Mit einem finalen Kursverlust von satten 56 Prozent auf gerade noch 92 Cent je Aktie reagiert die Aktie des Automobilzulieferers Paragon auf den am Montag bekannt gegebenen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens. Er stellt nicht nur den Tiefpunkt des Abwärtstrends ein, den die Aktie des Unternehmens nach einem massiven Kursaufschwung in den Jahren 2003 und 2004 schon im Frühjahr 2005 etabliert hatte.
Sondern er zeigt auch die Probleme an, in der sich viele ähnliche Unternehmen im Umfeld der großen Automobilhersteller befinden. Darunter viele ähnlich aufgestellte Firmen wie Silicon Sensor und Melexis.
Stagnierende Umsätze und Verluste zehren an den Liquiditätspolstern
Sie konnten in den Jahren des Kredit getriebenen Booms zwar ihre Umsätze zum Teil deutlich steigern. In den vergangenen Monaten jedoch kam es zu einer stagnativen oder gar rückläufigen Entwicklung. Auf der Ertragsseite dagegen konnten die Unternehmen nie so richtig überzeugen. In den vergangenen Monaten brachen ihre zuvor schon volatilen und nur wenig robusten Gewinnreihen ein.
Das führt bei vielen Unternehmen mit einer schwachen Kapitalausstattung zu entsprechenden Schwierigkeiten, die sich bei Paragon exemplarisch zeigen. Der Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens sollte noch am Montag beim Amtsgericht Paderborn eingehen, teilte das Unternehmen mit. Denn wegen der Absatzkrise in der Automobilindustrie leide es nach eigenen Angaben seit längerem unter Liquiditätsproblemen.
Über Monate hinweg habe der Vorstand mit den Banken intensive Gespräche geführt, um die Kreditlinien zu bewahren und zusätzliche Liquidität zur Überwindung der Krise zu erhalten, erklärte die Firma. Trotz eines deutlich erhöhten Auftragseingangs in den vergangenen Monaten sei es aufgrund der heterogenen Interessen der beteiligten Banken bislang jedoch zu keiner Lösung gekommen.
Mit dem bewussten Einleiten einer geordneten Insolvenz will der Vorstand eigenen Angaben zufolge nun für eine Bereinigung des Bankenkreises sorgen und eine Planinsolvenz in Eigenverantwortung anstreben. Dabei bleibt das bisherige Management eines Unternehmens vollständig oder weitgehend im Amt und das operative Geschäft kann unter Aufsicht eines vom Insolvenzgericht bestimmten Sachwalters praktisch unverändert fortgesetzt werden.
Insolvenzantrag als kritisches Zeichen
Die Paragon AG hat im Geschäftsjahr 2007 mit rund 594 Mitarbeitern einen Umsatz von 108,9 Millionen Euro erzielt und ihn im vergangenen Geschäftsjahr nach vorläufigen Zahlen um 3,4 Prozent auf 112,6 Millionen Euro gesteigert. Nach der zuletzt verfügbaren Mitteilung im Mai erwartete der Automobilzulieferer zudem, das Geschäftjahr 2008 mit einem Verlust abzuschließen. Das Management gab sich jedoch optimistisch, die Krise aufgrund der breiten Diversifizierung bewältigen zu können.
Der nun gestellte Insolvenzantrag spricht jedoch faktisch eine andere Sprache, nachdem in den vergangenen Monaten schon die Quartalsberichte ausgeblieben waren. Melexis und Silicon Sensor dagegen mussten in den vergangenen Monaten wegen der schwachen Umsatzentwicklung deutliche Gewinnrückgänge oder gar ausgeprägte Verluste hinnehmen. In jüngster Zeit ist zwar von einer Stabilisierung der operativen Entwicklung die Rede.
Allerdings wird sich erst noch zeigen müssen, ob sie lediglich auf vorübergehende Effekte der Subventionierung der Automobilindustrie durch die Abwrackprämie zurückzuführen sind oder ob sich die Industrie aus eigener Kraft aus der Krise ziehen kann.
Angesichts des strukturellen Gegenwindes bleiben daran gewisse Zweifel. Insgesamt mag der Kauf der Paragon-Aktie für Zocker zwar eine reizvolle Wette auf eine Erholung sein, da eine tiefe große Kursgewinne möglich machen. Angesichts der intransparenten Lage bleibt das Risiko allerdings groß. Dagegen scheint das Risiko-Ertragsverhältnis bei Silicon Sensor attraktiver zu sein. Das Unternehmen berichtete im August von neuen Entwicklungsprojekten sowie von neuen Aufträgen, die sich allerdings erst in den kommenden Monaten auswirken werden. Das Management zeigte sich zuversichtlich, über eine ausreichende Liquiditätsreserve verfügt, um das Geschäftsmodell weiter erfolgreich umsetzen zu können. Völlig sicher scheint es jedoch ebenfalls nicht zu sein.