29.07.2009 · Nach einem Rückgang der Softwareerlöse im zweiten Quartal senkt SAP die Umsatzplanung für das Gesamtjahr, während der Gewinn zulegt. Das Wartungsgeschäft sowie der Stellenabbau sollen den unerwartet starken Umsatzschwund mit den Lizenzen wettmachen.
Europas größter Softwarehersteller SAP blickt nach der drastischen Kostenkur optimistisch in die Zukunft. Im zweiten Quartal schrumpfte der Umsatz zwar von 2,86 auf 2,58 Milliarden Euro. Unterm Strich erhöhte SAP aber überraschend den Überschuss von 408 auf 423 Millionen Euro. Daher stockten die Walldorfer am Mittwoch ihre Ertragsprognosen für 2009 auf.
SAP-Vorstandssprecher Leo Apotheker sagte: „Obwohl das Geschäftsumfeld nach wie vor schwierig ist, lässt sich die Entwicklung in der zweiten Jahreshälfte nun etwas besser einschätzen.“ Weiter sagte Apotheker: „Außerdem bekommen wir positive Signale von der Kundenseite. Sie sind zwar noch vorsichtig, denken aber bereits wieder über Investitionen nach, besonders im asiatisch-pazifischen Raum.“
3000 Stellen sollen wegfallen
Finanzvorstand Werner Brandt kündigt an, die Kosten weiter streng im Blick zu haben. Die Marktentwicklung bleibe schwer vorhersehbar. Zudem steht mit dem vierten Quartal das wichtigste im gesamten Jahr noch bevor. Vor einem Jahr um diese Zeit hatte SAP die Prognose angehoben hatte, nur um sie bald darauf wieder zu kappen.
SAP hat seit dem Kollaps von Lehman Brothers im September 2008 mit dem gedrosselten Investitionswillen von Unternehmen zu kämpfen und als Folge dessen umfangreiche Sparmaßnahmen eingeleitet, inklusive eines Stellenabbaus. So sollen dieses Jahr 3000 Jobs der 51.500 Arbeitsplätze wegfallen. Das sollte 200 bis 300 Millionen Euro kosten. Nun zeichne sich ab, dass die Kosten bei 200 Millionen lägen. Für einen Abbau von 2800 Stellen im ersten Halbjahr hat SAP erst 165 Millionen Euro ausgegeben.
Analysten hatten bereits bei Vorlage der Viert- und auch der Erstquartalszahlen den Fortschritt bei den Kosteneinsparungen positiv hervorgehoben. SAP-Vorstandschef Leo Apotheker hatte zudem angekündigt bis zu 5 Milliarden Euro für Zukäufe ausgeben zu wollen, um Wettbewerbern wie Oracle Marktanteile abzunehmen.
Ausblick für operative Marge angehoben
Der SAP-Aktienkurs legte am Mittwoch im frühen Handel leicht zu: SAP-Titel stiegen um 1,01 Prozent auf 31,51Euro. Nach Einschätzung von Börsenhändlern hat SAP mit seinem Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) sowie dem Nettoergebnis für das zweite Quartal die Markterwartungen übertroffen. Dagegen liege der Umsatz leicht unter den Konsensschätzungen. „Okay, der Umsatz und die Lizenzerlöse könnten besser sein, aber Ebit und Nettogewinn haben die Schätzungen deutlich übertroffen“, sagte ein Börsianer. „Zudem hat der Softwarehersteller den Ausblick für die operative Marge angehoben, was sehr positiv gesehen werden sollte.“ Er sieht den nächsten charttechnischen Widerstand für die Aktie bei 31,89 Euro.
Hatte der Walldorfer Konzern bis dato gehofft, den Rückgang der Erlöse mit Software und softwarebezogenen Dienstleistungen 2009 auf ein Prozent beschränken zu können, geht der Konzern nun von einem Minus von vier bis sechs Prozent aus. Das wären rund 8,1 bis 8,3 (Vorjahr: 8,62) Milliarden Euro. Die Umsatzrendite werde - abgesehen von Wechselkurseffekten - aber höher ausfallen als bisher angenommen, wie SAP am Mittwoch mitteilte: 25,5 bis 27,0 Prozent statt der zuvor in Aussicht gestellten 24,5 bis 25,5 Prozent.
Die geänderten Prognosen sind ein Spiegel der Entwicklung im zweiten Quartal: Von April bis Juni erlöste das Unternehmen mit Software 40 Prozent weniger als ein Jahr zuvor, einschließlich des Wartungsgeschäfts betrug das Minus acht Prozent. Der operative Gewinn blieb mit 714 (711) Millionen Euro gleichwohl praktisch konstant, die operative Rendite kletterte damit auf 27,7 von 24,4 Prozent. Während der um elf Prozent auf 2,58 Milliarden Euro geschrumpfte Umsatz die Analysten enttäuschte, lag der Gewinn deutlich über ihren Schätzungen. Auch nach Steuern hielt SAP den Rückgang des um Sondereffekte bereinigten Gewinns mit 473 (494) Millionen Euro in Grenzen.
Noch höhere Wartungskosten
Dieter Menzel (DMenzel)
- 30.07.2009, 16:07 Uhr
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