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Software-Industrie Die nächsten Übernahmen in der Softwarebranche

10.10.2007 ·  Nachdem SAP mit seiner Ankündigung der Übernahme von Business Objects unlängst einen Kurswechsel einleitete, sind weitere strategische Akquisitionen im Softwaresektor möglich. Übernahmekandidaten: Cognos, Bladelogic und Informatica.

Von Steve Rosenbush, BusinessWeek.com, New York
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Jahrzehntelang hielt SAP an seiner Strategie des organischen Wachstums fest. In den vergangenen drei Jahren gab der Walldorfer Softwaregigant die vergleichsweise moderate Summe von etwa einer Milliarde Dollar für Akquisitionen aus, während Branchenrivale Oracle nach Angaben von Citigroup-Analysten im gleichen Zeitraum Transaktionen im Umfang von 25 Milliarden Dollar abschloss. Doch mit der Ankündigung der Übernahme von Business Objects am 7. Oktober kehrte SAP dieser Strategie den Rücken. Die Akquisition des in Frankreich ansässigen Anbieters von Business-Intelligence- und Data-Mining-Software ist mit einem Volumen von 6,8 Milliarden Dollar die größte Übernahme in der SAP-Firmengeschichte.

Dies signalisiert die Veränderungen, die sich im Softwaresektor in den kommenden Monaten und Jahren durch Fusionen und Übernahmen einstellen werden. Das Wachstum im Softwarebereich verlangsamt sich und Private-Equity-Gesellschaften ringen in einem Umfeld turbulenter Kreditmärkte um Finanzmittel für große Akquisitionen. Dies öffnet das Tor für strategische Käufer - von SAP und Oracle zu IBM und Hewlett-Packard - auf der Suche nach weiteren Transaktionen. „Die Kreditklemme hat das Geschäft für Private-Equity-Gesellschaften erschwert, während Softwareunternehmen nun zu der Überzeugung gelangt sind, freie Hand für Übernahmen zu haben“, meint Bill Whyman, Analyst bei der ISI Group.

Stabile Serviceumsätze zahlen sich aus

Das Wachstum in der Softwarebranche hat sich in den zurückliegenden Jahren drastisch verlangsamt. Der 80 Milliarden Dollar schwere Markt für Anwendungssoftware, auf dem Oracle und SAP miteinander konkurrieren, stieg nach Angaben von Jim Shepherd, Analyst bei AMR Research, im Jahr 2006 um 14 Prozent, und lag damit deutlich unter den hohen zweistelligen Zuwachsraten der Neunzigerjahre.

Doch selbst bei nachlassendem Marktwachstum können Fusionen und Übernahmen für Softwareunternehmen äußerst lukrativ sein. Dies liegt daran, dass Großabnehmer von Unternehmenssoftware gewaltige Summen für Wartungs- und Servicegebühren hinblättern, um ihre Software auf dem neuesten Stand zu halten. Diese Zahlungen, die in der Regel auch nach der Übernahme von Unternehmen weiterlaufen, können zwischen 30 und 40 Prozent des ursprünglichen Vertragspreises ausmachen. „Durch diese Gebühren amortisieren sich die Übernahmen im Laufe der Zeit“, so Whyman.

Aus diesem Grund war SAP auch bereit, für Business Objects eine zwanzigprozentige Prämie auf den Marktpreis zu zahlen, selbst wenn Investoren bemängelten, dass SAP zu viel auf den Tisch legte. Die Aktien von Business Objects schlossen am vergangenen Montag bei 57,83 Dollar, nicht weit unterhalb des SAP-Angebots von 59 Dollar, aber deutlich über ihrem vorherigen Schlusskurs von 50 Dollar. Die Aktien von SAP fielen dagegen um 2,87 Dollar oder 4,85 Prozent auf 56,36 Dollar.

Weitere Transaktionen wahrscheinlich

Auf dem Markt für Business-Intelligence-Software sind weitere Transaktionen möglich. Die Aktien des kanadischen Rivalen Cognos schossen am Montag um 6,05 Dollar oder 13,6 Prozent auf 50,50 Dollar in die Höhe, da viele Anleger auf Cognos als nächstes Übernahmeziel spekulieren. „Gerüchte über eine Übernahme von Cognos machen seit längerem die Runde“, so Peter Falvey, Mitgründer der Investmentbank Revolution Partners. Cognos ist ein Anbieter von Softwarelösungen, die Unternehmen bei ihrer Marktanalyse unterstützen. Nach Ansicht von Whyman wäre IBM ein passender Partner, da das Unternehmen bereits enge Geschäftsbeziehungen zu Cognos unterhalte. Auch Oracle käme als Käufer in Frage, das mit Hyperion bereits ein ähnliches Unternehmen erwarb. Die Software von Hyperion wird jedoch als Lösung für Führungskräfte in Finanzabteilungen zur Analyse von Ausgabenentscheidungen vermarktet. Cognos könnte sich hier ausreichend abheben, um eine Transaktion für Oracle zu rechtfertigen, meint Whyman.

Es ist sogar möglich, dass selbst Business Objects im Fadenkreuz stehen könnte. „Ich wäre nicht überrascht, wenn ein anderer Käufer ein Übernahmeangebot für Business Objects unterbreiten würde,“ sagt Falvey. Ein solches Angebot scheint zwar wenig wahrscheinlich, könnte jedoch eine sinnvolle Option für Microsoft sein, das mit Business Objects bereits intensivere Geschäftbeziehungen unterhält.

Mögliche Übernahmekandidaten

Die Softwareanalysten der Citigroup äußerten sich in einem am fünften Oktober veröffentlichten Bericht über weitere mögliche Transaktionen. Ihre Favoriten unter den Übernahmekandidaten sind BladeLogic und Informatica. BladeLogic ist ein Anbieter von stark gefragten Automatisierungssystemen für Datenzentren, während Informatica in einer zusehends komplexer werdenden Informationswelt mit seiner Datenintegrationssoftware ein Wachstum von 19 Prozent verzeichnet.

Ein weiterer favorisierter Software-Übernahmekandidat ist BEA Systems, ein Hersteller von Infrastruktur-Software. Whyman zufolge ist eine Übernahme dieses Unternehmens längst überfällig, da die Führung von BEA Systems an einem Verkauf bislang wenig interessiert war. BEA würde sehr gut zu HP mit seiner Ausrichtung auf Software-Infrastruktur passen.

Es ist noch nicht lange her, da hatten Softwareunternehmen wenig Grund zu verkaufen. Sie setzten ihre Hoffnung lieber auf einen großen Börsengang. Doch in dem neuen wachstumsschwächeren Umfeld ist es für kleinere Unternehmen schwieriger, ein ausreichendes Wachstum für einen großen Sprung auf das Parkett zu erzielen, weshalb Fusionen und Übernahmen im Softwaresektor für Käufer wie Verkäufer zunehmend an Bedeutung gewinnen.

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