Home
http://www.faz.net/-gv7-vb79
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Schwellenländer Wahlschlappe der Regierung: Börse Malaysias stürzt ab

10.03.2008 ·  Das Regierungsbündnis Malaysias verfehlt erstmals seit Jahrzehnten die Zwei-Drittel-Mehrheit. Das verunsichert die ohnehin schon wachstumsskeptischen Anleger. Der Kuala Lumpur Stock Exchange Composite Index ging in die Knie.

Artikel Bilder (8) Lesermeinungen (0)

Wahlergebnisse spielen am Montag an den internationalen Börsen eine gewisse Rolle. Während die spanische Börse den Wahlsieg der regierenden Sozialisten trotz aufkommender Bedenken übe die volkswirtschaftliche Robustheit des Landes mit Kursgewinnen feiert, ging der Kuala Lumpur Stock Exchange Composite Index mit einem Minus von satten 9,5 Prozent in die Knie.

Selbst die bisher im Trend gegen den Dollar aufwertende Währung musste einen Tagesverlust von knapp 1,2 Prozent auf 3,2 Ringgit je Dollar hinnehmen. Der Grund liegt in der Tatsache, dass die seit der im Jahr 1957 erlangten Unabhängigkeit in Malaysia regierende multiethnische Koalition bei der Parlamentswahl am Wochenende die schlimmste Niederlage seit fast 40 Jahren erlitten hat.

Regierungsbündnis verfehlt nach Jahrzehnten wieder die Zwei-Drittel-Mehrheit

Nach Angaben der Wahlkommission verfehlte das Bündnis Barisan Nasional - Nationale Front - erstmals seit dem Jahr 1969 die Zwei-Drittel-Mehrheit. Demnach kam das Regierungsbündnis auf 137 von 222 Sitzen. Vor vier Jahren hatte die Koalition noch 91 Prozent der Sitze gewonnen. Wahlforscher machten die hohe Inflation, wachsende Kriminalität sowie die Unzufriedenheit der chinesischen und indischen Minderheit für die Stimmverluste verantwortlich.

Wie die Wahlkommission in Kuala Lumpur mitteilte, fehlen Barisan Nasional nun elf Sitze zur Zwei-Drittel-Mehrheit, die Verfassungsänderungen ermöglicht. Regierungschef Abdullah Ahmad Badawi gab sich nach der Schlappe wortkarg. Die Koalition könne die nächste Regierung bilden, sagte er vor Journalisten in seiner Parteizentrale in Kuala Lumpur. „Ich werde eine Erklärung veröffentlichen und meine Sicht der Dinge mitteilen, wenn alles vorbei ist. Das ist alles, was ich zu sagen habe.“ Auf die Frage, ob das schlechte Ergebnis als Misstrauensvotum zu werten sei, sagte Abdullah: „Vielleicht. Es gibt eine Vielzahl von Botschaften des Volkes.“

Oppositionsführer Anwar Ibrahim feierte das Wahlergebnis als den „Beginn einer neuen Zeit“ für Malaysia. Der „Mythos“, dass Abdullahs Partei unbesiegbar sei, sei nun beendet. Anwars Partei Keadilan zog mit 31 Sitzen als stärkste Oppositionskraft in das Parlament ein. Die chinesische Demokratische Aktionspartei errang laut Wahlkommission 28 Sitze, die islamische Partei PAS 23 Sitze. Außerdem siegten Oppositionsparteien in fünf der 13 Bundesstaaten. Zuvor war nur ein Staat in der Hand der Opposition.

Der Ausgang der Wahl scheint die internationalen Anleger zu verunsichern, nachdem das Land bislang als politisch stabil gegolten hatte. Die aufkommende Unsicherheit zeigt sich nicht nur an den Kursverlusten der Börse, sonder auch an den anziehenden Preisen für die Absicherung gegen Kreditrisiken: Die Spreads von Credit-Default-Swaps mit einer Laufzeit von zehn Jahren sind waren zuletzt auf 100 Basispunkte gestiegen. Sie in den vergangenen zwölf Monaten verfünffacht.

Internationale Anleger werden verunsichert

Die Börsianer sind nun nicht mehr sicher, ob, wann und in welchem Umfang das bisher geplante Ausgabeprogramm im Wert von 200 Milliarden Ringgit umgesetzt werden kann. Aus diesem Grund gerieten vor allem die Bauwerte des Landes in die Defensive, während sich die aufkommende politische Unsicherheit auch bei den börsennotierten Staatsbanken und regierungsnahen Energieunternehmen direkt bemerkbar macht.

Mancher Anleger dürfte jedoch die Wahl und die nun aufkommenden Argumente als günstigen Anlass genommen haben, um in einem sich auch international deutlich verändernden Umfeld mit aufkommenden Wachstumssorgen Gewinne mitzunehmen.

Bisher entwickelt sich die malaysische Wirtschaft zwar relativ robust: Das Wirtschaftwachstum lag im vierten Quartal des vergangenen Jahres bei 7,3 Prozent, das Land erzielt Handelsbilanzüberschüsse und die Preisentwicklung ist bisher robust. In den vergangenen Jahren konnten sogar Währungsreserven im Wert von 116 Milliarden Dollar akkumuliert werden. Allerdings exportiert das Land einen großen Teil seiner Exportgüter in die Vereinigten Staaten, nach Singapur, Japan, China, Thailand und Hongkong. Aus diesem Grund dürfte es die amerikanische Wirtschaftsschwäche zu spüren bekommen können.

Genau aus diesem Grund stellt sich die Frage, ob die Gewinnschätzungen, die zu einem vernünftig erscheinenden Kurs-Gewinnverhältnis von knapp 13 für malaysische Aktien führen, auch realistisch sind. Bei den Exportunternehmen dürfte sich die schwache amerikanische Wirtschaft und vor allem auch der schwache Dollar negativ bemerkbar machen können. Insgesamt dürfte es auch angesichts des angeschlagenen Charts der Börse nicht verwundern, wenn ihr die internationalen Anleger bis auf weiteres mit einer gewissen Skepsis begegnen werden.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht der FAZ-Redaktion wider.

Quelle: @cri
Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen
Themen zu diesem Artikel
25.05.2012 17:45 Uhr
  Vortag
Dax 6.339,94 +0,38%
 OK
25.05.2012
Name Kurs Prozent
DAX 6.339,94 +0,38%
FAZ-INDEX 1.377,69 −0,11%
TecDAX 752,47 +0,08%
MDAX 10.196,40 −0,34%
SDAX 4.817,28 +0,29%
REX 434,70 −0,15%
Eurostoxx 50 2.161,87 +0,25%
F.A.Z. EURO 69,61 +0,13%
Dow Jones 12.454,80 −0,60%
Nasdaq 100 2.527,05 −0,17%
S&P500 1.317,82 −0,22%
Nikkei225 8.580,39 +0,20%
EUR/USD 1,2515 −0,14%
Rohöl Brent Crude 106,90 $ +0,14%
Gold 1.569,50 $ +0,06%
Bund Future 144,35 € +0,25%