17.09.2008 · Der Ukraine PFTS Index hat seit Mai rund 70 Prozent seines Wertes verloren. Nach Jahren des undifferenzierten Kursaufschwungs schlagen politische und wirtschaftliche Impulse negativ auf verschiedene Schwellenländerbörsen durch.
Nach Jahren des undifferenzierten Kursaufschwungs verzeichnen verschiedene Schwellenländerbörsen nun schon seit Wochen massive Kursverluste. Allen voran die Märkte in China, Russland, Rumänien und der Ukraine. Der Ukraine PFTS Index hat seit Mai rund 70 Prozent seines Wertes verloren.
Während die Korrektur in China auf die zuvor heiß gelaufenen Börsen und die zwischenzeitliche Ernüchterung über die wirtschaftlichen Aussichten zurückzuführen ist, spielen in Osteuropa neben der durch die Kreditkrise und die verschiedenen Bankenpleiten induzierten Tendenz zum Abbau riskanter Positionen maßgeblich auch politische Faktoren eine Rolle.
Wirtschaftliche und p olitische Unsicherheiten lasten auf den Märkten
Dazu zählt in erster Linie die politische Unberechenbarkeit der russischen Administration, die sich in den vergangenen Monaten in Form der militärischen Intervention in Georgien gezeigt hat. Aufgrund der offensichtlich wieder aufgekommenen Großmachtsphantasien sitzen alle Anrainerstaaten mit hohen russischen Bevölkerungsanteilen auf heißen Kohlen. Sie fürchten sich davor, dass ähnliches wie in Georgien passieren könnte. Das gilt für die baltischen Staaten, insbesondere jedoch für die Ukraine.
Denn das Land ist politisch tief gespalten zwischen einem mehrheitlich russisch orientierten Ostteil und einem stark westlich orientieren Westteil. Die Spaltung zeigt sich deutlich am Streit über die Haltung zu Russlands Vorgehen im Kaukasus-Konflikt. Inzwischen ist daran die prowestliche Regierungskoalition gescheitert. Die Koalition der demokratischen Kräfte sei „zusammengebrochen“, erklärte Parlamentssprecher Arseny Jazenjuk am Dienstag. Die Partei von Präsident Viktor Juschtschenko, Unsere Ukraine, hatte Anfang September entschieden, die Zusammenarbeit mit dem Block von Regierungschefin Julia Timoschenko aufzukündigen.
Die Regierungskoalition hatte zuvor über die Haltung zu Russlands Vorgehen im Kaukasus-Konflikt gestritten. Die Koalitionspartner konnten sich nicht auf eine gemeinsame Stellungnahme einigen. Weil Timoschenko sich zuvor in einer Abstimmung im ukrainischen Sicherheitsrat über Beschränkungen für die im Süden der Ukraine stationierte russischen Schwarzmeerflotte enthalten hatte, beschimpfte Juschtschenko sie als Verräterin.
Timoschenko hatte die Juschtschenko-Partei zu einer Rückkehr in das Regierungsbündnis aufgefordert und dafür eine Frist bis Mitte September gesetzt. Sie wird nach dem Ablauf der Frist jetzt wahrscheinlich zurücktreten und versuchen eine neue Koalition zu bilden, möglicherweise mit der prorussischen Partei des früheren Regierungschefs Viktor Janukowitsch. Das neue Kabinett muss binnen 30 Tagen bis Mitte Oktober gebildet werden. Anschließend kann Juschtschenko Neuwahlen ausrufen.
Industrieproduktion schrumpfte im August - starker Preisauftrieb
Die Krise begann am dritten September, als Juschtschenkos Partei entschied, die prowestliche Koalition aufzukündigen. Damit reagierte seine Partei auf die Beschneidung der Macht des Präsidenten, die der Timoschenko-Block gemeinsam mit der prorussischen Opposition zuvor beschlossen hatte. Juschtschenko sprach von einem „Staatsstreich“ und einer „Diktatur“, die Timoschenko errichten wolle.
Das Interesse Russlands an der Ukraine wird faktisch an der Stationierung der Schwarzmeerflotte auf der Krim deutlich. Aufgrund dieser Tatsache dürfte das Land mit beinahe allen Mitteln verhindern wollen, dass die Ukraine der Nato beitreten kann. Der amerikanische Vizepräsident Dick Cheney hatte während seines Besuchs in Kiew Anfang des Monats nach Georgien auch der Ukraine die Unterstützung seines Landes dafür zugesagt. Allerdings sind solche Zusagen kaum ernst zu nehmen.
Abgesehen von der politisch verfahrenen Lage gibt es in der Ukraine auch wirtschaftliche Probleme. Das Land verfügt zwar grundsätzlich über starke agrarische und industrielle Ressourcen, allerdings ist die Industrieproduktion in den vergangenen Monaten förmlich eingebrochen. Im August schrumpfte sie um 0,5 Prozent auf Jahresbasis. Der Markt war von einem Zuwachs um 4,7 Prozent ausgegangen. Abgesehen davon hat das Land ein ausgeprägtes Inflationsproblem. Die Verbraucherpreise stiegen im August um 26 Prozent auf Jahresbasis, die Erzeugerpreise legten sogar um 47 Prozent zu und die Handelsbilanz war im Juli stark negativ. Die Währung des Landes hat in den vergangenen Wochen knapp neun Prozent gegen den Dollar abgewertet.
Insgesamt mögen die ukrainischen Aktien vereinzelt optisch noch so reizvoll aussehen. Im gegenwärtigen wirtschaftlichen und politischen Umfeld drängen sie sich trotzdem nicht auf.
Wem geht es am schlechtesten?
Gerhard Dünnhaupt (dunnhaupt)
- 17.09.2008, 19:32 Uhr
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |