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Wetten auf fallende Kurse : So wollte der Verdächtige am BVB-Anschlag verdienen

  • -Aktualisiert am

Ein Exemplar der Aktie des Fußball-Bundesligisten Borussia Dortmund Bild: dpa

Der Anschlag auf den Mannschaftsbus von Borussia Dortmund soll von einem Aktien-Spekulanten begangen worden sein. Er wollte durch einen Kursverlust der BVB-Aktie einen Millionengewinn erzielen. Wie geht das?

          Anderthalb Wochen nach dem Sprengstoffanschlag auf den Mannschaftsbus des Fußball-Bundesligisten Borussia Dortmund hat die Polizei an diesem Freitagmorgen im Raum Tübingen einen 28 Jahre alten Tatverdächtigen festgenommen. Laut Mitteilung der Bundesanwaltschaft scheint der mutmaßliche Täter wohl auf einen durch den Anschlag verursachten Kursverlust der BVB-Aktie gesetzt zu haben, um dadurch einen Millionengewinn einstreichen zu können.

          Der Beschuldigte hat demnach am 11. April, dem Tag des Anschlags gegen den BVB-Bus, 15.000 Optionssscheine für 78.000 Euro in Bezug auf die BVB-Aktie mit einer Laufzeit bis Mitte Juni gehabt. Nach Angaben des nordrhein-westfälischen Innenministers Ralf Jäger hat er einen Verbraucherkredit in Höhe von 79.000 Euro aufgenommen.

          Der Mann spekulierte demnach auf fallende Kurse der BVB-Aktie. Dies hätte wohl auch funktioniert und es wäre mit einem erheblichen Kursverfall zu rechnen gewesen, wenn wegen des Anschlags Spieler schwer verletzt oder sogar getötet worden wären.

          BORUSSIA DORTMUND

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          Das geeignete Instrument für solche Kursspekulationen an den Börsen sind klassische Optionsscheine. Je nach Richtung der erwarteten Bewegung des zugrundeliegenden Basiswertes können Anleger zwischen Kauf­optionsschein (Call) und Verkaufsoptionsschein (Put) wählen. In diesem Fall spekulierte der Beschuldigte auf fallende Kurse der BVB-Aktie und kaufte entsprechende Put-Optionen.

          Das Prinzip hinter solchen Finanzprodukten ist schnell erklärt: Wenn der Kurs der BVB-Aktie fällt, gewinnt der darauf basierende Put-Schein überproportional an Wert. Dies liegt wiederum am sogenannten Hebel, der bekanntesten Optionsscheinkennzahl. Er gibt an, in welchem Verhältnis ein Optionsschein eine Kursbewegung des Basiswertes nachvollzieht. Hat man einen Hebel von 5 bei einem Put-Optionsschein gewählt, und der betreffende Basiswert (beispielsweise die BVB-Aktie) verliert 1 Prozent, so gewinnt der Schein entsprechend das Fünffache hinzu.

          Es scheint auf den ersten Blick unverständlich zu sein, dass der Beschuldigte für den Anschlag auf den BVB-Bus diese Möglichkeit der Börsenspekulation hatte, doch jeder Anleger kann auf solche Szenarien wetten. Und findet dazu zahlreiche Optionsscheine und Knock-Out-Produkte für eine solche Spekulation.

          Die Idee, die hinter diesen Produkten ursprünglich stand, ist eine Art Depotabsicherung in turbulenten Börsenphasen. Wer seine Aktien im Depot gegen Kursverluste absichern will, kann dieses mit eben diesen Hebelpapieren tun.

          Besteht ein Depot beispielsweise vor allem aus deutschen Standardaktien, könnten Put-Optionsscheine auf den Dax sinnvoll sein. Will ein Anleger sein Depot im Wert von 10.000 Euro absichern, dann könnte er dies mit einem entsprechenden Dax-Optionsschein machen. Fällt der Dax, verlieren zwar die Aktien an Wert, aber der Optionsschein fängt diese Verluste auf. Investoren können mit einem vergleichsweise geringen Kapitaleinsatz viel gewinnen - aber auch alles verlieren, wenn sich der Markt anders entwickelt, als sie es erwarten. Ein Totalverlust ist möglich, Investoren sollten sich mit diesen Produkten sehr gut auskennen.

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