Mit vorbörslichen Kursgewinnen von bis zu 6,8 Prozent reagiert am Montag die Aktie des amerikanischen Softwareunternehmens Oracle auf die Mitteilung einerseits, es habe sich mit PeopleSoft nach 18-monatiger Übernahmeschlacht mit dem ehemaligen Konkurrenten PeopleSoft auf eine Übernahme geeinigt.
Oralce zahlt rund 10,3 Milliarden Dollar, das sind umgerechnet 7,75 Milliarden Euro, oder 26,50 Dollar je Aktie. Die Transaktion ist von den Verwaltungsräten beider Gesellschaften gebilligt worden und soll Anfang Januar über die Bühne gehen. Die bisherige Offerte hatte 9,2 Milliarden Dollar oder 24 Dollar je Aktie betragen. Das neue Übernahmeangebot soll am 28. Dezember auslaufen. Der PeopleSoft-Verwaltungsrat empfahl den eigenen Aktionären, ihre Aktien anzubieten. Die gegenseitigen Klagen seien ausgesetzt worden und sollten nach Vollzug der Transaktion endgültig fallen gelassen werden, erklärte PeopleSoft.
Aufholprozeß im Softwarebereich
Oracle liegt im Unternehmenssoftware-Sektor weltweit auf Platz drei hinter PeopleSoft und dem Branchenführer SAP. Damit stärkt Oracle nicht nur diesen Geschäftsbereich, sonder schließt auch viel stärker zu SAP auf. Der Kauf von PeopleSoft wird den Unternehmenssoftware-Bereich von Oracle erheblich stärken und die Abhängigkeit vom bisher eher dominierenden Datenbankgeschäft reduzieren, das bisher rund 80 Prozent des Oracle-Konzernumsatzes gebracht hatte.
„Dieser Zusammenschluß gibt Oracle noch mehr Masse und Bewegung“, erklärte Oracle-Konzernchef Larry Ellison. Ellison verwies darauf, daß Oracle mehr Kunden haben werde. Hierdurch könne man mehr in die Anwendungssoftware-Entwicklung und -Unterstützung mehr investieren. Ellison sagte zu, daß Oracle die existierende PeopleSoft- und JD- Edwards-Software unterstützen und neue Versionen entwickeln werde. PeopleSoft hatte immer wieder behauptet, Oracle wolle durch die Übernahme nur die PeopleSoft-Kunden bekommen und dann die PeopleSoft-Software fallen lassen.
Ellison erwartet, daß der Kauf im vierten Quartal des laufenden Geschäftsjahres einen Cent Gewinnsteigerung bringen wird und im kommenden Geschäftsjahr insgesamt acht Cent je Aktie. Im darauf folgenden Jahr werde es noch etwas mehr sein.
Teure Übernahme - Oracle-Aktie nur im relativen Vergleich günstig
Das revidierte Angebot repräsentiere „einen guten Wert für die PeopleSoft-Aktionäre“. Es sei ein erheblicher Aufschlag gegenüber Oktober, erklärte A. George „Skip“ Battle, der Leiter des zuständigen Ausschusses im PeopleSoft-Verwaltungsrat. PeopleSoft hatte zuvor sämtliche Oracle-Offerten als unzureichend abgelehnt, obwohl 61 Prozent der eigenen Aktionäre ihre Aktien bereits bei der vorherigen Offerte von 24 Dollar je Aktie angeboten hatten.
Der Kurs wird sicherlich nicht nur getrieben von der nun mit einem Kurs-Gewinnverhältnis von 38,6 vergleichsweise teuer vollzogenen Übernahme, sondern auch vom gleichzeitig vorgelegten Quartalsergebnis. Mit einem Gewinn je Aktie von 16 Cents konnte Oracle die Markterwartungen leicht übertreffen. Eine Margenverbesserung macht einen positiven Eindruck.
Bei einem Kurs-Gewinnverhältnis von 23 und 20,5 auf Basis der Gewinnschätzungen für das laufende und das kommende Geschäftsjahr ist die Oracle-Aktie sicherlich grundsätzlich kein Schnäppchen. Das Unternehmen muß alleine schon aus diesem Grund Synergieeffekte aus der Übernahme ziehen können, um die Bewertung mit deutlich steigenden Umsätzen und Erträgen zu rechtfertigen. Das Papier sieht lediglich im Vergleich mit dem Konkurrenten SAP vorteilhaft aus, ist dessen Aktie doch noch wesentlich teurer.
Charttechnisch konnte die Aktie in den vergangenen Wochen einen kurzfristigen Abwärtstrend überwinden und einen ebenso kurzfristigen Aufwärtstrend etablieren. Die nächste Widerstandszone liegt bei etwa 14 Dollar und danach wartet die nächste bei etwas 15 Dollar. Sollte die Aktie diese Widerstände in einem positiven Umfeld überwinden können, dürfte sie weiteres Potential haben. Aber Absicherungsstrategien dürften sich auf Grund der angespannten Bewertung empfehlen.