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Schwellenmärkte Der russische Bär steht und fällt mit dem Öl

30.10.2002 ·  Besonders der stabile Ölpreis erweist sich als schlagendes Argument für den Finanzmarkt Russland. Aber die Risiken bleiben hoch.

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Die russische Dampfwalze rollt wieder, mag man denken, blickt man auf die behäbige Aufwärtsbewegung des Moskauer Aktienmarktes, der im August seine übliche Sommer-Lethargie abgelegt und seit Mitte September immerhin rund 7,5 Prozent zugelegt hat.

Scheinbar unbeirrt von der weltweiten Baisse und den EU-Kapriolen der meisten osteuropäischen Märkte stapft der russische Bär langsam, aber sicher vorwärts. Sein alle anderen Probleme überdeckendes Lebenselixier: das Öl.

Rentenmarkt hängt gleichermaßen am Öl

„Bei dem anhaltend starken Ölpreis über der Marke von 18,50 US-Dollar je Barrel glauben wir, dass das makroökonomische Umfeld in Russland stabil bleibt und das positive Investmentpotenzial des russischen Marktes fördert“, fassen die Russlandexperten von Baring Asset Management ihre aktuelle Einschätzung zusammen, und befinden sich damit in zahlreicher Gesellschaft.

Dank eines stabil über dem 20-jährigen Durchschnitt von 21,20 Dollar pro Barrel bleibenden Ölpreises dürfte das jüngst zum weltgrößten Ölproduzenten aufgestiegene Land 2002 das dritte Jahr in Folge einen Haushaltsüberschuss aufweisen. Öl und Gas machen etwa 15 Prozent des Bruttoinlandsprodukts und 30 Prozent der Exporte Russlands aus.

Grund genug für die Ratingagentur Moody's, eine Heraufstufung der russischen Kreditwürdigkeit zu erwägen. Derzeit benotet Moody's Russlands Auslandsverbindlichkeiten mit „Ba3" auf gleicher Ebene wie die von Jamaika oder Peru. Ein weiterer Hinweis darauf, dass nicht nur der Aktienmarkt, sondern auch die Anleihen der Russischen Föderation sehr stark am Ölpreis hängen.

Weiter stabiler Ölpreis erwartet

Derzeit vorherrschender Bestimmungsgrund des Ölpreises ist die von fundamentalen Ursachen losgelöste „Irak-Prämie“, die von Experten auf bis zu fünf Dollar pro Barrel veranschlagt wird. Aber auch die vorherrschenden Angebots- und Nachfragebedingungen sprechen eher für einen über dem langfristigen Durchschnitt liegenden Ölpreis, wie etwa Oliver Plein vom Finanzmarktresearch des Dit erläutert.

Ist das Öl also ein einfaches, aber wirksames Argument für den russischen Markt, dürfen Anleger niemals die tiefgreifenden Strukturprobleme des Landes vergessen. Schließlich besteht Russlands Wirtschaft nicht nur aus dem Energiesektor allein, und die Effizienz- und Transparenzprobleme der maroden Betriebe sind trotz zaghafter Fortschritte längst nicht gelöst.

Weit von westlichen Normen entfernt

Eine katastrophale Informationspolitik der staatlichen Stellen nach dem Moskauer Geiseldrama und schwere Menschenrechtsverletzungen in Tschetschenien sind nur aktuelle Schlaglichter darauf, wie schwer sich Russland auf dem Weg hin zu westlichen Standards tut.

Wie die volatilen Kursverläufe der drei großen Energietitel Lukoil, Gazprom und Surgutneftegaz illustrieren, sind interessierte Privatanleger besser bei auf Russland spezialisierten Investmentfonds aufgehoben. Neben dem reinen Russlandfonds der DWS und dem Osteuropafonds der Raiffeisen Kapital-Anlage-Gesellschaft existieren weitere Fonds mit einem Schwerpunkt auf Russland. Zu nennen wären beispielsweise der AXA Osteuropa, der Pictet Eastern Europe, der Activest Lux Osteuropa, der Invesco Taiga und der Osteuropa-Fonds von Union Investment, alle mit einer guten bis sehr guten Bewertung von Standard & Poor's.

Einen fahrenden Zug sollte man nicht aufhalten, soviel ist klar. Aber ob dieser Zug wirklich in eine goldene Zukunft steuert, hat Russland noch lange nicht bewiesen.

Verlauf des russischen RTS-Index in den vergangenen fünf Jahren.

Quelle: @la
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