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Serie Aktionärsschützer: Kämpfer nur für die Kleinen?

15.08.2002 ·  Manche Aktionärsschützer arbeiten für Unternehmen, die sie eigentlich kritisieren sollen. Dadurch könnten Interessenkonflikte entstehen.

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Aktionärsschützer erheben den Anspruch, für die Rechte der kleinen Anleger zu kämpfen. Dem können sie nicht immer gerecht werden, sagen Kritiker. Sie fürchten Interessenkonflikte, weil die Schutzverbände in so mancher Hinsicht eng mit den Unternehmen verbandelt sind, die sie eigentlich kritisch beobachten sollen.

Beispiel Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW): Viele ihrer Funktionäre sind Anwälte. Für sie sei die DSW eine „ideale Mandatsbeschaffungsmaschinerie“, kritisiert der Würzburger Wirtschaftsprofessor Ekkehard Wenger. Zur DSW gehören Rechtsgelehrte, die schon große, börsennotierte Unternehmen wie die Deutsche Bank, die Commerzbank oder Siemens verteidigt haben. Ist dadurch nicht Kritik an diesen Unternehmen ausgeschlossen?

Personelle Verflechtung zwischen DSW und Unternehmen

„Wir können sie nicht so bezahlen, dass sie nur für uns arbeiten würden“, verteidigt DSW-Sprecherin Petra Krüll die Verwischung der Grenzen zwischen Verbandsauftrag und Privatgeschäft. Die DSW sei froh, vom Sachverstand der niedergelassenen Anwälte profitieren zu können. Zudem sei ausgeschlossen, dass ein Vorstandsmitglied, das ein Unternehmen anwaltlich betreue, auf der Hauptversammlung der gleichen Firma als Aktionärsschützer auftrete.

Zweiter Kritikpunkt: Im DSW-Vorstand sind auch die Chefs einiger Aktiengesellschaften vertreten, beispielsweise Linde, Qiagen oder Gold-Zack. Der Vorstand der DWS habe nichts mit dem Tagesgeschäft zu tun, sondern die Geschäftsführung sei dafür verantwortlich, sagt DSW-Frau Krüll.

Aktionärsschützer als Aufsichtsräte

Doch darüber, wer Geschäftsführer wird, entscheidet das Präsidium, das sich wiederum aus den Reihen des Vorstandes rekrutiert. Zudem ist die DWS-Geschäftsführung dem Vorstand rechenschaftspflichtig. Und schließlich entscheidet der Vorstand gemäß der DSW-Satzung über alle grundsätzlichen und besonders wichtigen Angelegenheiten. Er kann also die DSW-Arbeit durchaus beeinflussen.

Auch als Aufsichtsräte sind die Aktionärsschützer so manchem Unternehmen verbunden. DSW-Angehörige sitzen in 23 Aufsichtsräten, die Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre ist in drei Gremien vertreten. So könnten sie die Interessen der Kleinanleger besser wahrnehmen, sagen die Verbände, als wenn ihre Vertreter nur einmal jährlich bei der Hauptversammlung aufträten.

Kritik an Aktiengeschäften und Presseartikeln

In den vergangenen Monaten standen vor allem der DSW-Präsident Roland Oetker und sein Hauptgeschäftsführer Ulrich Hocker im Scheinwerferlicht der Öffentlichkeit. Sie sollen besonders von ihrer Stellung bei der Schutzvereinigung profitiert haben. Gegen Oetker ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts auf Insiderhandel. Eine Klage hat sie bislang allerdings nicht erhoben. Die DSW rechnet damit, dass die Ermittlungen eingestellt werden.

Hocker wurde kritisiert, weil die Zeitschrift „Wertpapier“, die mit der DSW eng verflochten ist, positiv über Unternehmen berichtete, an denen der Geschäftsführer beteiligt war. Ein Beispiel ist die Mediengesellschaft Wige Media. Hocker nehme keinen Einfluss auf die redaktionelle Berichterstattung des „Wertpapiers“, heißt es dazu bei der DSW. „Über Wige Media hat die Zeitschrift turnusmäßig berichtet, so wie über alle Neuemissionen“, sagt DSW-Sprecherin Krüll. „Zu der Zeit haben auch andere Medien, die sich mit der Börse befassen, Wige Media gelobt.“ Später sei das Unternehmen auch kritisiert worden.

Dem Anleger bleibt, auch die Positionen der Aktionärsschützer stets zu hinterfragen und im Einzelfall auf mögliche Interessenskonflikte zu achten. Das kostet zwar Zeit und Mühe, aber: Auch die Schutzvereine können ihm die Verantwortung für sein eigenes Depot nicht abnehmen.

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