03.05.2010 · Entgegen der allgemeinen Chinaeuphorie fürchten Skeptiker, in China werde bald eine Immobilienblase platzen, da die Geldpolitik der Zentralbank restriktiver wird. Die Bau- und Immobilienbranche hat bis zu 60 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt beigetragen.
China hat in den vergangenen Monaten förmlich die Welt bewegt. Denn das Land hat mit einem gigantischen Stimulationsprogramm nicht nur die Weltwirtschaft über eine starke Nachfrage nach Energie und Rohstoffen sowie nach Importwaren aller Art angekurbelt, sondern auch die Wachstums- und Kursphantasie vieler Anleger weltweit beflügelt.
China habe sicht nicht nur von der schuldenindizierten Malaise der Industriestaaten abgekoppelt. Viel mehr werde das bevölkerungsreiche Land zusammen mit den asiatischen Nachbarn nachhaltig wachsen und die globale Wirtschaft beflügeln, heißt es gemeinhin optimistisch mit Verweis auf die zuletzt noch vorgelegten hohen Wachstumsraten und den Boom in der Immobilien- und Autobranche des Landes.
Platzt in China bald eine Immobilienblase, nachdem die Zentralbank restriktiver wird?
Skeptiker dagegen argumentieren, China habe zu stark und zu einseitig in Immobilien und den Exportsektor investiert, statt den Binnenkonsum genügend zu beflügeln. Die zu niedrigen Zinsen und die hohe Geldmenge habe die Land- und Häuserpreise in weiten Teilen des Landes auf unglaubliche Höhen getrieben und Unternehmen eher zu Spekulationen am Immobilien- und Aktienmarkt als zu Investitionen bewegt. Zudem hätten viele Provinzen des Landes unkontrolliert zu viele Kredite für Projekte aufgenommen, die sich nie und nimmer rechnen würden.
Dagegen verweisen wiederum immer mehr Strategen auf den durchwachsenen Kursverlauf der chinesischen Börse in den vergangenen Monaten und die geldpolitischen „Straffungsmaßnahmen“, die die chinesische Zentralbank wegen anziehender Inflationsraten, der offensichtlichen Überhitzung der Immobilien- und Aktienmärkte und der zunehmenden Diskussionen über die Koppelung der Währung an den Dollar sowie über die Höhe der Währungsreserven in den vergangenen Wochen eingeleitet hat.
Am Montag hat die Peoples Bank of China den Mindestreservesatz, der die Kreditvergabe der Banken einschränken soll, zum dritten Mal im Laufe dieses Jahres um 0,5 Prozentpunkte auf nun 17 Prozent erhöht. Das werde bis zu 300 Milliarden Yuan einfrieren, die bisher noch zur Kreditvergabe zur Verfügung gestanden haben. Zudem habe sie in den vergangenen zehn Wochen durch Offenmarkt-Operationen 1,1 Billionen Yuan aus dem Markt genommen, erklären die Währungsanalysten der BNP Paribas. Die chinesische Regierung hat in der vergangenen Woche zudem die Aufnahme von Krediten für den Kauf von Dritthäusern verboten und die Hypothekenzinsen sowie die notwendigen Anzahlungen für den Kauf von Zweithäusern erhöht. Die notorisch zu tiefen Zinsen wurden bisher nicht erhöht, manche Strategen rechnen jedoch auch damit.
Die Bau- und Immobilienbranche hat bis zu 60 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt beigetragen
Sollte sich der Bau- und Immobilienbereich Chinas merklich abkühlen, könne er das Land in eine Rezession ziehen, befürchten bekannte Anlagestrategen wie Mark Faber, Jim Chanos und Kenneth Rogoff. Diese Bereiche hätten in den vergangenen Jahren das Wachstum getrieben und bis zu 60 Prozent zum ausgewiesenen Bruttoinlandsprodukt beigetragen, erklären sie. Spekulanten, die bisher die Immobilienpreise getrieben hätten, könnten sich kurzfristig zwar dem Aktienmarkt zuwenden. Dort jedoch seien die Papiere schon hoch bewertet und im Vergleich zu Gold wenig interessant. Die BNP Paribas geht davon aus, dass die Immobilienpreise in China in der zweiten Hälfte des Jahres um bis zu 20 Prozent fallen könnten.
In diesem Falle könnten enttäuschte internationale Anleger Mittel abzuziehen, die sie in den vergangenen Jahren vermehrt in China investiert haben. Diese Entwicklung würde möglicherweise auch eine Korrektur der Energie- und Rohstoffbereich mit sich bringen, die zusammen mit der Chinaphantasie, hohen Geldmengen und niedrigen Zinsen zu einem massiven Preisauftrieb beigetragen haben. Am Montag liegt der Ölpreis mit 86,45 Dollar nahe des höchsten Standes seit eineinhalb Jahren. Sollten Mittel aus China abgezogen werden, könnte der Yuan eher ab- als aufwerten, sofern der Wechselkurs tatsächlich etwas liberalisiert würde.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |