04.02.2004 · Lion Bioscience hat den Verlust stärker reduziert als erwartet. Doch geht das Unternehmen für das Geschäftsjahr von einem satten Millionenverlust aus. Bei der Aktie lädt nichts zum Kaufen ein.
Es war einmal eine güldene Zeit an den Börsen. Die Anleger setzten große Hoffnungen in neue Unternehmen, die sich moderner Technologien verschrieben hatte. Also waren sie bereit, eine Menge Geld in ihre Phantasien zu investieren. So kam es, daß der Kurs der Aktie der Lion Bioscience AG auf bis zu 131,30 Euro in die Höhe stieg. Und Börsianer bejubelten das Heidelberger Unternehmen als „Microsoft der Biotechnologie“. Dies begab sich im September 2000.
Doch die Geschichte um Lion ist ein Märchen der recht gruseligen Art. Anders als der Software-Riese aus dem fernen Amerika konnten die wackeren Schmiede von Programmen für Biotechnologen den Umsatz und den Gewinn nicht in phantastische Höhen heben. Im Gegenteil: Lion steckt in den roten Zahlen, und der Kurs der Aktie ist so tief gefallen, daß es Anleger besser bleiben lassen, den Verlust auszurechnen. Am Dienstag war sie noch 3,20 Euro wert, nach einem Tagesverlust von fast einem Prozent. Und es ist unklar, warum sich das Papier, das sich seit Monaten abwärts orientiert, wieder einen nachhaltigen Höhenflug erleben sollte. Denn der Verlust ist höher als der Umsatz und der Trend schwach, zudem droht die Herausnahme aus dem TecDax.
Verlust stärker verringert als erwartet, aber...
Das Heidelberger Bioinformatikunternehmen hat nach eigenen Angaben den Verlust in seinem dritten Geschäftsquartal zwar weiter verringert. In den drei Monaten zum 31. Dezember 2003 sei der Nettoverlust nach vorläufigen Zahlen auf 6,1 Millionen Euro von 22,0 Millionen Euro im gleichen Vorjahreszeitraum gesunken, wobei Analysten durchschnittlich ein Minus von 8,7 Millionen Euro erwartet hatten. Für das gesamte Geschäftsjahr erwartet Lion Bioscience aber einen Verlust von 22 bis 25 Millionen Euro bei einem Umsatz von 19 bis 20 Millionen Euro.
Das Unternehmen kündigte auch die Revision der Umsatz- und Ergebniszahlen der Vorjahre an, wie Reuters berichtet. Die Berichtigung betreffe die Umsatzrealisierung längerfristiger Software-Lizenzen sowie Lizenzen mit einer Laufzeit von bis zu einem Jahr. Die Erlöse dieser Lizenzen würden nicht mehr im Zeitpunkt des Vertragsabschlusses sondern über die vereinbarte Laufzeit verteilt. Deswegen würden die Umsätze und parallel hinzu die Ergebnisse 2000/2001 um zwei Millionen Euro und die von 2001/2002 um sieben Millionen Euro nach unten korrigiert.
Lion bietet Software für die Medikamentenforschung an, mit der Pharmafirmen Daten sammeln und aufbereiten. Der Berliner Pharmakonzern Schering etwa und die italienische Firma Siena Biotech nutzen IT-Produkte von Lion. Lion hatte die eigene Wirkstoffforschung geschlossen, nachdem das Unternehmen bei der Suche nach einem Partner gescheitert war. Seitdem konzentriert sich Lion auf den Ausbau seiner Informatikprodukte.
...Abschied von operativ schwarzen Zahlen im vierten Quartal
Lion erwartet den Angaben zufolge zum Ende des Geschäftsjahres 2003/04 eine Liquiditätsreserve von mindestens 40 Millionen Euro. Ende Dezember waren noch 48,1 Millionen Euro in der Kasse. Die Kosten für Abschreibungen sollen im letzten Geschäftsquartal auf sieben nach acht Millionen Euro sinken. Aber: Das Ziel, vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen und Amortisation schwarze Zahlen zu schreiben, werde voraussichtlich nicht erreicht, hieß es weiter.
Mithin reißt die Kette nachteiliger Nachrichten aus dem Unternehmen nicht ab. Schließlich zählen am Ende nur Gewinne, und die scheinen weiter nicht greifbar zu sein. Und: Die Quartalszahlen des Unternehmens seien kaum mehr einzuschätzen, monieren Händler. Das Vorgehen irritiere die Anleger und sei “unmöglich“.
Schelte von Händlern - Trend zeigt abwärts
Angesichts dessen ist es kein Trost, daß der Börsenwert zu etwa zwei Dritteln durch Barmittel gedeckt ist. Und kein Wunder, daß Anleger in der jüngsten Zeit vermehrt dem Titel den Rücken gekehrt haben, mit dem es seit langer Zeit nichts zu verdienen gab. Binnen Jahresfrist hat die Aktie 28 Prozent an Wert verloren, während der TecDax, dem sie angehört, in derselben Zeit um fast 70 Prozent zugelegt hat.
Auch charttechnisch gesehen spricht nichts für den Titel. Der Kurs nähert sich dem unteren Ende seiner seit einem Jahr geltenden Handelsspanne, und der kurzfristige Trend ist negativ. Zudem dürfte die Aussicht, wegen der schwachen Marktkapitalisierung des Streubesitzes demnächst aus dem TecDax zu fliegen, den Titel weiter belasten. Dieses Papier braucht man nicht.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |