potenziale

Sybase hat einen soliden Kundenstamm. 81 der Fortune 100-Unternehmen verwenden Sybase-Technologien, heißt es. Dazu zählten Unternehmen aus verschiedensten Branchen wie Finanzdienstleistungen, Telekommunikation, Gesundheitswesen und die Behörden. Globale Banken und Versicherungsunternehmen verließen sich auf Sybase Business Intelligence Lösungen, um Daten in Echtzeit zu liefern und zu verarbeiten. Der Einzelhandel verwende Informationsmobilitätslösungen, um traditionelle Kassen zu beseitigen. Und Ämter nutzen Sybase Datenmanagement-Lösungen, um Versorgungsmanagementsysteme mobil zu nutzen, Transportkontrollzeiten zu halbieren und die Zeit zur Datenerfassung deutlich zu verkürzen.

Für SAP ist dies die zweitgrößte Übernahme in der Unternehmensgeschichte - dicht hinter dem Zukauf des Softwarespezialisten Business Objects für 4,8 Milliarden Euro im Jahr 2007. Sie scheint angesichts der Ausrichtung von Sybase strategisch sinnvoll zu sein, da sie auf Wachstumsmärkte im Sinne von erzielbaren Produktivitätssteigerungen bei den Kunden ausgerichtet ist. Auch wenn der gebotene Preis hoch aussehen mag, dürfte die Übernahme die operativen Perspektiven von SAP im Vergleich mit Konkurrenten wie Oracle oder IBM verbessern, auch wenn die SAP-Aktie am Donnerstag zunächst mit Kursverlusten von bis zu drei Prozent auf die Meldung reagiert.

SAP hatte in den vergangenen Wochen Anleihen ausgegeben. Schon damals hatte es geheißen, das Unternehmen bereite sich auf eine Übernahme vor.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors wieder.

Quelle: @cri
Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen
25.05.2012 17:45 Uhr
  Vortag
Dax 6.339,94 +0,38%
 OK
25.05.2012
Name Kurs Prozent
DAX 6.339,94 +0,38%
FAZ-INDEX 1.377,69 −0,11%
TecDAX 752,47 +0,08%
MDAX 10.196,40 −0,34%
SDAX 4.817,28 +0,29%
REX 434,70 −0,15%
Eurostoxx 50 2.161,87 +0,25%
F.A.Z. EURO 69,61 +0,13%
Dow Jones 12.454,80 −0,60%
Nasdaq 100 2.527,05 −0,17%
S&P500 1.317,82 −0,22%
Nikkei225 8.580,39 +0,20%
EUR/USD 1,2515 −0,14%
Rohöl Brent Crude 106,90 $ +0,14%
Gold 1.569,50 $ +0,06%
Bund Future 144,35 € +0,25%