18.11.2004 · Das Bioinformatikunternehmen Lion Bioscience muß wieder einmal mit seinen Geschäftsprognosen zurückrudern. Da wundert es nicht, daß der Aktienkurs phasenweise schon Penny-Stock-Niveau erreicht hat.
Es bleibt dabei: Das ehemals mit hehren und wohlklingenden Wachstumszielen an die Börse gegangene Bioinformatikunternehmen Lion Bioscience kommt einfach nicht aus den Negativschlagzeilen.
Wie leider schon viel zu oft wartet die Gesellschaft am Donnerstag wieder einmal mit dem Eingeständnis auf, daß eigene Prognosen nicht erfüllt werden können. Und was sich ebenfalls nicht verändert hat, sind die gleichzeitig abgegebenen optimistischen Versprechungen. Diese beinhalten dieses Mal die Hoffnung, mit Hilfe eines massiven Stellenabbaus und einem neuen Vorstand im kommenden Geschäftsjahr 2005/2006 doch noch profitabel zu werden.
Aktienkurs kostete zwischenzeitlich schon weniger als einen Euro
An der Börse werden die ständigen Hiobsbotschaften inzwischen offenbar weitgehend achselzuckend zur Kenntnis genommen. Auf die Nachrichten vom Berichtstag reagiert der Aktienkurs jedenfalls nur noch mit einem Abschlag von 2,44 Prozent auf 1,20 Euro. Vermutlich hat dies auch damit zu tun, daß in dem Papier nur noch jene hartgesottenen Investoren engagiert sind, die ihre Positionen geistig bereits abgeschrieben haben und jetzt doch nur noch auf ein Wunder hoffen.
Außerdem ist die Marktkapitalisierung bereits auf weniger als 24 Millionen Euro geschrumpft, so daß es hier nicht mehr viel zurechtzustutzen gibt. Und mit einem Rekordtief von 0,94 Euro war der Titel im Oktober sogar schon einmal zwischenzeitlich endgültig auf ein Penny-Stock-Niveau abgerutscht.
Höhere Kurse hat Lion Bioscience zunächst aber auch nicht verdient. Denn offenbar tun sich die hauseigenen Produkte schwer damit, zahlende Abnehmer zu finden. Der schleppende Verkauf ist jedenfalls der Grund, warum neuerdings für das Geschäftsjahr 2004/2005, das am 31. März 2005 endet, bei einem Umsatz von acht bis zehn Millionen Euro mit einem Verlust inklusive Restrukturierungskosten zwischen 14 und 16 (Vorjahr: 21,5) Millionen Euro gerechnet wird.
Seit langem geht es bei Lion drunter und drüber
Diese neue Prognose zeigt, wie unberechenbar es bei dem Unternehmen zugeht. Denn schließlich hatte Lion erst Anfang November Halbjahreszahlen veröffentlicht und da seine Jahresziele noch bekräftigt. Demnach wollte Lion im laufenden Geschäftsjahr 2004/05 bei einem Umsatz von zwölf bis 13 Millionen Euro einen Nettoverlust zwischen zehn und elf Millionen Euro erreichen.
In das turbulente Bild passen auch die Mitte Oktober vermeldeten Rücktritte der Vorstände Martin Hollenhorst und Daniel Keesman. Begründet hatten diese ihren Schritt damit, daß das Unternehmen auf Grund der hohen Kosten in Folge der Notierung an der Technologiebörse Nasdaq keine Manager-Haftpflichtversicherung (D&O) für den Vorstand mehr abgeschlossen habe. Auch der ganze Aufsichtsrat war aus diesem Grund zurückgetreten.
Inzwischen hat zwar Firmengründer Friedrich von Bohlen, der Ende 2003 den Chefposten bei Lion überraschend aufgegeben hatte, den Vorsitz übernommen. Und am Montag hat Lion zudem angekündigt, die Nasdaq-Notiz am 22. Dezember einzustellen. Doch als echter Neuanfang kann dies solange nicht gewertet werden, bis das Unternehmen endlich einmal mit übertroffenen Prognosen aufwartet. Ein solcher Glücksmoment ist für die Aktionäre kurzfristig aber nicht in Sicht.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |