29.08.2005 · Die Finanzmärkte der Schwellenländer sind in den vergangenen Monaten meist gut gelaufen. Auch die Börse in Indien profitierte von der Wachstumsphantasie. Aber sie ist insgesamt nicht mehr sonderlich günstig, Titelselektion ist nötig.
Die Schwellenländer stießen in den vergangenen Monaten und Jahren immer mehr auf das Interesse der internationalen Anleger. Dafür gibt es verschiedenste Gründe.
Einmal ist es die Suche nach Rendite, die ausgehend von lange Zeit rekordtiefen Zinsen in den Industriestaaten alle Rentenmärkte zumindest spekulativ interessant macht, die höhere Renditen bieten. Gleichzeitig sind diese Länder und Märkte aber auch deswegen interessant, weil sie in der Regel zumindest vorläufig eine jüngere Bevölkerung und günstigere Güter- und Arbeitsmärkte als die Industriestaaten haben.
Gute Gründe für Interesse am indischen Markt
Zusammen mit der zunehmenden Globalisierung und dem anhaltenden Rohstoffboom führt das zu deutlichem Wachstum in diesen Regionen. Es wird einmal stimuliert durch Nachfrage nach Exportgütern, die wiederum auch von den Wechselkursverhältnissen profitieren. Gleichzeitig aber nimmt mit wachsenden Sozialprodukten auch der Wohlstand zu und beflügelt auf diese Weise früher oder später den Binnenkonsum. Die Exportüberschüsse verbessern außerdem die Finanzsituation.
Solche Argumente sprechen für sich, solange das Exportgeschäft der Länder nicht beeinträchtigt wird. So dürfte es nicht verwundern, wenn Staaten wie China, Brasilien und auch Indien wegen der Wachstumsdynamik und des Nachholbedarfs in punkto Infrastruktur und Lebensstandard zu den Wachstumsfavoriten zählen.
Das zeigt sich in den vergangenen Jahren auch an den Finanzmärkten. So hat der Bombay-Stock-Ex-500-Index seit September des Jahres 2001 etwas mehr als 300 Prozent zugelegt auf zuletzt 3.200 Punkte und befindet sich in einem mittelfristigen Aufwärtstrend. Solche Entwicklungen wollen etwas heißen, denn der Index umfaßt immerhin 85 Prozent der Marktkapitalisierung der Börse in Mumbai über alle Branchen.
Einzelwerte konnten auf Sicht eines Jahres bis zu knapp 1.700 Prozent zulegen, wie zum Beispiel die Aktie von United Breweries. Allerdings spielen bei solchen Kursentwicklungen nicht immer nur fundamentale Gründe eine Rolle. In diesem Fall etwa hat Scottish & Newcastle India den Anteil am Unternehmen von 26 auf 37,5 Prozent erhöht und dürfte für entsprechende Phantasie gesorgt haben.
Einzelselektion bei Aktien nötig
Aus fundamentaler Sicht scheint eine genaue Selektion der Werte notwenig sein. Immerhin ist der Bombay-Stock-Ex-500-Index mit einem durchschnittlichen Kurs-Gewinnverhältnis von 16,5 auf Basis der abgelieferten Gewinne nicht mehr sonderlich günstig. Das wäre er nur, wenn die Unternehmen des Landes ihre Gewinne im Durchschnitt deutlich und nachhaltig steigern können.
Genau das scheint der Markt auch mit Blick auf die Bewertungen nach erwarteten Gewinnen auch zu unterstellen. Glaubt man den Prognosen von Unternehmen und Analysten, so kommt es bei einzelnen Unternehmen zu deutlichen Ertragssteigerungen. Gleichzeitig scheinen insbesondere die Banken optisch günstig zu sein. Allerdings könnte das damit zu tun haben, daß Indien zwar einerseits in weiten Teilen mit einem hohen Bildungsniveau glänzen kann. Andererseits ist die Bürokratie relativ ausgeprägt, was die Beweglichkeit der Unternehmen einschränken kann. Aus diesem Grund müssen Bewertungskennziffern kritisch betrachtet und im Kontext gesehen werden.
Insgesamt zeigt der Trend an der indischen Börse zwar nach wie vor nach oben. Allerdings ist die Bewertung im Durchschnitt schon weit fortgeschritten. Aus diesem Grund dürfte der Markt trotz aller langfristigen Chancen kurz- und mittelfristig eher nüchtern betrachtet werden müssen. Die genaue Selektion der Einzelwerte scheint unerläßlich zu sein.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |