05.01.2005 · Die Gildemeister-Aktie zählte 2004 zu den Enttäuschungen im SDax. Zwar sehen Analysten und Fondsmanager den Werkmaschinen-Hersteller vor einem Gewinnschub - die günstig bewertete Aktie testet dennoch ihr Zwölfsmonatstief.
Die Aktie von Gildemeister war in den vergangenen zwei Jahren unter dem Strich kein lohnendes Anlageobjekt. Es sei denn, Investoren haben sich spätestens Anfang Februar 2004 aus der Aktie verabschiedet. Seinerzeit markierte sie ein Zweieinhalbjahreshoch bei neun Euro. Anschließend ging es heftig abwärts bis auf 4,98 Euro, dem Jahrestief 2004 auf Schlußkursbasis. Zwar konnte sich der Titel zwischenzeitlich bis auf 6,35 Euro berappeln, aber dieses Niveau nicht halten. Zu Anfang Dezember rutschte er unter die breite technische Unterstützungszone bei sechs Euro, und am Mittwoch schickt er sich an, zum Handelsschluß ein neues Zwölfmonatshoch zu markieren: Im Laufe des Nachmittags verliert die Aktie bei auffallend hohen Umsätzen 3,52 Prozent auf 4,94 Euro.
Binnen Jahresfrist hat die Aktie knapp 42 Prozent verloren, während der SDax um fast 20 Prozent zugelegt hat. Allein von Oktober bis Ende Dezember rutschte sie um 15 Prozent ab; der SDax legte gleichzeitig um neun Prozent zu. Schlechter als Gildemeister haben in den vergangenen zwölf Monaten im Kleinwerteindex nur Teleplan, Ce Consumer und D.Logistics abgeschnitten.
Ein Fall unter das bisherige Zwölfmonatstief, das die Notiz schon kurz vor Weihnachten kurzzeitig unterboten hatte, wäre aus technischer Sicht ein schlechtes Signal. Andererseits hat der Titel eine gemessen am Kurs-Gewinn-Verhältnis von gut neun günstige Bewertung für sich. Der Bewertungsabschlag zu anderen Maschinenbauaktien ist enorm. Dabei setzen Fondsmanager bei Lupus Alpha und dem Bankhaus Metzler sowie Analysten auf eine kräftige Erholung der Gewinne, da der Auftragseingang zuletzt über den Erwartungen gelegen hat und die mit Entlassungen verbundene Neuordnung von Fabriken und Arbeitsabläufen sich auch günstig auswirken sollte.
Fragezeichen hinter Dividendenfähigkeit
Gildemeister gilt als der weltweit führende Hersteller von sogenannten spanenden Werkzeugmaschinen. Dazu zählen Dreh-, Fräs-, Laser- und Ultrasonicgeräte, die der Konzern selbst an die Kunden in aller Welt vertreibt. Seine Produkte werden im allgemeinen Maschinenbau sowie im Werkzeug- und Formenbau und in der Autoindustrie verwendet. Zum Angebot zählen auch auf die Maschinen zugeschnittene Dienstleistungen. 2003 erzielte Gildemeister 75 Prozent seines Umsatzes in Europa und mithin in einer wachstumsschwachen Region; 49 Prozent der Erlöse liefen in Deutschland ein.
Im vorvergangenen Jahr verfehlte Gildemeister seine Planzahlen. Daß er die für 2004 gesteckten Ziele im wesentlichen erreichen dürfte, gilt unter Analysten als wahrscheinlich. Ein wunder Punkt bleibt aber die Fähigkeit, eine Dividende auszuschütten. Hier könnte es eine unliebsame Überraschung geben, wie die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) unter Verweis auf die hohen Nettoschulden und den „bestenfalls ausgeglichenen“ Barmittelfluß meint. Für 2003 zahlte der Konzern keine Dividende, und dies könnte für 2004 auch gelten, so die Bank.
Prognose zu Auftragseingang, Umsatz und Gewinn angehoben
Immerhin: Mit seinen im dritten Quartal eingefahrenen Aufträgen konnte Gildemeister überraschen. Der Konzern verbuchte gegenüber dem gleichen Vorjahresquartal hohe Zuwächse in Deutschland von 25 Prozent, in Amerika von 32 Prozent und in Europa von 42 Prozent. Deshalb schraubte Gildemeister seine Jahresprognose beim Auftragseingang von sieben Prozent auf neun Prozent hoch - eine Zahl, die der LBBW aufgrund der starken Zahlen im dritten Quartal als „äußert konservativ“ erscheinen. Die LBBW hat wie HSBC Trinkaus &Burkhardt ihre eigenen Prognosen zu den Bestellungen angehoben.
Im Zuge des verbesserten Auftragseingang hat Gildemeister seine Vorhersagen zu Umsatz und Ergebnis ebenfalls angehoben. Der Vorstand erwartet nun ein Erlösplus von sechs bis sieben Prozent nach zuvor fünf Prozent und ein Nettoergebnis von rund fünf Millionen Euro. Vor Bekanntgabe der Zahlen zum dritten Quartal hatte sich der Vorstand nicht klar zur Ertragslage geäußert.
Analysten sehen Aktie überwiegend als Halte-Position an
Zwar fiel das jüngste Quartalsergebnis wegen unerwartet hoher Restrukturierungskosten schlechter aus als erwartet - HSBC-Analyst Dirk Lohmann erwartet aber, daß sich die gute Stimmung im Werkzeugmaschinenbau durchsetzt und Gildemeister davon profitiert. Er sieht die Aktie bei 7,50 Euro als fair bezahlt an und empfiehlt, sie im Portfolio aufzustocken. Ein entsprechendes Votum kommt von der Hypo-Vereinsbank. Dagegen sieht das Bankhaus Lampe die Aktie nur als Halteposition an, gleiches gilt für die BHF-Bank und die LBBW, die den Titel im November von „Kaufen/Buy“ auf „Halten/Hold“ zurückgestuft haben.
LBBW-Analyst Stefan Maichl führt die schwer schätzbare Steuerquote, die Euro-Stärke, den Preiswettbewerb und hohe Rohstoffkosten bei Stahl, die die Gewinnmargen unter Druck bringen könnten, zur Begründung an. Auch er sieht den fairen Wert der Aktie mit 7,33 Euro aber deutlich über dem aktuellen Kurs. Das Bankhaus Lampe nennt ein Kursziel von 6,40 Euro, die BHF-Bank eines von glatt sieben Euro; die Abstufung rechtfertigte Analyst Thomas Rau mit dem Hinweis, kurzfristig keine positiven Überraschungen von Gildemeister zu erwarten.
Das heißt umgekehrt: Wenn der Maschinenbauer mit unerwartet guten Nachrichten zum Gesamtjahr und beim Ausblick aufwarten sollte, könnten Analysten wieder mit vermehrten Kaufempfehlungen reagieren. Steigende Gewinne sollten sich günstig auf den Aktienkurs auswirken, schließlich sind sie ein wesentlicher Faktor für die Richtung der Notiz. Aufschluß über die Ertragslage wird die für den 15. Februar angekündigte Mitteilung mit vorläufigen Zahlen zum Geschäftsjahr geben. Für die Aktie spricht die krasse Unterbewertung, gegen sie der Trend. Bei einem nachhaltigen Fall unter die Unterstützuung bei 4,98 Euro sollte Gedanken an einen Kauf bis auf weiteres aufgegeben werden. Letztlich wird das Kursbild zeigen, wann sich ein Zugreifen anbietet.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |