10.08.2009 · Die Aktienmärkte in Schwellenländern sind erneut heiß gelaufen, ihre Kursgewinne waren in der Vergangenheit jedoch meist liquiditätsgetrieben und schmolzen letztlich fast wieder vollständig dahin. Ist es diesmal anders?
Von Ben LevisohnAuf den Schwellenmärkten wird es immer heißer. Während die Aktienmärkte der Industrieländer im bisherigen Jahresverlauf um knapp 50 Prozent zulegen konnten, befinden sich etwa die Börsen in China (plus 84 Prozent), Indien (plus 64 Prozent) und Peru (plus 109 Prozent) aktuell auf 52-Wochen-Hochs. In den Augen einiger Marktbeobachter ähneln die astronomischen Emissionsgewinne bei Börsengängen auf dem chinesischen Aktienmarkt inzwischen dem Dot.com-Boom der späten Neunzigerjahre. So verteuerte sich beispielsweise das Papier des Mautstraßenbetreibers Sichuan Expressway am Emissionstag um 300 Prozent.
Nur wenige zweifeln daran, dass die Schwellenländer - auf die derzeit rund die Hälfte des weltweiten Bruttoinlandsprodukts entfällt - in den kommenden Jahren der Wachstumsmotor der Weltwirtschaft sein werden. Während die Industriestaaten mit der Rückführung von Krediten und der Rettung ihrer Bankensysteme beschäftigt sind und bestenfalls auf mickriges Wirtschaftswachstum hoffen können, glänzen viele Schwellenländer (mit Ausnahme Russlands und der aufstrebenden Staaten Osteuropas) mit gewaltigen Devisenreserven, soliden Banken und moderatem Wachstum.
Rechtfertigt dies jedoch diese massiven Kursgewinne? „Es bestehen kaum Zweifel daran, dass die Volkswirtschaften der Schwellenländer weltweit am stärksten wachsen werden“, sagt Bob Phillips, geschäftsführender Gesellschafter der Spectrum Management Group aus Indianapolis. „Das heißt natürlich nicht, dass es dort immer nur aufwärts gehen wird“. Das sollten Anleger im Hinterkopf behalten, wenn sie ihr Geld massenhaft in Schwellenländer investieren.
Nach Angaben des Analyseunternehmens EPFR übersteigen die Mittelzuflüsse in Schwellenländerfonds im bisherigen Jahresverlauf mit 32 Milliarden Dollar jene von Fonds mit Fokus auf Industrieländern. Es ist jedoch Vorsicht geboten, sobald sich diese Geldströme umkehren. In der Vergangenheit waren Boomphasen auf Schwellenmärkten zumeist liquiditätsgetrieben: Geld strömte ins Land und hob die Aktienmärkte auf neue Höchststände. Nach kurzer Zeit zogen die Investoren ihr Geld ab, woraufhin die zuvor erzielten Kursgewinne in der Regel wieder fast vollständig dahin schmolzen. Ein im Jahr 1991 in Schwellenländern investierter Dollar hatte sich bis 1994 verdoppelt, war 1998 wieder auf dem Stand von 1991, verdoppelte sich bis 1999 erneut, um 2001 auf 1,10 Dollar zurückzusinken. Ein im Mai 2005 angelegter Dollar hatte sich bis 2007 gar verdreifacht, ehe diese Zugewinne 2008 wieder auf einen Dollar zusammengesunken waren. All diese Bewegungen wurden von den launischen Kapitalzu- und -abflüssen der Investoren getrieben. „Geldströme bestimmen den Rhythmus, nicht die zugrunde liegenden Fundamentaldaten“, so Phillips.
Schwellenländer mit gewaltigen Devisenreserven
Die gegenwärtige weltweite Rezession könnte den Status quo jedoch verändert haben. In früheren Abschwüngen endeten Boomphasen in Schwellenländern, wenn es zu Problemen - in Schwellenländern - kam. So führte die Russlandkrise 1998 zu massiven Kapitalabflüssen aus Schwellenmärkten. Diesmal entstanden die Probleme jedoch in der entwickelten Welt, während Asien und Südamerika davon (vergleichsweise) wenig betroffen waren. In vorangegangenen Krisen hatten Schwellenländer zudem mit enormen Staatsdefiziten zu kämpfen. Heute besitzen sie Dollarreserven in Billionenhöhe. Amerikanische und europäische Investoren betrachten die Welt jedoch nach wie vor durch ihre eigene Brille. „Die Blase befindet sich eigentlich in den Industrienationen“, sagt Jerome Booth, Leiter der Analyseabteilung von Ashmore Investment Management. „Hier muss der Entschuldungsprozess stattfinden.“
Was sollte ein Anleger also tun? Eine Option: Aktien von Schwellenländern meiden und stattdessen auf Anleihen setzen. Bei der Kapitalanlage im Ausland dächten die meisten Investoren zuallererst an Aktien und damit an die Anlageklasse mit der größten Volatilität, sagt Booth. Eine brasilianische Staatsanleihe zahle dagegen einen Kupon von rund 10 Prozent und schwanke dabei weitaus weniger als Aktien. Bei der Anlage in Schwellenmarktaktien rät er zudem vom BRIC-Konzept ab: „Man sollte nicht nur in vier, sondern in 64 Länder investieren“, so Booth. „So lassen sich Blasen vermeiden“.
Als weitere Option bietet sich eine Verankerung eines Schwellenländer-Portfolios mit einer anderen, weniger volatilen Anlageklasse an. Dies bedeutet, dass die Hälfte der für die Investition in Schwellenmärkte vorgesehenen Mittel als Barreserve gehalten wird; die andere Hälfte wird in Schwellenländer-Indexfonds (ETFs) angelegt. Die Anteile sollten im Monatsrhythmus wieder an das ursprüngliche 50:50-Verhältnis angepasst werden. Phillips zufolge habe diese Strategie im Laufe der Zeit mit der halben Volatilität 75 Prozent der Erträge erzielt. Aggressivere Anleger könnten die Barreserve beispielsweise durch den in Industriestaaten investierenden iShares MSCI EAFE Index Fund (Isin: US4642874659) ersetzen, sagt Tom Wilson, Managing Director institutionelle Anlagen und Privatkunden bei Brinker Capital.
Bei jeweils korrekter Umsetzung liefern beiden Strategien eine Sicherheitsmarge für den Anleger. Ronald Florance, Leiter Portfoliostrukturierung und Strategie bei der Wells Fargo Private Bank, empfiehlt allerdings, eine Anpassung nicht automatisch im Monatsrhythmus vorzunehmen, sondern immer dann, wenn der Schwellenmarkt-Portfolioanteil mindestens fünf Prozentpunkte vom Gleichgewichtsverhältnis abgewichen ist. „Schwellenmärkte sind wie Cayennepfeffer - wohl dosiert verfeinert er die Speise“, sagt Florance. „Zu viel davon ist eine Katastrophe“.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |