28.10.2005 · Unter Analysten gilt die Aktie von Microsoft als „strong buy“. Die Frage ist nur: warum? Denn Microsoft zählt an der Wall Street trotz seiner fast einzigartigen Marktstellung zu den Luschen.
Unter Analysten gilt die Aktie von Microsoft als „strong buy“. Zuletzt hat das Analysehaus McAdams Wright Ragen das Kursziel des Papiers auf 31 Dollar festgesetzt und die Kaufempfehlung wiederholt. JP Morgan Securities empfiehlt, die Aktie im Portfolio überzugewichten, Friedman, Billings, Ramsey & Co. halten den Titel für einen „outperformer“ und sehen den fairen Wert bei 32 Dollar. Und auch Independent Research in Frankfurt rät zum Kauf. Die Frage ist nur: warum?
Denn Microsoft zählt an der Wall Street trotz seiner fast einzigartigen Marktstellung zu den Luschen. Denn in den vergangenen Jahren is die Aktie unter dem Strich deutlich gefallen. Binnen Jahresfrist hat die Notiz an der Wall Street 9,5 Prozent verloren, am deutschen Markt steht dank der zwischenzeitlichen Dollaraufwertung ein Minus von „lediglich“ 4,5 Prozent zu Buche. Und die Kursbilanz dürfte noch schwächer werden, die Aktie dem Dow Jones-Index also weiter hinterher laufen.
Denn: Das Softwareunternehmen hat zwar mit seinem Nettogewinn im ersten Geschäftsquartal 2005/06 die Erwartungen der Analysten übertroffen, nicht aber mit dem Umsatz. Und der Ergebnisausblick ist deutlich weniger zuversichtlich als bei den Analysten. Angesichts dessen ist die Notiz im nachbörslichen Handel um 1,6 Prozent auf 24,45 Dollar gefallen, nachdem sie im regulären Handel schon gut ein Prozent gelassen hatte.
Jahresgewinn-Ausblick klar unter Wasser
Microsoft hat im ersten Quartal des Geschäftsjahres einen Nettogewinn von 3,14 Milliarden Dollar oder 29 Cent je Aktie erwirtschaftet. Vor Jahresfrist lag der Gewinn noch bei 2,53 Milliarden Dollar oder 23 Cent je Aktie. Ohne Sonderposten für einen Rechtsstreit hätte der Gewinn 31 Cent je Aktie betragen. Von Reuters befragte Analysten hatten vor Bekanntgabe der Bilanzzahlen am Donnerstag durchschnittlich mit einem Gewinn je Anteilsschein von 30 Cent je Aktie gerechnet.
Der Umsatz des Unternehmens stieg den Angaben zufolge um sechs Prozent auf 9,74 Milliarden Dollar nach 9,19 Milliarden im Vorjahresquartal. Analysten hatten allerdings 9,79 Milliarden Dollar erwartet.
Für das laufende Vierteljahr rechnet das weltgrößte Softwarehaus mit einem Gewinn zwischen 32 und 33 Cent je Aktie. Hier waren die Analysten indes bisher optimistischer. Sie erwarteten für diesen Zeitraum mit einen Gewinn je Aktie von 38 Cent. Den Umsatz sieht Microsoft im zweiten Quartal zwischen 11,9 Milliarden und 12,0 Milliarden Dollar. Damit liegt das Unternehmen ebenfalls unter den Analystenerwartungen, die von 12,262 Milliarden Dollar ausgingen.
Für das gesamte Geschäftsjahr rechnet der Konzern mit einem Gewinn je Aktie von 1,26 bis 1,30 Dollar einschließlich Sonderposten. Der Markt setzte die Erwartungen mit 1,44 Dollar je Aktie an. Das Umsatzziel des Unternehmens liegt für das Gesamtjahr bei 43,7 Milliarden Dollar bis 44,5 Milliarden Dollar. Die Schätzungen der Analysten gingen bisher von 44,289 Milliarden Dollar aus, wie Reuters ausführt.
Gigantisches Rückkauf-Programm
Mit einer Nachricht hat der Konzern unter Anlegern immerhin gut Wetter gemacht. Er will sein laufendes Aktienrückkauf-Programm beschleunigen - obwohl Microsoft bisher schon für sage und schreibe elf Milliarden Dollar eigene Anteile gekauft hat. Bis Ende 2006 soll das Volumen auf 19 Milliarden Dollar steigen. Goldman Sachs-Analyst Rick Sherlund wertet diese Ankündigung laut Dow Jones-vwd als „ermunternd“.
Daraus aber ein Kaufargument abzuleiten, erscheint riskant. Denn die Aktie kommt trotz der gigantischen, den Kurs grundsätzlich stützenden Rückkäufe nicht in die Puschen. Im Gegenteil: Deutsche Investoren haben binnen fünf Jahren mit dem Titel fast 45 Prozent und in den vergangenen drei Jahren 22 Prozent verloren. Seit Oktober 2002 bewegt sich die Notiz zwischen 23 Dollar und 29 Dollar. Wer nicht das richtige Timing hinlegt, kann diese Volatilität nicht nutzen. Und welcher Privatanleger schafft es schon, die Aktie zum Tiefkurs zu kaufen und nahe am Hoch wieder zu veräußern? Von den steuerlichen Nachteilen, einen Kursgewinn innerhalb der Spekulationsfrist mitzunehmen, einmal abgesehen.
Auch angesichts des Ausblicks und des unter Wasser liegenden Ausblicks, durch den das Kurs-Gewinn-Verhältnis voin 17,3 auf 19,3 steigt und das Papier (noch) unattraktiver macht, sollten Anleger nicht auf den Analystentenor hören - und die Finger besser von dem Papier lassen.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |