Zur Wochenmitte können sich Börsianer weiteren Übernahmephantasien hingeben. SAP hat bekanntgegeben, die Tochter SAP Systems Integrations zu übernehmen. Der Software-Riese bietet den anderen Aktionären gut 33 Prozent mehr je Aktie, als SAP SI zuletzt an der Börse wert war. Börsianer leiten aus diesem geplanten Geschäft einen möglichen Dominoeffekt ab: Weitere Software-Dienstleister, die sich als Partner von SAP sehen, könnten übernommen werden, heißt es. Diese Phantasien werden vor allem auf IDS Scheer, Novasoft projiziert - und auf Itelligence.
Die Aktie dieses Software-Hauses mit Sitz in Bielefeld verdient es unabhängig von den neuen Gedankenspielen, beachtet zu werden. Denn sie ist binnen Jahresfrist sehr gut gelaufen und hat sich weitaus besser entwickelt als der TecDax, der mit Blick auf diesen Zeitraum nach dem SDax der zweitbeste wesentliche deutsche Aktienindex ist. Hinzu kommt die Aussicht auf den Sprung in die Gewinnzone, da Itelligence im vierten Quartal 2003 nach US-GAAP ein positives Ergebnis erreicht hat. Zudem wirkt die Aktie nicht hoch bewertet. Am Mittwoch verbessert sich der Titel in der ersten Handelsstunde um knapp ein Prozent auf 2,20 Euro.
Umsatz- und Ergebnisprognose für 2003 übertroffen
Das im Prime Standard gelistete Unternehmen war im Jahr 2000 an den Neuen Markt gegangen. Die Aktie erreichte rasch ihr Rekordhoch von 37 Euro und sah ihren Tiefpunkt bei 61 Cent am 12. März vergangenen Jahres. Seitdem ist es aber deutlich aufwärts gegangen: Ein Plus von 203 Prozent steht binnen Jahresfrist zu Buche - der TecDax hat sich in dieser Zeit um 58 Prozent verbessert.
Parallel dazu hat sich die Ertragslage des Unternehmens nach eigenen Angaben deutlich aufgehellt. Zwar sanken die Umsätze im vergangenen Jahr gegenüber 2003 auf 150,8 Millionen Euro nach 168 Millionen Euro. Allerdings hatte sich Itelligence von Geschäftsfeldern getrennt, sodaß dieser Vergleich hinkt. Und die eigene Umsatzprognose von 140 bis 145 Millionen Euro haben die Westfalen übertroffen. Auch ist das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Amortisation (Ebita) mit minus 3,98 Millionen Euro besser ausgefallen als vorhergesagt; Itelligence hatte mit minus vier bis minus sechs Millionen Euro gerechnet. Und im vierten Quartal konnte das vor einer Kapitalerhöhung stehende Unternehmen unter dem Strich ein Plus von 100.000 Euro ausweisen. Itelligence spricht von einem verbesserten Umfeld, hat bisher aber noch keinen Ausblick gegeben.
Aktie scheint in Vergleich zu Mitbewerbern unterbewertet
Gleichwohl kann die jüngste Stärkung der Ertragskraft als Anlaß für Hoffnungen dienen, daß der Sprung in die Gewinnzone in diesem Jahr gelingen werde. Falls dies der Fall sein sollte, würde die Aktie zweifelsfrei attraktiver. Bisher ist sie mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 35 ambitioniert bewertet. Dieser Befund wird indes durch den Umstand relativiert, daß das Unternehmen bei einem Umsatz von 150,8 Millionen Euro nur auf eine Marktkapitalisierung von 41 Millionen Euro kommt. Das Verhältnis von Börsenwert zu Erlösen beträgt 0,3:1. Bei SAP SI beläuft es sich dagegen auf 2,4:1, bei IDS sogar auf knapp 2,7:1. Insofern scheint die Itelligence-Aktie unterbewertet zu sein und noch Luft zu haben.
Charttechnisch sieht es bei Itelligence erfreulich aus. Nach dem Abschied aus dem langfristigen Abwärtstrend hat sie sich im Aufwärtstrend festgesetzt. Dieser ist anders als bei vielen anderen Werten durch die Abwärtsbewegung nach den Anschlägen von Madrid nicht gefährdet, sondern voll intakt, auch wenn das Papier nicht ungeschoren davon gekommen ist. Technische Kaufsignale würde der Titel senden, wenn er die Charthürden bei 2,29 Euro, 2,37 Euro und 2,41 Euro nehmen könnte.