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Schwellenländer Sorgen an argentinischen Finanzmärkten

26.10.2007 ·  Argentiniens Finanzmärkte sehen den Präsidentenwahlen am Sonntag zwar mit relativer Gelassenheit entgegen, betrachten jedoch die wirtschaftlichen Aussichten in dem Land mit Sorge. Die Ungleichgewichte machen mehr Angst als die Wahl.

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Argentiniens Finanzmärkte sehen den Präsidentenwahlen am Sonntag zwar mit relativer Gelassenheit entgegen, betrachten jedoch die wirtschaftlichen Aussichten in dem Land mit Sorge.

Die steigende Inflation, die von der Regierung kaum mehr kontrolliert, sondern nur noch statistisch kaschiert wird, eine Schwächung der Staatsfinanzen und eine schwelende Energiekrise werden als die drängendsten Probleme angesehen. Zunehmende Ungleichgewichte und Verzerrungen würden die Wachstumsaussichten der Wirtschaft verdüstern, schreiben Volkswirte von Santander Investment.

Peso im Abwertungstrend gegen Euro und Dollar

In den vergangenen Wochen ist der Peso leicht unter Druck geraten, seit Mitte September wertete er um zwei Prozent gegenüber dem Dollar ab. Der Markt bewege sich jedoch in normalen Bahnen, kommentierte ein Devisenhändler von Puente Hermanos.

Argentinische Aktien und Anleihen haben sich schon im bisherigen Jahresverlauf schlechter entwickelt als vergleichbare Schwellenländer-Anlagen. So brachten Aktien aus Argentinien seit Jahresanfang auf Dollar-Basis einen Gewinn von lediglich 6 Prozent, während brasilianische Unternehmenswerte 65 Prozent abwarfen. Die Risikoaufschläge für argentinische Staatsanleihen gegenüber erstklassigen amerikanischen Anleihen sind um rund zwei Prozentpunkte gestiegen, während sich die Spannen in Brasilien lediglich um rund 30 Basispunkte erhöhten.

Dass die Regierung seit Jahresanfang die amtlichen Inflationsdaten durch „methodologische Änderungen“ nach unten rechnet, hat die Kurse von wertgesicherten Peso-Anleihen gedrückt. Ökonomen aller Couleur weisen darauf hin, dass die tatsächliche Inflation mindestens doppelt so hoch ist wie die offiziell ausgewiesene Rate von 8,6 Prozent. Dafür werden sie vom scheidenden Staatschef Kirchner übel beschimpft. Sie täten dies nur, um die Banken und Finanzanleger zu begünstigen, lautet sein Vorwurf (vgl. ).

Unterschiedliche Bewertung der Kursaussichten an der Börse

Große Veränderungen durch die Wahl erwartet aber niemand an der Börse in Buenos Aires. Das liegt daran, dass der Sieg der Regierungskandidatin Cristina Fernández de Kirchner, der Gattin des amtierenden Staatschefs Néstor Kirchner, als ausgemacht gilt. In allen Wahlumfragen liegt sie quasi uneinholbar in Führung. Während viele Wähler auf eine Fortsetzung des seit fünf Jahren herrschenden Wirtschaftsaufschwungs hoffen, zeichnen viele Finanzexperten ein negatives Szenario.

Wenn Frau Kirchner am Sonntag den erwarteten klaren Sieg erringen sollte, werde sich der politische Kontext nur marginal verbessern, meinen Analysten der Citigroup, die für das kommende Jahr nur noch eine Zunahme des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um weniger als 4 Prozent prognostizieren (nach einem Wachstum von zuletzt 8 bis 9 Prozent). Mögliche Auslöser für Kursgewinne könnten Reformen in der Energiewirtschaft und eine freundlichere Haltung gegenüber ausländischen Investoren sein. Vorerst bleibt Citigroup jedoch bei einer Untergewichtung argentinischer Aktien im Vergleich zu Brasilien.

Anleger sollten sich von der populistischen Rhetorik der Kirchner-Regierung nicht verschrecken lassen, meint Walter Molano von der Investmentbank BCP Securities. Dem Privatsektor gehe es immer noch gut. Die Nachfrage Chinas nach Soja und anderen Agrarprodukten des fruchtbaren Landes stärke die Handelsbilanz und den Staatshaushalt.

„Verkaufen Sie alles in Brasilien, und kaufen Sie argentinische Werte“, rät Molano. Denn Brasilien sei ebenso stark überbewertet wie Argentinien unterbewertet. Neben den bei der Umschuldung 2005 emittierten Discount-Anleihen empfiehlt Molano den Kauf der sogenannten BIP-Kupons, deren Auszahlungen an das Wachstum des argentinischen Bruttoinlandsprodukts gekoppelt sind.

Quelle: mos., F.A.Z., 26.10.2007, Nr. 249 / Seite 22
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