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Schwellenländer Weckruf für den Rückzug?

02.03.2007 ·  Alle Welt weiß, dass die Börse in Shanghai einem Spielkasino gleicht. Doch was bedeutet schon ein Einbruch von lächerlichen neun Prozent, nachdem die Börse zuvor vertikal nach oben getrieben wurde?

Von Pete Engardio und Christopher Power, BusinessWeek
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Alle Welt weiß, dass die Börse in Shanghai einem Spielkasino gleicht. Doch was bedeutet schon ein Einbruch von lächerlichen neun Prozent, nachdem die Börse von chinesischen Spekulanten um 135 Prozent nach oben getrieben wurde?

Für die internationalen Märkte scheint dieser Einbruch allerdings von großer Bedeutung zu sein. Nur wenige Minuten, nachdem Gerüchte über eine von der chinesischen Regierung geplanten Einführung einer Kapitalertragsteuer eine Verkaufslawine in Shanghai lostraten, begannen Anleger mit dem Rückzug aus Schwellenmärkten von Mexiko-Stadt bis Mumbai. An der Wall Street, wo nach durchwachsenen Wirtschaftsdaten bereits allgemeine Nervosität herrschte, löste die Entwicklung in China den stärksten Kurseinbruch an einem Tag seit März 2003 aus.

Korrekturen sind seit langem überfällig

Deuten sich hier bereits neuerliche Ansteckungseffekte von Seiten der Schwellenmärkte an? Ja und nein. Starke Korrekturen sind sicherlich seit langem überfällig. „Wir sahen in vier aufeinanderfolgenden Jahren Rekordergebnisse auf den Schwellenmärkten“, sagt Mark Headley, Portfoliomanager bei Matthews Asian Funds. „Warum sollten wir nun ausgerechnet mit einem fünften Jahr in Folge rechnen?“ Die auf diesen Märkten vorherrschende Schönwetterlage ließ viele vergessen, dass es sich hier nach wie vor um unausgereifte Börsenplätze handelt, auf denen eine kompetente einheimische Anlegerschicht fehlt, die für ein solides Fundament sorgt.

Es ist jedoch nicht zu erwarten, dass es zu einer Wiederholung der globalen Krisen kommt, die in den späten 1990er-Jahren Asien, Lateinamerika und Russland heimsuchten. Gewiss sind viele Märkte deutlich überkauft. Venezuelas Markt stieg in den vergangenen 12 Monaten um 79 Prozent, während die Märkte in Peru und Vietnam um 158 Prozent bzw. 182 Prozent nach oben schossen. Ausländische Anleger - die dazu tendieren, umgehend ihre Zelte abzubrechen, wenn es brenzlig wird - sind hierbei ein bedeutender Faktor. 2006 strömten 70 Milliarden Dollar in Aktien von Entwicklungsländern, während es 2002, kurz vor dem jüngsten Boom, zwei Milliarden Dollar waren.

„Eine volatile Anlageklasse“

Hier enden jedoch die Gemeinsamkeiten mit den dynamischen Neunzigern. Früher waren Entwicklungsländer für den sorglosen Umgang mit ihren Staatsfinanzen sowie für ihre Zahlungsbilanzprobleme berüchtigt. „Die meisten dieser Staaten verfolgen heute eine umsichtige Politik und erzielen sogar Haushaltsüberschüsse“, so Keith Savard, Leiter der Abteilung Weltwirtschaftsanalyse des Institute of International Finance. Die Top 40 der Schwellenländer verzeichneten im vergangenen Jahr Leistungsbilanzüberschüsse in Höhe von 3,2 Prozent des Bruttoinlandsproduktes, verglichen mit 0,5 Prozent im Jahr 2002.

Doch selbst wenn es keine Asienkrise Teil II geben sollte, könnte dies das Jahr der Volatilität werden, insbesondere dann, wenn Anleger ihr Geld weiterhin in Märkte wie China pumpen, wo die Aktivitäten einiger weniger Akteure große Schwankungen auslösen können. „Der Einbruch an der Shanghaier Börse führt uns vor Augen, dass es sich bei Schwellenländeraktien um eine volatile Anlageklasse handelt“, sagt Donald Elefson, Portfoliomanager bei Excelsior Emerging Markets Fund.

Sicherlich schien sich für chinesische Aktien eine rosige Zukunft abzuzeichnen. Chinas Exportboom, eine Politik des billigen Geldes und ein gewaltiger Zustrom ausländischen Kapitals haben eine enorme Liquiditätsblase entstehen lassen. Selbst nach ihrem neunprozentigen Kursrutsch erzielen die in Shanghai gehandelten A-Aktien noch immer Kurs-Gewinn-Verhältnisse von 36, merkt Romeo Dator, Portfoliomanager von U.S. Global Investors, an. Während von interessierter Seite versucht wird, den Markt wieder auf ein vernünftiges Maß herunterzureden, bleiben chinesische Aktien nach wie vor hochriskante Wetten. „Es geht die Angst um, dass sie sich einen Schritt zu weit nach vorn wagen und den gesamten Markt in den Abgrund reißen.“

Defensive Anlagestrategie

Angesichts dieser schwelenden Angst ist es für Anleger keine schlechte Idee, den Rückzug anzutreten. „Diese Korrektur wird ihre Wirkung erst nach und nach entfalten“, meint Arthur Budaghyan, leitender Redakteur des vom Analystenhaus BCA Research veröffentlichten Börsenbriefs mit Fokus auf Schwellenländer. Besonders anfällig sind in seinen Augen chinesische, philippinische und argentinische Aktien. Während die Aktien jedoch von ihren derzeitigen Höchstständen um etwa 10 Prozent fallen könnten, bevor sie sich wieder zu erholen beginnen, bleibt dies deutlich hinter dem Einbruch um 25 Prozent zurück, der sich im Sommer 2006 auf den meisten Schwellenmärkten ereignete, nachdem ein Anstieg bei zehnjährigen amerikanischen Staatsanleihen Besorgnis über eine wachsende weltweite Inflation auslöste.

Doch selbst eine mögliche Korrektur von 10 Prozent veranlasst Mark Headley zu defensiven Maßnahmen. Er meidet indische und chinesische Aktien, von denen einige nach seiner Meinung noch um bis zu 50 Prozent sinken könnten, und kauft stattdessen Titel mit niedrigem Kurs-Gewinn-Verhältnis, etwa koreanische Bankenwerte. „Ich habe das bereits miterlebt,“, sagt Headly, „und wenn die Musik aufhört zu spielen, ist das kein sonderlich schönes Gefühl.“

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