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Skandale Insiderskandal um Hedge-Fonds Galleon weitet sich aus

28.10.2009 ·  Der Insiderskandal um den New Yorker Hedge-Fonds Galleon und dessen Gründer Raj Rajaratnam zieht immer weitere Kreise. Auch der ehemalige AMD-Vorstandschef Ruiz soll Informationen weitergegeben haben.

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Der Insiderskandal um den New Yorker Hedge-Fonds Galleon und dessen Gründer Raj Rajaratnam zieht immer weitere Kreise. Nach amerikanischen Medienberichten gehört auch Hector Ruiz, der ehemalige Vorstandschef des großen Halbleiterherstellers Advanced Micro Devices (AMD) zum Netz der Informanten der bisher sechs angeklagten Personen.

In der Klageschrift war bisher nur von einem nicht namentlich genannten AMD-Manager die Rede, welcher der beim Hedge-Fonds New Castle tätigen Fondsmanagerin Danielle Chiesi vorab Informationen über einen anstehenden Verkauf der Fertigungssparte von AMD gegeben haben soll. New Castle und Galleon hatten aufgrund dieser Informationen Aktien von AMD gekauft, nachdem Chiesi Rajaratnam über ihr Gespräch mit Ruiz informiert hatte. Insidergeschäfte sind illegale Börsengeschäfte aufgrund nichtöffentlicher Informationen.

Zu den Komplizen gehören auch Spitzenmanager von IBM und Intel

Rajaratnam, Chiesi und vier weitere Personen waren kürzlich von Staatsanwaltschaft und Börsenaufsicht SEC wegen Insiderhandels angeklagt worden. Zu den mutmaßlichen Komplizen von Rajaratnam gehören auch Spitzenmanager der Technologiekonzerne IBM und Intel. Es ist das erste Mal, dass ein Hedge-Fonds bei einem derart großen Insiderfall im Mittelpunkt steht. Der frühere AMD-Chef Ruiz ist allerdings nicht angeklagt und soll nicht von Aktiengeschäften profitiert haben.

Da besonders Hedge-Fonds mit intensiver Marktforschung von einem Informationsvorsprung profitieren wollen und viel Zeit auf die Analyse von Unternehmen verwenden, herrscht in der Branche jetzt große Verunsicherung. "Analysten prüfen Vertriebswege, graben tief und nutzen diese Informationen, um das Puzzle zusammenzusetzen. Das ist kein Insiderhandel, aber die Abgrenzung ist ziemlich verschwommen", meint Bradley Alford vom Wertpapierhaus Alpha Capital Management, das in Hedge-Fonds investiert.

Rajaratnam soll mit illegalen Informationen 20 Millionen Dollar verdient haben. Bei den Aktien, auf die er in Kenntnis nichtöffentlicher Vorgänge wettete, handelte es sich neben AMD auch um den Internetkonzern Google oder die Hotelkette Hilton. Allein mit Vorabinformationen über die Quartalszahlen von Google soll Rajaratnam einmal 8 Millionen Dollar verdient haben. Rajaratnam und die anderen Angeklagten weisen jede Schuld von sich.

"Sie machte das, was Zehntausende Leute an der Wall Street tun; Informationen aus Leuten herausbekommen, die diese Informationen haben", sagte der Anwalt der angeklagten Chiesi, Alan Kaufman.

Wird der „Drang nach Informationen“ eingeschränkt?

Der Jurist Jahan Raissi, der früher für die SEC in der Abteilung Strafverfolgung tätig war und jetzt für eine Anwaltskanzlei arbeitet, berichtet von vielen Anrufen verunsicherter Fondsmanager, Analysten oder von leitenden Angestellten bei Unternehmen. Diese Leute wollten wissen, ob sich die Regeln für die Analyse von Unternehmen geändert haben. Raissi glaubt das nicht. "Niemand fragt sich, was zu tun ist, wenn man von einem Mitarbeiter eines Unternehmens Informationen über eine spezifische Übernahme oder ein Quartalsergebnis bekommt. Das war schon seit Menschengedenken Insiderhandel", sagte Raissi der Nachrichtenagentur Dow Jones. Dagegen sind Nachforschungen etwa in einer Filiale des Computerherstellers Apple legitim, um zu erfahren, welche Produkte gerade gut gehen. Das gelte auch für Besuche beim Baumarkt Home Depot, um herauszufinden, welche Kettensägen am beliebtesten sind. Die Befragung von Kunden, Wettbewerbern und Zulieferern von Unternehmern seien in der Regel auch erlaubt. "Wenn Ihnen allerdings jemand in einem Unternehmen sagt: ,Hier sind unsere Quartalszahlen von kommender Woche', sollten Sie darauf nicht handeln, und Sie sollten sich nicht wundern, wenn das die Behörden interessiert", sagte Raissi.

Die Ermittlungen im Fall Galleon halten unterdessen an. Staatsanwaltschaft und SEC bereiten derzeit Klagen gegen zehn weitere Personen vor, heißt es an der Wall Street. Die Behörden haben Handelsdaten vom Hedge-Fonds-Manager Richard Grodin angefordert, der einst für den großen Hedge-Fonds SAC Capital gearbeitet hat. Grodin, der einen der Kronzeugen im Galleon-Fall beschäftigt hatte, machte seinen eigenen Hedge-Fonds Quadrum Capital kürzlich zu.

Die Verunsicherung in der Branche hat sich in den vergangenen Tagen auch negativ auf die Aktienkurse börsennotierter Hedge-Fonds-Anbieter wie Fortress Investment Group oder Och-Ziff Capital Management ausgewirkt. Börsianer befürchten offenbar, dass die Fondsmanager wegen der Insideraffäre um Galleon ihren Drang nach Informationen einschränken könnten.

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