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Serie Analysten pauken auch Ethik

05.07.2002 ·  Der Titel Analyst ist nicht geschützt. Die anerkannten Ausbildungen der Berufsverbände gelten als Qualitätssiegel.

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Am ersten Juni dieses Jahres um neun Uhr schlugen mehr als 75.000 Kandidaten in 74 Länder die vor ihnen liegenden Kladden auf, in der Hoffnung, dass die Prüfungsfragen lösbar sein werden. Nur mit Taschenrechner und einige Stiften ausgerüstet, brüteten die Frauen und Männer sechs Stunden über den Fragen rund um die Finanzmärkte.

Wenn im September die Ergebnisse eintreffen, wird es wohl wieder viele Enttäuschte geben, denn nur jeder zweite schafft die Prüfung. Und nur wer das strenge Prüfungsprozedere drei Mal erfolgreich durchläuft, darf den begehrten Titel CFA - Chartered Financial Analyst - tragen.

Gefragter Ausbildungsgang

Trotz der katastrophalen Lage an den Aktienmärkten und der Schelte auf die Berufsgruppe verzeichnen die anerkannten Ausbildungen zum Finanzanalysten wachsenden Zulauf. Gegenüber dem Vorjahr meldeten sich 2002 rund 15 Prozent mehr Kandidaten zum CFA-Examen an, das als Qualitätsstandard für Wertpapieranalyse gilt.

Anbieter dieser Ausbildung, die schon Goldman-Sachs-Analystin Abby Josehph Cohen durchlaufen hat, ist die amerikanische Association for Investment, Management and Research (AIMR) mit rund 50.000 Mitgliedern in 100 Ländern. Als Berufsverband kümmert sich AIMR auch um die Ausbildung von Analysten.

Disziplin ist notwendig

Wer CFA-Analyst werden will, muss einen Hochschulabschluss nachweisen sowie eine mindestens dreijährige Berufserfahrung an den Finanzmärkten. Gepaukt wird im Selbststudium, wie der einzelne sich auf die jährliche Prüfung vorbereitet ist ihm selbst überlassen. Das große Plus hierbei sind die Kosten, denn diese betragen pro Prüfungsstufe bei frühzeitiger Anmeldung 300 Dollar für Nicht- Amerikaner zuzüglich einer einmaligen Einschreibegebühr von 250 Dollar. Hinzu kommen rund 300 Dollar für die Studienunterlagen.

Das Angebot an Vorbereitungsseminaren ist groß mit entsprechender Bandbreite bei den Preisen, aber auch im Selbststudium ist das Pensum erreichbar, vorausgesetzt die potenziellen Analysten bringen die notwendige Disziplin mit. Pro Level rechnet AIMR mit einer Studienzeit von mindestens 250 Stunden, die in der Regel neben dem Beruf aufgebracht werden müssen. Weniger zeitaufwendig, dafür aber umso teuerer ist das europäische Gegenstück zum CFA, der Investmentanalyst der Deutschen Vereinigung für Finanzanalyse und Asset Management (DVFA), mit dem Absolventen zugleich das europäische Zertifikat CEFA (Cerfified EFFAS Financial Analyst) erlangen.

Geringere Durchfallfquote, dafür teurer

Die Ausbildungszeit dauert lediglich zehn Monate, wobei die DVFA den Lehrstoff im Klassenverband lehrt und die Unterlagen gleich mitliefert. Die Durchfallquote ist mit rund fünf Prozent deutlich unter der vom CFA. Allerdings verlangt die DVFA auch 10.200 Euro für die Vorbereitung und Prüfung. Wer dann noch weitermachen möchte, kann den CIIA - Certified International Investment Analyst mit globaler und regionaler Kompetenz draufsetzen. Hier haben sich südamerikanische, europäische und asiatische Berufsverbände zusammen geschlossen, um ein Gegenstück zum derzeit dominierenden CFA-Analysten zu schaffen. Die achtmonatige Ausbildung kostet noch einmal 5.000 Euro.

„Der CFA ist sehr auf die USA fokussiert und berücksichtigt daher nicht die regionalen Besonderheiten“, sagt Markus Brümmer von der DVFA. Der CIIA biete den notwendigen globalen Überblick, lehre aber zudem regionale Besonderheiten. Sprich, wer in Brasilien den CIIA ablegt, der löst zum Teil andere Aufgaben als die deutschen Kandidaten. Anders als beim CFA, wo die Anwärter egal ob in Tokio, Rio oder New York die gleichen Fallstudien lösen.

Studienfach Ethik

Die Themengebiete, die angehenden Analysten studieren müssen, sind beim CFA und DVFA-Analysten weitgehendend identisch: Statistik, Ökonomie, Rechnungslegung, Vermögensbewertung, Finanzmärkte, Portfoliomanagement und Derivate. Bei beiden Standesorganisationen steht zudem Ethik auf dem Stundenplan. Dieses Fach macht bei den CFA-Examen immerhin 15 Prozent aus, beim DVFA-Analysten knapp zehn Prozent.

Und nur wer sich den ethischen Standards der Berufsgruppen verpflichtet fühlt, wird auch in die Standesvereinigung aufgenommen. Wer sich etwas zu Schulden kommen lässt, der kann wieder ausgeschlossen werden.

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