30.09.2005 · Convera produziert Suchsoftware und hat damit noch nie Geld verdient. Doch ein neuer Suchalgorithmus und ein möglicher Break-Even haben die Aktie unlängst aus ihrer Lethargie befreit.
Während es für Privatnutzer oft einfach nur lästig ist, in den Weiten des Internet auf der Suche nach der gewünschten Information herumzuirren, so bedeutet zeitraubendes Recherchieren von Angestellten in Intranet, Datenbanken und Web für Unternehmen vergeudete Arbeitszeit, die sich schnell zu erklecklichen Kosten aufaddiert.
Den Rettungsanker in der Flut wollen „information retrieval systems“, eine Art Super-Suchmaschinen, bilden. Sie sind in der Lage, Datenbestände unterschiedlichsten Typs, von Websites über Datenbanken bis zu Audio- und Video-Dateien, nach bestimmten Schlüsselwörtern zu durchforsten. Dabei beschränken sie sich nicht auf den exakten Begriff wie Internet-Suchmaschinen à la Google & Co., sondern erweitern das eingegebene Wort um ähnliche Bezeichnungen im Sinnzusammenhang und Synonyme.
Noch niemals Geld verdient
Ein profilierter Hersteller dieses Sektors ist die in Vienna im amerikanischen Bundesstaat Virginia ansässige Convera Corporation. Converas Software trägt den stolzen Namen Excalibur und soll in der Lage sein, 200 Formate von Text-, Video-, Bild- und Audiodateien in über 45 Sprachen zu durchforsten. Bereits 800 Kunden in 33 Ländern setzten das System ein. Gegründet wurde Convera im Dezember 2000 durch die Verschmelzung von Excalibur Technologies and der Sparte mediale Dienstleistungen des Prozessorherstellers Intel.
Eine Erfolgsgeschichte ist die Software dennoch nicht. Denn Gewinne hat Convera seit 1996 noch nicht zu verzeichnen gehabt. Vor allem die Anfangsjahre des laufenden Jahrzehnts liefen zum Teil verheerend. Nachdem im Jahr 2000 fast der Break-even erreicht worden war, begann trotz eines Rekordumsatzes von 51,5 Millionen Dollar der Ertrag im Jahr 2001 einzubrechen. Exorbitante Goodwill-Abschreibungen führten schließlich im Jahr 2002 zusätzlich zu einem Umsatzeinbruch um ein Drittel zu einem Verlust von über 900 Millionen Dollar.
In den Jahren darauf verbesserten sich die Ergebnisse spürbar. Das vergangene Geschäftsjahr schloß Convera mit einem Betriebsverlust von unter 20 Millionen Dollar ab. Indes schwankten die Umsätze. Konnte das Unternehmen 2004 noch 24 Prozent mehr als im Jahr davor vereinnahmen, sackten die Umsätze im vergangenen jahr wieder um zwölf Prozent ab.
Break-Even in diesem Jahr möglich
Die schlechten Ergebnisse spiegelten sich im Aktienkurs wider. Im Jahr 2000 notierte das Papier auf der Höhe des Internet-Booms noch bei 68,56 Dollar, brach dann aber binnen kürzester Zeit ein und sackte schließlich auf 1,25 Dollar ab. Auf diesem Niveau dümpelte die Aktie dann jahrelang dahin. Erst im Juli startete sie eine Bergfahrt, die sie zuletzt am Donnerstag auf ein Vier-Jahres-Hoch bei 14,05 Dollar führte.
Hintergrund sind zum einen Hoffnungen, daß es Convera jetzt endlich gelingt, den Break-even zu erreichen. Denn im ersten Halbjahr des laufenden Geschäftsjahres, das im Januar 2006 endet, fiel der Nettoverlust auf 2,495 Millionen Dollar und damit auf 21 Prozent des Vorjahresniveaus. Dabei machte vor allem das zweite Quartal Mut, in dem sich der Nettoverlust auf lediglich 25.000 Dollar belief.
Dabei ist zu berücksichtigen, daß seit jeher der Löwenanteil des Ergebnisses in der zweiten Hälfte des Geschäftsjahres verbucht wird. Da es keinen Anlaß gibt, anzunehmen, daß das in diesem Geschäftsjahr anders sein sollte, könnte Convera erstmals mit einem Gewinn abschließen.
Indes sank der Umsatz im ersten Halbjahr gegenüber dem Vorjahr wieder ab. Rechnet man die Ergebnisverbesserungen der vergangenen Jahre auf das zweite Halbjahr hoch, kann man derzeit von einer Bewertung mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von über 100 ausgehen. Kann das Unternehmen die Tendenz fortsetzen, so könnte dies zwar im kommenden Geschäftsjahr deutlich niedriger ausfallen, aber das ist doch schon recht spekulativ.
Der „Anti-Google“
Zum anderen scheint der Internet-Hype aus der Aktie nicht verschwunden zu sein. Denn Convera hat seit kurzem ein Produkt namens Excalibur im Portfolio, einen eigenen Suchalgorithmus im Angebot, der als Technologie-Plattform vertrieben wird. Dieser soll bessere, individuellere Suchergebnisse liefern. Dies ist Wasser auf die Mühlen all der Google-Kritiker, die dem Unternehmen schon lange vorwerfen,seine Suchalgorithmen zunehmend unter kommerziellen Gesichtspunkten und nicht unter denen der Usability zu verändern.
So dauert es allein mehrere Wochen, bis eine Seite via Google überhaupt auffindbar ist. Kritiker sehen darin den Versuch, die Kunden dazu zu drängen Werbung bei Google zu schalten. Ob aber ausgerechnet die Convera-Technik den Platzhirsch Google wird verdrängen können, steht in den Sternen.
Charttechnisch hat die Aktie jedenfalls sehr viel Dynamik entwickelt. Bei zehn Euro hat sie eine kleine Unterstützung gebildet. Auf dem derzeitigen Sentiment kann sie durchaus zunächst weiterlaufen, weil nachvollziehbare Bewertungen ohnehin keine Rolle zu spielen scheinen. Dies birgt jedoch dien große Gefahr eines jähen Kurseinbruchs, sollten die Erfolge hinter den Erwartungen zurück oder gar ganz ausbleiben. Hier geht ohne Absicherung gar nichts.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |