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Serie Aktienrückkäufe für die Kursoptik sind dubios

22.08.2002 ·  Wenn Aktienrückkäufe nur die Stimulierung des Börsenkurses im Sinn haben, taugen sie nichts. Der Aktionär wird nur optisch besser, der Bondholder aber schlechter gestellt. .

Von Bruno Hidding, freier Finanzjournalist
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In der überschäumenden Hausse bis Anfang des Jahres 2000 waren Aktienrückkäufe kein Thema. Denn die Kurse liefen ja von selbst. Und auch von einer gewünschten Anpassung eventuell zu hoher Eigenkapitalquoten oder dem Abbau einer zu hohen Liquidität war kaum die Rede.

Denn damals grassierte ja auch noch das Übernahmefieber, und da kam eine hohe Liquidität und auch eine hohe Eigenkapitalquote gerade recht, denn beides eröffnete satte Finanzierungsspielräume.

Anleger hätten misstrauisch werden müssen

Als dann jedoch die Luft aus der Börsenblase zu weichen begann und damit auch das Übernahmefieber abkühlte, griffen manche Unternehmen, vor allem auch am Neuen Markt, zu dem Instrument des Aktienrückkaufes. Dahinter stand dann im Wesentlichen die Absicht, den Börsenkurs am Laufen zu halten oder eine eventuell nach unten abgedrehte Kurstendenz wieder nach oben ins Rollen zu bringen.

Das hätte eigentlich die aufgeklärten Anleger sofort misstrauisch werden lassen müssen. Denn kurz nach dem Börsengang, mit dem man ja Gelder von den Anlegern hereingebeten hatte, Teile dieser Gelder wieder an die Aktionäre auszukehren, mutet doch schon reichlich merkwürdig an, gerade am Neuen Markt. Denn dort sollten doch nur oder im Wesentlichen aufstrebende junge High-Tech-Unternehmen mit hohem Wachstumspotenzial finanziert werden. Und solche stark wachsende High-Tech-Unternehmen benötigen immer viel Eigenkapital, da schließlich jede zusätzliche Umsatzeinheit finanziert werden muss.

Die Genehmigung zum Rückkauf sollte immer vorliegen

Besonders misstrauisch hätten Anleger werden müssen, wenn gleichzeitig mit einer Kapitalerhöhung, also dem Einwerben von Anlegergeldern, eine Aktienrückkaufaktion - also die Rückgabe von Geldern an die Anleger - angekündigt wurde. In solchen Fällen war der Blick dann nur auf die erhoffte positive Wirkung des Aktienrückkaufes auf den Börsenkurs gerichtet, was außer einer möglicherweise kurzen Besinnungs- oder Überlegungsphase nicht gut gehen konnte. Vor allem in den Fällen, in denen nur allein auf den Ankündigungseffekt eines Rückkaufes gesetzt, dieser aber gar nicht ernsthaft geplant war, ließen sich Anleger nur einmal und das auch nur kurzfristig hinters Licht führen. Dass ein Unternehmen sich von der Hauptversammlung sowohl eine Kapitalerhöhung als auch einen Aktienrückkauf genehmigen lässt, geht hingegen in Ordnung. Denn damit soll nur die vorausschauende Möglichkeit geschaffen werden, je nach der Entwicklung beim Unternehmen das eine oder das andere in Anspruch nehmen zu können.

Die Anleihegläubiger hassen Aktienrückkäufe

Stufe zwei des Aktienrückkaufes ist dann regelmäßig die effektive Nachfrage des Unternehmens nach seinen Aktien an den Märkten. Das konnte dann durchaus positiv wirken, zumal wenn der Börsenhandel gerade ausgedünnt war. Aber auch hier trat dann sofort nach den Käufen die Ernüchterung ein. Denn sobald die zusätzliche Nachfrage wegfiel, stand fest, dass sich an der fundamentalen Situation nichts geändert hatte. Im Gegenteil verspürten die Anleger nun Ängste, dass die vom Unternehmen eingesammelten Aktien zur Unzeit eventuell wieder in den Markt flössen, eben, weil das Unternehmen Geld zur Finanzierung seines weiteren Wachstums benötigte.

Und Stufe drei des Aktienrückkaufes, nämlich die Verbesserung der Gewinn je Aktie-Größen - bedingt durch die geringere Zahl an ausstehenden Aktien - und damit ein Absinken des Kurs/Gewinn-Verhältnisses ist ebenfalls nur eine, eventuell schnell vorübergehende, Optik. Außerdem steigt bei einer sinkenden Eigenkapitalquote der Fremdkapitalanteil, also der Leverage, und damit sinkt dann die Bonität und eventuell auch das Rating des Unternehmens.

Die für den Shareholder scheinbar verbesserte Optik ergibt vice versa für den Bondholder - also für die Fremdfinanzierung des Unternehmens - eine schlechtere Ausgangslage. Kreditanalysten haben deshalb eine sehr gestörte oder gar negative Einstellung gegenüber Aktienrückkäufen. Jedenfalls dann, wenn die Rückkäufe nicht auf Basis einer zu satten Eigenkapitalausstattung stattfinden. Bleibt zu summieren, dass Aktienrückkäufe, die nur die Kursoptik im Blick haben, vom Anleger generell negativ zu werten sind.

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