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Veröffentlicht: 15.05.2017, 11:53 Uhr

Aktie im Blick Rauf und runter mit Sixt

Der größte deutsche Autovermieter fährt weiter seiner Konkurrenz davon. Das zeigen die guten Quartalszahlen. An der Börse fällt das auf. Begeisterung sieht aber anders aus.

von , München
© Imago Die Sixt-Station am Flughafen in Frankfurt

Blickt Erich Sixt auf die zurückliegenden vier Wochen, könnte ihm warm ums Herz werden. Mit 60 Prozent der Stammaktien Haupteigentümer und zugleich Vorstandsvorsitzender des größten deutschen Autovermieters durfte er zuschauen, wie der Aktienkurs seit Anfang April um 12 Prozent gestiegen ist.

Rüdiger Köhn Folgen:

Das Kursbild der Sixt-Aktie mag sich für den 72 Jahre alten Doyen der Branche allerdings auf den zweiten Blick über einen längeren Zeitraum ernüchtern. Über ein Jahr gesehen, hat sich der Wert nicht nennenswert erhöht. Auch wenn zwischendurch mit 55,25 Euro im Oktober ein historischer Höchstwert erreicht wurde, es blieb nur eine Berg- und Talfahrt.

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Euphorie kam vor Bekanntgabe der überraschend guten Zahlen für das erste Quartal in dieser Woche hoch, nicht danach. Analysten konstatierten, dass die Zahlen mit einem deutlich überproportionalen Ergebnisanstieg besser ausgefallen seien als erwartet. Und auch der Vorstandschef musste feststellen, dass das Geschäft in den ersten drei Monaten doch besser als von ihm erwartet ausgefallen sei.

Schon das Plus im Konzernumsatz – mit Autovermietung und Leasing – von 6 Prozent auf 569 Millionen Euro fiel beachtlich aus. Das Ergebnis vor Steuern stieg sogar deutlich stärker um 18 Prozent auf knapp 37 Millionen Euro. Damit hat der deutsche Autovermieter seine Ertragskraft weiter erhöht, während die Konkurrenten Europcar, Avis oder Hertz mit Ertragsschwächen kämpfen müssen.

Perspektive ist klar

Daher hat Marc-Rene Tonn von Warburg Research an seiner Kaufempfehlung mit einem stolzen Kursziel von 65 Euro festgehalten. Andere Analysten sind weniger ehrgeizig. Die Commerzbank hat 55 Euro angesetzt und rät, das Papier zu halten; genauso Christian Weiz von der Baader Bank, der 53 Euro als Ziel hat. Ein Gespräch mit dem Management habe seinen Eindruck bestätigt, dass die mittelfristigen Aussichten für Wachstum und Margen eingeschränkt seien, schrieb Weiz. Da muss irgendetwas mit der Kapitalmarktkommunikation nicht richtig laufen, wenn derlei Skepsis zu erkennen ist.

Sixt ST

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Dabei hat der Vorstandschef und Großaktionär eine klare Perspektive gegeben. Vor fünf Jahren erst hat er den Aufbau im eigentlich unter etablierten Wettbewerbern verteilten größten Automietmarkt der Welt, den Vereinigten Staaten, begonnen. Der konservativ agierende Sixt berichtete von einer Erfolgsgeschichte. Anlässlich der Quartalszahlen kündigte er an, dass das Amerika-Geschäft in diesem Jahr die Gewinnschwelle überschreite und ein leicht positives Ergebnis vor Steuern erziele.

Neuer Angriff auf Europas Marktführer?

Das muss stimmen, wenn Sixt das so früh sagt. Bisher war immer nur davon die Rede, dass dort operative Gewinne anfielen, würde nicht laufend in neue Standorte investiert. Zuversichtlich sei er, dass die Entwicklung dort das Geschäft sehr stark beeinflussen werde, sagte Sixt nun. „Es ist der Zukunftsmarkt für den Konzern.“ Die Vereinigten Staaten sollen in spätestens fünf Jahren der größte Einzelmarkt von Sixt werden, vor Deutschland.

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Da geht glatt unter, dass Sixt auch in Europa Regionen ins Visier nimmt. In Italien haben die Münchner seit Jahresanfang mit eigenen Standorten die Regie selbst übernommen, nachdem der Vertrag mit dem Franchisenehmer nicht verlängert worden ist. Zwölf neue Stationen wurden an den wichtigsten Standorten in Norditalien eröffnet. Das Expansionstempo bleibt hoch.

So kann Sixt neben der starken Position in Spanien doch noch einen neuen Anlauf machen, in Europa Marktführer Europcar anzugreifen; Avis und Hertz hat er bereits überholt. Schon einmal musste Erich Sixt den Rückzug antreten, nachdem er vor drei Jahren vollmundig zum Angriff auf die Spitze in Europa geblasen hatte. Noch mal möchte er sich nicht die Finger verbrennen. Das mag die Zurückhaltung erklären; echte Gewinnprognosen gibt er ohnehin nicht ab. Wen wundert es, wenn da nur selten Begeisterungsstürme an der Börse aufkommen.

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