19.08.2002 · Bei Aktienrückkäufen sollten Anleger nicht gleich jubeln. Erst nach Würdigung der Motive lässt sich sagen, ob sie im Sinne aller Beteiligten sind.
Von Bruno Hidding, freier FinanzjournalistEs ist sicher verständlich, wenn börsennotierte Unternehmen nach einer so langen Börsenmisere wie der jetzigen Maßnahmen ergreifen, mit denen sie ihrem Börsenkurs auf die Sprünge helfen wollen. Eines der beliebtesten Vehikel ist dabei der Rückkauf eigener Aktien, in Deutschland erst seit wenigen Jahren (1998) mit der Einführung des Gesetzes zur Kontrolle und Transparenz im Unternehmensbereich, kurz ConTRaG, zugelassen.
Damit werden deutsche Unternehmen auch auf der Finanzierungsseite ähnlich flexibel wie ihre US-Konkurrenz, können also nun wesentlich besser und schneller den von ihnen gewünschten optimalen Mix von Eigen- und Fremdkapital herstellen.
Beurteilung von Fall zu Fall
Profianleger werden bei Vorlage eines solchen Aktienrückkaufprogrammes durch ihre Gesellschaft nicht gleich jubeln, sondern erst einmal genau hinschauen, ob diese Aktion Sinn macht. Denn wenn es darum geht, den optimalen Finanzierungsmix zwischen Eigenkapital und Fremdkapital herzustellen, stellt sich sofort die Frage, wieso denn das Eigenkapital des Unternehmens zu hoch ist und durch diesen Aktienrückkauf vermindert werden soll.
Hat das Unternehmen also früher von den Aktionären zu viel Geld hereingeholt und weiß nun nichts mehr damit anzufangen? Oder ist in den vergangenen Jahren vom erwirtschafteten Gewinn ein zu großer Teil den Aktionären vorenthalten, also thesauriert worden? Dann wäre aber doch in einem Aktienrückkauf das Eingeständnis vorheriger Managementfehler zu sehen; unter diesem Blickwinkel wäre das sicher kein positiver Effekt für den Börsenkurs.
Deutsche Bank finanziert aus Beteiligungsverkäufen
Und liegt in dieser Geldrückgabe an die Aktionäre nicht, um es überspitzt zu formulieren, auch ein Eingeständnis, dass man zur Zeit nichts mit dem Geld des Aktionärs anzufangen weiß? Doch lösen sich solche provokativen Fragestellungen oft auf, wenn in konkreten Fällen die Situation bei den Unternehmen genauer beleuchtet wird.
So weist die Deutsche Bank im Rahmen ihres bis September 2003 geplanten Programmes von bis zu 62 Millionen Aktien - entsprechend zehn Prozent der insgesamt emittierten Aktien - darauf hin, dass die Finanzierung aus den Erträgen des Verkaufs von Industriebeteiligungen erfolgt. Ohne diesen Aktienrückkauf würde die angestrebte Kernkapitalquote von acht Prozent quasi übererfüllt, weshalb mit Aktienrückkäufen eine solche Bilanzverkürzung vorgenommen werde.
Offensichtlich hat also die Bank den Eindruck, dass solche Industriebeteiligungen in ihrer eigenen Börsenbewertung nicht die entsprechende Würdigung durch die Anleger erfahren, weshalb man sich auf die Kernkompetenzen zurückziehen und gleichzeitig die gewünschte Kernkapitalquote realisieren will.
Nachdenken über den Sinngehalt tut Not
All diese Begleitfaktoren sind vom Anleger zu hinterfragen, um sich ein Urteil bilden zu können, ob in diesem und jenem Falle die Rückkaufaktion Sinn macht; oder dient sie nur vordergründig einer Stimmungsmache für die Aktie. Diese Analyse gibt dann auch schon gewisse Aufschlüsse darüber, ob das agierende Unternehmen wirklich von der Preiswürdigkeit seiner Aktie überzeugt ist und deshalb die günstige Gelegenheit nutzt, mehrere Fliegen mit einer Klappe zu schlagen. Wenn das zutrifft, ist ein Aktienrückkauf sicher generell positiv zu bewerten.
Aktienrückkäufe können positiv sein und wirken. Das ist jedoch nicht zwangsläufig der Fall. Der Anleger muss die Situation schon genau analysieren, bevor er urteilt.
Mit Aktienrückkäufen versuchen derzeit auch viele deutsche Unternehmen, etwas zur Herstellung einer optimalen Finanzstruktur und gleichzeitig für den Aktienkurs zu tun. Die niedrige Bewertung vieler Aktien bietet dazu einen besonderen Anreiz. Anleger sollten jedoch, bevor sie solche Aktionen belohnen, vorab genau hinschauen, ob der Rückkauf bei der betreffenden Gesellschaft überhaupt Sinn macht. Nur dann nämlich ist der Rückkauf positiv zu werten.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |