03.07.2002 · Die Analysten haben einen schweren Stand. Viele könnten ihre Arbeitsweise verbessern. Wieso werben die Guten nicht mit ihrem „Track Record“?
Von Christof LeisingerWas ist das Gemeinsame von der Deutschen Telekom, MLP oder auch Qiagen? Lange Zeit waren sie große Lieblinge der Analystengemeinde. Während der Hausse überschlugen sie sich nur so mit Kaufempfehlungen, die Kursziele konnten offensichtlich nicht hoch genug liegen.
Aber dann drehte bekanntlich der Wind an der Börse und die Aktien mussten auf breiter Front Kursverluste hinnehmen. Aus durchaus unterschiedlichen Gründen. Wer allerdings geglaubt hatte, die Analysten würden darauf reagieren, der dürfte enttäuscht sein. Denn selbst nach mittlerweile schon dramatischen Kursverlusten kommt es immer wieder vor, dass die Mehrheit der Analysten die Aktie auf „Kauf“ stehen hat.
Analysten hinken zu oft dem Markt hinterher
Extremfälle dürften beispielsweise Comroad, MLP und zuletzt Qiagen gewesen sein. Obwohl die Aktie von ihrem Hoch bei knapp 61 Euro im Juli des Jahres 2000 bis Anfang Juli 2002 etwa 83 Prozent ihres Wertes verloren hatte, war eine zusätzliche Gewinnwarnung notwendig, um plötzlich eine Flut von Anpassungen hervorzurufen. Und selbst dann waren sie noch halbherzig. Nach einem Tagesverlust von mehr als 30 Prozent halten die Aktie immer noch mehr als 60 Prozent der Analysten auf „Buy“ oder gar auf „Strong Buy“. Nun ja, möglicherweise stimmt das auf einem stark reduzierten Niveau wieder irgendwann.
Aber das ist genau der Punkt. Was nützt es dem Anleger, wenn er im Februar 2000 einer Kaufempfehlung bei einem Kurs von 54 Euro gefolgt ist, die Aktie stürzt danach aber ab bis auf sieben Euro - und der Analyst hat in der Zwischenzeit nichts anderes getan, als auf dem Weg nach unten seine Kaufempfehlung immer wieder nur erneuert? Statt unter Berücksichtigung aller Gegebenheiten dem Kunden zu empfehlen, den Schleudersitz zu betätigen?
Impulse aus dem Markt oder dem Umfeld sind wichtig
Denn allein schon ein schwaches Umfeld für den Gesamtmarkt, eine Branche oder spezifische Nachrichten, die den Kurs einer Aktie deutlich beeinflussen, müssten eigentlich ausreichen, um den Analysten dazu zu bringen, über die Bücher zu gehen. Bei Qiagen und MLP war doch schon lange vor den großen Kursverlusten klar, dass die Bewertungen ambitioniert waren. Und wieso Qiagen in den vergangenen Monaten bei der offensichtlichen Schwäche der Branche immer noch auf der Kaufliste vieler Analysten stand, dürfte ein Rätsel sein. Denn selbst wenn das Unternehmen selbst lange an den optimistischen, eigenen Ertragsprognosen festhielt - wer mochte dem angesichts der Umstände wirklich noch glauben?
Damit sind schon einige Punkte genannt, die eine gute Aktienanalyse ausmachen könnte. Sie sollte zeitnah sein, eine eindeutige Kauf- oder Verkaufsempfehlung aussprechen und dabei ein klar definiertes Kursziel in Verbindung mit einem Zeithorizont nennen. Denn was soll die Aussage, dass eine Aktie besser als der Markt abschneidet, wenn man damit in einem fallenden Markt trotzdem Verluste einfährt?
Gute Analyse ist mehr, als das Hantieren mit Bewertungsmodellen
Eine gute Analyse ist mehr, als nur Daten von Unternehmen abzurufen, um sie dann in irgendwelchen, intransparenten Bewertungsmodellen zu verarbeiten. Sie sollte das wirtschaftliche Umfeld immer in die Betrachtung einbeziehen. Wie sieht es aus mit der Konjunkturentwicklung generell, wie wirkt sich das aus auf die Branche? Sind die Prognosen des Unternehmens unter den gegebenen Umständen überhaupt realistisch? Ist das Geschäftsgebaren reell und existieren im Zweifel genannte Vertragspartner überhaupt - siehe Comroad?
Wieso setzen sich Analysten wenigstens nicht selbst - möglicherweise sogar markttechnisch abgeleitete - „Stop Loss“-Kurse, bei denen sie ihre Einschätzung neu überdenken? Sie könnten den Kunden dann eventuell sogar empfehlen, sich wenigstens vorübergehend von der Aktie zu verabschieden. Später ließe sich dann ein Kauf auf wesentlich tieferem Niveau aus fundamentalen Gründen sicher besser vermitteln, als nach dem sturen Festhalten an Kaufempfehlungen im Abwärtstrend.
Wo bleiben die Erfolgsnachweise?
Überfällig dürfte eine Datenbank sein, die Empfehlungen der Analysten registriert, sie mit der Kursentwicklung der jeweiligen Aktie vergleicht und daraus eine Erfolgsquote errechnet. Damit ließe sich nicht nur die Glaubwürdigkeit seriöser Namen schnell erhöhen, sondern der Markt würde sich relativ schnell bereinigen und die Analystenspreu vom Weizen trennen. Davon würden nicht nur Anleger profitieren, die nicht mehr ganz so verzweifelt die Güte einer Analyse hinterfragen müssten. Sondern auch die Banken könnten klar zeigen, dass sie die richtigen Personen engagiert haben. Na wie wär's, liebe Experten von der DVFA?
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |