04.07.2002 · An der Qualität der Empfehlungen von Analysten hapert es bekanntlich. Um sie zu verbessern, müssen alle Beteiligten unabhängiger denken als bisher.
Von Jürgen BüttnerLaut einer Umfrage von Emnid trauen 56 Prozent der Anleger den Urteilen von Analysten nicht mehr. Das sollte den Betroffenen eine Lehre sein. Diese negative Haltung zu revidieren, wird zwar schwer werden. Aber noch gibt es Mittel und Wege, um den Hebel wieder umzulegen.
Wichtigste Voraussetzung dafür ist aber: Die Beteiligten müssen auch wollen. Das heißt, eine enge Verzahnung von Analysten und Investmentbankern darf es nicht mehr geben.
Abspaltung der Research-Teams wichtig
Wer ganz konsequent ist, muss sogar zu dem Schluss kommen, dass am dienlichsten eine vollkommene Abspaltung der Researchabteilung wäre. Dagegen werden zwar viele Beobachter argumentieren, dass es dann kein Angebot mehr geben wird, da niemand bereit ist, für Research zu zahlen. Aber genau das ist eben die Frage: Für gutes und verlässliches Research wären bestimmt speziell viele institutionelle Anleger bereit, gutes Geld zu bezahlen.
Ein Trend dahin, sich von bankenunabhängigen Researchteams beraten zu lassen, ist jedenfalls schon länger zu beobachten. „Diese Entwicklung ist nicht erst seit den jüngsten Skandalen im Gange“, bestätigt auch Clive McDonnell, Aktienstratege für Europa beim unabhängigen Finanzdienstleister Standard & Poor´s.
Und diejenigen Analysten, deren Arbeiten keine Abnehmer finden, müssten ihr Tun ohnehin grundlegend überdenken. Denn für Produkte, für die niemand bereit ist zu zahlen, macht es marktwirtschaftlich gesehen keinen Sinn, eine Heerschar an Analysten zu beschäftigen. Und nur als Marketingmaschinerie zur Platzierung von Neuemissionen führt die Arbeit von Analysten bekanntlich auch in die Sackgasse.
Gehalt an Empfehlungsqualität koppeln
Um die Qualität der Analysen zu erhöhen, sollte im Übrigen das Gehalt an den Erfolg der Prognosen gekoppelt werden. Bei dieser Konstellation würde sich jeder Analyst bestimmt zwei Mal überlegen, ob er ein Kaufurteil aus reiner Gefälligkeit abgibt oder besser nicht. Mit Vorschriften, wie sie von der Bank HSBC eingeführt wurden, wonach Analysten gleich viele Kauf- und Verkaufsempfehlungen schreiben müssen, ist es dagegen nicht getan. Viel wichtiger ist es, den Analysten möglichst viele Freiheiten in ihrer Arbeitsweise und vor allem natürlich in ihrem Denken zu geben. Eine Krux ist aktuell jedenfalls das weitverbreitete Denken im Herdentrieb. Denn bekanntlich bekommt an der Börse die Mehrheit meistens nicht Recht.
Doch diese Uniformität lässt sich auch mit äußeren Zwängen begründen. Schließlich wird jeder, der mit einer unorthodoxen Prognose schief liegt, in der Öffentlichkeit gleich nieder gemacht. Dabei geht es nicht immer nur darum, Recht zu behalten. Mitunter kann es auch wertvolle Denkanstöße geben, den Blick aus einer ungewöhnlichen Perspektive auf ein Thema zu lenken, selbst wenn dies dann mitunter nicht aufgeht. Entscheidend bei der Würdigung einer Prognose sollte vielmehr immer die Stringenz der Argumentationskette zum Zeitpunkt ihrer Erstellung sein. Aber bereits diesem Test halten leider viele Studien derzeit nicht Stand.
Analystenstudien lesen alleine reicht nicht
Beim Thema offenere Denkweisen kommen im Übrigen auch die Abnehmer der Studien ins Spiel. Vor allem Privatanleger sollten sich angewöhnen, nicht alleine auf Studien als Grundlage für ihre Entscheidungen an der Börse zu vertrauen. Ohne eigenes Denken ist an der Börse nämlich vermutlich noch niemand reich geworden. Stattdessen sollten Studien als Ideengeber zurate gezogen werden. Seine Hausaufgaben muss man dann aber immer noch selber machen.
Die Anleger sollten sich auch angewöhnen, erst einmal die Erfolgsbilanz eines Analysten zu checken. Dies ist derzeit zwar noch sehr schwer, weil diese Daten nicht leicht zugänglich sind. Aber ohne ein Gefühl dafür entwickelt zu haben, wie gut oder schlecht ein Analyst ist, sollte man besser die Finger von seinen Empfehlungen lassen. Schließlich steht man ja auch sonst allen Haustürgeschäften, bei denen es oft um weniger Geld als an der Börse geht, mit einer gehörigen Portion Skepsis gegenüber. Und wenn man nach den jüngsten negativen Erfahrungen im Umgang mit Analysten nicht vorsichtig geworden ist, wann dann?
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |