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Schwellenländer Russische Börse auf Rekordhoch

02.05.2006 ·  Die russische Börse ist nicht zu halten. Trotz aller Bedenken erreichte der RTS-Index am Dienstag mit einem Plus von 3,58 Prozent ein neues Rekordhoch. Hintergrund: Der boomende Rohstoffbereich und die ökonomische Lage.

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Die russische Börse ist nicht zu halten. Trotz aller Bedenken über das inzwischen erreichte Bewertungsniveau, über intransparente Unternehmen unter zunehmendem Staatseinfluß und über ein immer seltsamer werdendes politisches System treiben die Anleger die Aktien immer weiter nach oben.

Dabei könnten unter anderem in der Einschränkung der journalistischen Freiheiten und der Meinungsfreiheit - sie zeigt sich beispielsweise in der „verkappten Verbannung“ kritischer Aktionäre - zu denken geben (siehe auch: „Wer Geld verdienen will, darf sich keine persönlichen Gefühle erlauben“) .

Bedenken werden überflügelt vom „Rohstofftrend“

Allerdings scheinen solche Bedenken vom anhaltend hohen Ölpreis und den steigenden Notierungen bei anderen Rohstoffen überwunden zu werden. Immerhin zählt das riesige Land zu den rohstoffreichsten weltweit. Und das ist das, was im Moment zu zählen scheint.

So erreichte der RTS am Dienstag mit einem Plus von 3,58 Prozent auf 1.716,6 Punkte ein neues Allzeithoch. An der Spitze der Kursgewinner lagen die Aktien von Rostelecom mit einem Plus von 10,6 Prozent auf 3,815 Dollar, gefolgt von den Papieren von Surgutneftegaz, des Minenunternehmens Mechel, der Sberbank, von Norilsk Nickel und nicht zuletzt der Energieriesen Gasprom mit einem Plus von 3,51 Prozent und Lukoil mit einem Kursgewinn von 3,16 Prozent.

Hintergrund ist einerseits der anhaltend hohe Ölpreis, der am Dienstag mit 73,86 Dollar je Barrel Öl an der Nymex nahe am vor wenigen Tagen erreichten Rekordhoch liegt. Der Preis wird einerseits hochgetrieben durch die hohe Nachfrage, andererseits aber auch durch eine gewisse Angebotsverknappung und geopolitische Unsicherheiten im Zusammenhang mit der Nuklearpolitik Irans.

Die hohen Einnahmen vom Verkauf von Öl und anderen Rohstoffen haben die Finanzposition Rußlands in den vergangenen Jahren deutlich verbessert. Stand das Land noch Ende des vergangenen Jahrhunderts mitten in einer Schuldenkrise, so erzielt es inzwischen Überschüsse und konnte in jüngster Zeit sogar Auslandschulden vorzeitig ablösen. Der Wohlstand macht sich auch im Binnenmarkt positiv bemerkbar und führt zu einem robusten Wachstum.

Unternehmen des Landes werden international „gewichtiger“

Auf dieser Basis dürfte es grundsätzlich kaum verwundern, daß die Unternehmen des Landes bei steigenden Umsätzen gutes Geld verdienen und entsprechend begehrt sind. Dabei dürfte auch die Tatsache eine Rolle spielen, daß Unternehmen wie Gasprom immer „gewichtiger“ werden. Der weltgrößte Erdgasproduzent liegt inzwischen mit einer Marktkapitalisierung von umgerechnet 212,886 Milliarden Euro weltweit auf dem dritten Rang hinter General Electric mit einem Börsenwert von 282,7 Milliarden Euro und hinter Exxon Mobil mit einem Wert von 306,149 Milliarden Euro (siehe auch: Gasprom überholt Microsoft).

Im kommenden Monat plant Morgan Stanley Capital International die Gewichtung von Gasprom im Emerging Markets Index von MSCI anzuheben. Das dürfte dazu führen, daß sich viele Fonds, die diesem Index folgen, das Papier ins Depot legen werden und auf diese Weise den Kurs weiter nach oben treiben. Aus diesem Grund und auch mit Blick auf den anhaltenden Aufwärtstrend dürfte der Markt in einem anhaltend freundlichen Umfeld weiter nach oben laufen können.

Allerdings sollten die Risiken nicht übersehen werden. Denn mit einem durchschnittlichen Kurs-Gewinnverhältnis von etwas mehr als 16 auf Basis der Gewinnschätzungen sind die Aktien im RTS nicht mehr sonderlich günstig. Auch eine Abkühlung der amerikanischen Wirtschaft in der zweiten Hälfte des laufenden Jahres könnte zu einer Korrektur bei den Rohstoffpreisen und indirekt auch an den Börsen führen.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @cri
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