01.12.2009 · Wenn ein Aufschwung in Sicht ist, sind kleine Unternehmen besonders attraktiv. Sie kommen meist als Erste aus der Krise. Ihre Aktienkurse überflügeln die anderen.
Von Nadine OberhuberDie Lust auf Risiko ist zurück. Das beobachten die Händler an den Börsen nun schon seit Wochen. Trotz mancher schlechten Nachricht kennen die Kurse derzeit nur eine Richtung: die nach oben. Und auch der Sentiment-Index Sentix, der misst, wie zuversichtlich Anleger gerade sind, kommt zu dem Ergebnis: Der Optimismus der Anleger befindet sich gerade auf Rekordniveau.
„Noch nie zuvor in den letzten fünf Jahren war die Risikoneigung der Investoren derart ausgeprägt wie heute“, stellt Manfred Hübner, Geschäftsführer von Sentix, aktuell fest. Kurzfristig seien die Anleger offensiv und kauffreudig. Mittelfristig agierten sie zwar deutlich zurückhaltender, weil viele doch noch davon ausgehen, dass der Markt vor Rückschlägen noch nicht gefeit ist. Zu einem Kursrückgang um 10 bis 20 Prozent könnte es in den kommenden Wochen, spätestens aber im Frühjahr 2010, schon noch kommen, sagen viele Marktbeobachter.
Vom tiefen Fall zum raschen Hoch
Dennoch sollten sich Anleger auch davon nicht gleich wieder abschrecken lassen. Denn die allmähliche Erholung der Wirtschaft scheint abgemacht. Dass die Konjunktur im kommenden Jahr wieder anzieht, damit rechnen derzeit viele. Und in dieser Situation profitieren klassischerweise gerade die kleinen Werte an der Börse.
Kleine Firmen verlieren zwar in Krisenzeiten überproportional schnell und viel an Wert. Wenn Kunden ihre Aufträge stornieren oder sich mit Investitionen zurückhalten, weil ihnen die wirtschaftliche Lage gerade nicht geheuer ist, dann trifft das zuerst die kleinen Zulieferer und Dienstleister. Die sind dann die Ersten, denen Umsätze wegbrechen und denen die Anleger davonlaufen. Umgekehrt sind gerade die kleinen und mittleren Unternehmen auch die Ersten, die sich wieder erholen, sobald die Lage besser wird. Und die sich auch an den Börsen rasch wieder zu neuen Höhen aufschwingen. Das belegten Studien in den vergangenen Jahren immer wieder.
Das scheue Wild
„Der historische Vergleich deutet auf eine Outperformance von Small Caps hin, wenn sich der Wind von Rezession hin zum Aufschwung dreht“, sagt Fondsmanager Ollie Beckett von Henderson. Dabei entwickelten sich in der jeweils ersten Phase eines Aufschwungs die Kleinen in allen Märkten durchweg besser als die Großunternehmen.
Die schnelle Erholung der Nebenwerte hat viel mit dem Vertrauen der Anleger zu tun: Denn in schlechten Zeiten fliehen die oft übereilt aus Nebenwerten, weil deren Papiere schlechter handelbar sind. Zudem erscheinen vielen Flaggschiffe wie Siemens & Co. plötzlich als die sicherere Anlage. Doch ebenso schnell kehren sie wieder zu den kleinen Firmen zurück, wenn sich ein neuer Aufschwung andeutet.
Frühes Handeln wird belohnt...
So ist es auch derzeit: Laut Sentix sind jetzt vor allem die kleineren Werte an der Börse gefragt. Besonders institutionelle Anleger legen sich diese Papiere wieder massenhaft ins Depot. Aber nicht nur die Statistik spricht für die Nebenwerte, sondern auch fundamentale Daten. Nur erfahren die meisten Anleger das nicht gerade früh, sondern meist viel zu spät. Denn die Kleinen berichten oft spät in der Berichtssaison und passen ihre Gewinnschätzungen auch erst viel später an die verbesserten Aussichten an, als es Großkonzerne tun. Es lohnt sich also, frühzeitig auf die Nischenunternehmen zu setzen.
Wer sein Depot jetzt aufstocken will, der kann sich entweder gezielt in den Nebenwerte-Indizes umsehen und nach den aussichtsreichsten Kandidaten für die Zukunft fahnden. Gerade bei ganz kleinen Firmen mit geringer Kapitalisierung sind da schon mal dreistellige Kursgewinne drin.
... auch beim Wiederausstieg
Doch Vorsicht: Wo viele Chancen sind, da ist oft auch das Risiko extrem hoch. Eine Investition in Einzelwerte ist daher oft riskant. Zu den konservativeren Papieren, die derzeit aber viele Experten und Marktbeobachter auf ihre Einkaufslisten gesetzt haben, gehören der Modehersteller Gerry Weber, die Konsumforscher der GfK und der Roboterhersteller Kuka.
Wer sein Geld lieber breiter streuen will, kann sich gleich einen kompletten Nebenwerteindex ins Depot legen. Etwa mit einem Indexfonds (ETF) auf den deutschen S-Dax oder einem ETF auf den europäischen Nebenwerte-Index MSCI Europe Small Caps oder der Dow Jones Eurostoxx Small Cap. Mit allen Papieren kann er darauf spekulieren, dass die Kleinen demnächst die trägen Großen hinter sich lassen, wenn die Wirtschaft anzieht. Aber er sollte auch nicht vergessen, die Papiere auch wieder zu verkaufen, bevor der nächste Abschwung kommt. Denn so schnell die Nebenwerte gewinnen, so schnell verlieren sie auch wieder, wenn der Wind dreht.
Nadine Oberhuber Jahrgang 1973, freie Autorin in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
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