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Software SAP-Aktie kann ihre Stärke nicht zeigen

13.07.2006 ·  Bis zu zehn Prozent hat die SAP-Aktie verloren, weil der Softwarekonzern die hochgesteckten Erwartungen nicht erfüllen konnte. Die Kursreaktion ist übertrieben. Doch im derzeitigen Börsenumfeld könnte es für einen Einstieg noch zu früh sein.

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In volatilen Börsenzeiten wie diesen reicht eine kleine Enttäuschung, um Aktien regelrecht einbrechen zu lassen. Der Softwarehersteller SAP verkaufte im zweiten Quartal weniger Softwarelizenzen als erwartet - und schickt seine Aktien damit um bis zu zehn Prozent in den Keller auf den niedrigsten Stand seit acht Monaten (Isin DE0007164600). Am frühen Nachmittag war SAP alleine für fast ein Viertel des Dax-Verlustes verantwortlich. Später erholten sich die Aktien etwas und notierten „nur“ 6,9 Prozent im Minus bei 148,68 Euro.

SAP teilte am Donnerstag - eine Woche vor dem ursprünglich geplanten Termin - in Walldorf mit, der Software-Lizenzumsatz sei in den Monaten April bis Juni weltweit um acht Prozent auf 621 Millionen Euro gestiegen.

Von Reuters befragte Analysten hatten im Schnitt mit einem Zuwachs um 17 Prozent gerechnet. Für das Gesamtjahr bekräftigte der Konzern dennoch seine Prognose, wonach die Lizenzverkäufe um 15 bis 17 Prozent steigen sollen. SAP-Vorstandschef Henning Kagermann versuchte, die Anleger zu beruhigen: „Der Auftragseingang ist stark und unsere Auftragspipeline ist gut gefüllt“, erklärte er.

Das Amerika-Geschäft überzeugt

Auch mit dem um die Kosten für Zukäufe und Aktienoptionsprogramme bereinigten Betriebsgewinn, der um 13 Prozent auf 558 Millionen Euro zulegte, enttäuschte der Konzern die Erwartungen der Analysten.

Während der Software-Absatz von SAP in Amerika stark blieb, fiel das Geschäft in Europa, Nahost und Afrika schwächer aus als zuletzt. Dort verkaufte SAP Software-Lizenzen im Wert von 296 Millionen Euro, was einem Plus von nur drei Prozent entspricht. In Deutschland legte SAP um acht Prozent auf 100 Millionen Euro zu. In Nordeuropa und der Schweiz hatte SAP Verhandlungen über die Verlängerung und die Ausweitung mehrerer Großaufträge geführt.

In der Region Asien/Pazifik stagnierte der Lizenzabsatz bei 86 Millionen Euro, in Japan schrumpfte der Absatz. Auf dem amerikanischen Kontinent boomte der Verkauf weiter und fiel mit 239 Millionen Euro 18 Prozent höher als vor Jahresfrist aus, in den Vereinigten Staaten allein lag das Plus bei 16 Prozent.

„Reaktion war übertrieben“

„Die Lizenzumsätze waren unter den Erwartungen, das stößt dem Markt auf. Aber der Einbruch von zehn Prozent war völlig übertrieben“, sagte ein Händler. Ein anderer Börsianer verwies darauf, daß SAP weiter von einem durchschnittlichen Wechselkurs von 1,23 Dollar je Euro in diesem Jahr ausgehe, obwohl derzeit 1,27 Dollar bezahlt werden müßten. „Das ist nicht gut für den Ausblick.“

„Die Reaktion des Aktienkurses auf die Q2-Zahlen halten wir für übertrieben“, schreibt auch Thomas Hofmann, Analyst der Landesbank Rheinland-Pfalz (LRP), in einer ersten Stellungnahme. „Die Softwareerlöse haben zwar enttäuscht, doch das Management hält unverändert an der Guidance für das Gesamtjahr fest, so daß es sich hierbei nur um ein temporäres Problem handeln dürfte.“

Die Bank sehe keine Veranlassung, das Kursziel für Ende 2006 zu ändern. „Es ist aus unserer Sicht durchaus möglich, daß wir unsere Ergebnisschätzung aufgrund der hervorragenden Margensituation in Q2 nach oben anpassen werden. Wir möchten aber zunächst die Vorlage des vollständigen Zahlenwerks abwarten.“ Vor diesem Hintergrund biete die Aktie aktuell mit 21 Prozent ein überdurchschnittliches Kurspotential. Die LRP stufte den Titel daher von Market- auf Outperformer hoch.

Keine guten Zeiten für Technologie-Aktien

Trotzdem sollten sich Anleger davor hüten, übereilt einzusteigen. Der Chart sieht im Rückblick auf die vergangenen paar Jahre zwar gut aus - von einem Tief bei 41,65 Euro 2002 ging es aufwärts bis auf ein Fünf-Jahreshoch von 187,44 Euro im April dieses Jahres. Seither haben die Aktien aber immerhin 20 Prozent verloren. Der langjährige Aufwärtstrend, wenn er auch nicht besonders stabil war, wurde vor einigen Wochen gebrochen (siehe Chart) - kein gutes Zeichen für die nahe Zukunft.

Trotz des herben Rückgangs ist die Aktie noch nicht so günstig geworden, daß sich ein Einstieg aus fundamentalen Gesichtspunkten aufdrängen würde: Das Kurs-Gewinn-Verhältnis auf Basis der durchschnittlichen Gewinnschätzungen beträgt 24,7 für das laufende und 20,7 für das kommende Geschäftsjahr. Die Aktie des amerikanischen Konkurrenten Oracle, die am Nachmittag im europäischen Handel übrigens auch 3,55 Prozent im Minus liegt, ist mit einem KGV von unter 15 für das kommende Jahr auf den ersten Blick um einiges günstiger bewertet.

SAP wächst nach wie vor und steigert den Gewinn ordentlich - es handelt sich also um ein kerngesundes Unternehmen. Doch die übertrieben hohen Erwartungen konnte die Gesellschaft nicht erfüllen, daher fiel auch die Kursreaktion so heftig aus. Bei Technologie-Werten sind die Anleger derzeit besonders sensibel. Darum wird die SAP-Aktie wohl stabilere Marktphasen abwarten müssen, um ihre Qualitäten zeigen zu können. Die kommenden Wochen könnten sehr volatil werden.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @bemi mit Material von Reuters
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