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Donnerstag, 20. Juni 2013
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Schwellenländer Lateinamerikas Börsen bleiben Wackelkandidaten

 ·  Standard & Poor's hat die Kreditwürdigkeit Brasiliens zurückgestuft. Ein Schritt, der allgemein zeigt, in welch schwieriger Lage sich Lateinamerika befindet.

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Nach dem Triumph bei der Fußball-Weltmeisterschaft muss Brasilien an anderer Stelle eine empfindliche Niederlage einstecken. Denn mit der Entscheidung der Ratingagentur Standard & Poor's vom Dienstag, die Kreditwürdigkeit der langfristigen Real-Schuldtitel auf „BB“ von bisher „BB+“ zu senken, werden die Probleme des Landes auch nach außen hin symbolisch dokumentiert.

Der Aktienmarkt konnte auf die Maßnahme nicht mehr reagieren, die sie erst nachbörslich veröffentlicht wurde. Zuvor war es beim Bovespa-Index um 0,43 Prozent auf 10.845,62 Punkten nach unten gegangen. Doch der Rückfall bei der Landeswährung Real um 0,3 Prozent auf 2,9 Real zum Dollar signalisierte bereits, wie angespannt die Lage ist, da es sich dabei um ein neues Rekordtief handelt. Und auch am Mittwoch im frühen Geschäft setzt sich die Tendenz mit einem Rückfall auf 2,9315 fort.

Die derzeit wenig rosigen Aussichten kommen auch darin zum Ausdruck, dass S&P auch den Ausblick für das Rating auf „negativ“ belassen hat. Darin reflektiert sich die steigende öffentliche Verschuldung, welche die finanzielle Situation verschlechtert. Mit dem neuen Kreditrating bewegt sich Brasilien vier Stufen unter dem Investmentgrad und auf einer Höhe mit Ländern wie Bolivien und Senegal. Dabei hatte Brasiliens Zentralbankpräsident Arminio Fraga noch Stunden zuvor das Erreichen des Investmentgrades innerhalb der nächsten 30 Monate in Aussicht gestellt.

Brasilien weiter in der Zwickmühle

Eine Rückstufung war zwar trotz Fragas Worten weithin erwartet worden, so dass davon keine Schockwellen mehr ausgingen. Schließlich war auch die Rendite mit derzeit knapp 20 Prozent für die bis 2014 laufende Staatsanleihe bereits im Vorfeld auf ein seit Jahren nicht mehr erreichtes Niveau geklettert. Aber trotzdem dürfte die S&P-Entscheidung die Aufnahme neuer Schulden erschweren und verteuern.

Zusammen mit dem schwachen Real ist dies keine komfortable Ausgangslage. Denn immerhin sind rund 40 Prozent oder umgerechnet 132 Milliarden Dollar der brasilianischen Schulden auf den Dollar denominiert. Für Jonathan Binder, Fondsmanager bei Standard Asset Management, ist der negative Ausblick auf das Kreditrating entscheidend, „da dies weiteres Abwärtspotenzial für die Anleihenkurse bedeutet.“ Gleichzeitig veranschlagt Binder die Gefahr einer Umschuldung auf über 50 Prozent.

Viel Negatives bereits in den Kursen drin

Andere Beobachter geben sich zumindest kurzfristig gelassener. Sie glauben, dass in den hohen Renditen bereits viele negative Meldungen eskomptiert sind. „Der Markt hat bereits begonnen, einen Zahlungsausfall einzupreisen“, glaubt etwa Peter Petas, Analyst bei CreditSights. Aber auch diese Lesart lässt die Lage für externe Beobachter nicht entspannter erscheinen. Steigt mit jeder neuen Hiobsbotschaft doch die Ansteckungsgefahr für andere Schwellenländer. Im frühen Handel am Mittwoch behalten bisher eher die Skeptiker Recht. Denn die bis 2014 laufende Staatsanleihe fällt weiter und rentiert nun wieder mit 20,5 Prozent, was rund 3,5 Prozentpunkte mehr sind als noch vor zwei Tagen.

Durch die Entwicklungen in Brasilien verunsichert, zeigt selbst das bisher stets als Musterknabe gefeierte Mexiko erste Symptome des Virus. Auch am Dienstag ging es mit dem dortigen IPC-Index um 0,89 Prozent auf 6.306,52 Zähler abwärts. Innerhalb der vergangenen sechs Wochen beläuft sich damit das Minus auf rund 15 Prozent. Gleichzeitig sind die Renditen der Schatzwechsel mit einem Tagesplus von 14 Basispunkten auf 8,20 Prozent am Dienstag auf den höchsten Stand seit fünf Monaten vorgerückt.

Ohne Krise wären die Aktien günstig bewertet

Die hinter den Kursturbulenzen auf dem lateinamerikanischen Kontinent zum Ausdruck kommende Nervosität der Anelger birgt aber natürlich auch ihre Chancen. Denn sollte sich die Lage demnächst beruhigen, haben speziell die tiefen Aktienkurse Potenzial. Zumindest stuft die Fondsgesellschaft Foreign & Colonial Management die Bewertungen der Aktien sowohl in Mexiko als auch in Brasilien als sehr attraktiv ein. Vorsichtige Anleger lassen sich davon aber jetzt noch nicht verlocken, sondern warten aus Gründen der Risikominimierung besser ab, ob sich die Situation tatsächlich beruhigt oder nicht.

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