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Software Oracle-Aktie weiter in Handelsspanne gefangen

21.03.2006 ·  Es gibt Unternehmen, die sorgen zwar für Nachrichten, doch an der Börse tut sich wenig. Meistens sind es die großen, so wie Microsoft - oder Oracle. Trotz aller Übernahmen können die Geschäftszahlen nicht so recht begeistern - wie meistens.

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Software - das war einmal eine Branche mit riesigem Potential. Oder zumindest dachte man das. Heute ist Software so etwas wie Infrastruktur. Man kommt ohne sie nicht aus, aber es gibt sie schon überall und so wird das Wachstum stärker zyklisch.

Das ist auch das Grundproblem eines großen Softwarekonzerns wie Oracle. Das amerikanische Unternehmen hat seinen Gewinn im dritten Geschäftsquartal zwar gesteigert, doch Analysten zeigten sich von der Nachfrage nach Datenbank-Programmen enttäuscht.

Effekte der Zukäufe nicht abzuschätzen

Oracle steigerte den Nettogewinn für das dritte Quartal gegenüber dem Vorjahresvergleichszeitraum um 41,7 Prozent auf 765 Millionen Dollar oder 14 Cent je Aktie. Der Umsatz in den drei Monaten bis Ende Februar stieg um 17,6 Prozent auf 3,47 Milliarden. Ohne Berücksichtigung von Einmalposten wurde dem Unternehmen zufolge ein Gewinn pro Aktie von 19 Cent erzielt. Damit lag das Ergebnis über der Prognose der von Reuters befragten Analysten, die im Schnitt mit 18 Cent pro Anteilsschein gerechnet hatte.

„Es sieht ganz gut aus, die Zahlen zu den Datenbank-Programmen waren jedoch ein bißchen schwach“, sagte Analyst Brendan Barnacle von Pacific CrestEquities am Montag. Nach den Worten Bernacles ist es schwer abzuschätzen, ob die Zunahme durch organisches Wachstum oder durch Zukäufe entstanden sei.

In den vergangenen zwei Jahren hat Oracle rund 19 Milliarden Dollar ausgegeben, um durch die Zukäufe, vor allem von Peoplesoft und Siebel Systems, besser gerüstet zu sein im Wettkampf mit seinem Hauptrivalen, dem deutschen SAP-Konzern. Siebel Systems trug zum Lizenzumsatz 22 Millionen Dollar bei. Die Unternehmensprognose hatte im Februar noch bei weniger als zehn Millionen Dollar gelegen.

Schwaches Wachstum im Datenbank-Bereich „nicht gesund“

Das Wachstum im Datenbank-Bereich, dem Traditionsgeschäft, in dem 75 Prozent des Umsatzes erwirtschaftet werden, verlangsamte sich auf vier Prozent. Analysten sehen darin ein Anzeichen, daß die von Oracle-Chef Larry Ellison durch die Zukäufe erhoffte Belebung des Umsatzes in diesem Bereich noch längere Zeit benötigen wird.

Die Lizenzeinnahmen betrugen 1,096 Milliarden Dollar und lagen damit am unteren Ende der Prognosespanne, die das Unternehmen im Februar vorgegeben hatte. Das dennoch hohe Wachstum stammt aus dem Bereich der Anwendungssoftware, der um 77 Prozent zulegte. „Sie müssen an Tempo zulegen“, sagt Tony Ursillo, Fondsmanager bei Loomis, Sayles & Co. „Anwendungssoftware ist zwar eine Möglichkeit, die Rentabilität zu verbessern, aber muß nicht notwendigerweise den Umsatz beleben. Man kann das Unternehmen nicht als gesund betrachten, wenn die Lizenzeinnahmen aus dem Datenbank-Bereich nicht anziehen.“

Der wahre Sieger heißt Microsoft

Was dem Unternehmen aus dem kalifornischen Redwood neben der Marktreife zu schaffen macht, ist ein Preiskampf mit Microsoft und IBM. Während es im Verhältnis zu IBM relativ gut aussieht, macht Analysten die Konkurrenz aus Redmond im Bundesstaat Washington mehr Sorgen. Mit der neuen Version einer preiswerten SQL-Server-Datenbank ist es der Nummer Drei gelungen, zahlreiche Kunden zu gewinnen. Microsoft sei der wahre Marktanteilsgewinner, sagt Charles Di Bona, Analyst bei Sanford C. Bernstein.

Für das vierte Quartal rechne das Unternehmen im wesentlichen unverändert mit einem Gewinn zwischen 26 und 28 Cent die Aktie ohne Berücksichtigung der Sonderposten, sagte Finanzchef Safra Catz. Zudem werde im Vergleich zum Vorjahreszeitraum mit einem Umsatzwachstum zwischen zehn und 14 Prozent gerechnet. Der Umsatz mit Neulizenzen werde zwischen 1,74 und 1,9 Milliarden Dollar liegen und damit höher als bislang erwartet. Neue Zukäufe soll es in der nächsten Zeit nicht mehr geben.

Vernünftige Bewertung ohne Durchschlagskraft

Die Zahlen von Oracle sind beileibe nicht schlecht. So richtig überzeugend sind sie aber auch nicht. Es ist eben ein bißchen wie Infrastruktur. Wächst der Markt, ist die Konjunktur gut, geht es besser voran. Zwei Dinge aber stören am Ausweis vom Montag: Zum einen das eher schwächere Datenbankgeschäft, zum anderen die Tatsache, daß Oracle sich nicht bemüßigt fühlt, die Auswirkungen der Akquisitionen zu beziffern.

Die amerikanischen Anleger zeigten sich auch wenig begeistert. Oracle verloren im nachbörslichen Handel 2,3 Prozent auf 13,35 Dollar. Die wenig positive Nachrichtenlage trübt auch die an für sich vernünftige Bewertung mit Kurs-Gewinn-Verhältnissen (KGV) von 14,7 für das laufende und 12,7 für das kommende Geschäftsjahr. Damit ist das Papier deutlich günstiger als Microsoft mit KGVs von 18,1 und 15,7 oder erst recht als SAP mit 29,3 und 25,1.

Doch diese Bewertung kommt nicht zum Tragen, zumal der Konzern keine Dividende zahlt. Das eher ungünstige Sentiment findet vor allem im Chart Ausdruck. Anfang Juni 2002 erreichte das Papier beim Kurs von 7,321 Dollar ein Sechs-Jahres-Tief. Davon ausgehend erholte sie sich bis auf ein Vier-Jahres Hoch bei 14,89 Dollar. Seitdem aber ist eher wenig passiert, außer daß der Trendkanal langsam zuläuft. Irgendwann gegen Ende des Jahres oder Beginn des nächsten könnte dann in der Gegend von 12,50 Dollar ein Wendepunkt erreicht werden. Bis dahin gilt weiter, daß von der Oracle-Aktie kein Ausbruch aus der Region zwischen 12 und 14 Dollar zu erwarten ist - was immerhin gewisse Trading-Chancen eröffnet.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @mho
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