27.11.2008 · Terroristische Aktivitäten dürften das Interesse internationaler Anleger an indischen Wertpapieren kaum fördern. Die Wachstumsaussichten des Landes sind zudem vergleichweise bescheiden und die Währung befindet sich in der Defensive.
In Indien wird es unruhig. Nach Terroranschlägen in der Finanzmetropole Bombay ist die Lage weiterhin nicht unter Kontrolle. Bis zum Donnerstagmorgen kamen bei Bombenattentaten und Schießereien mindestens 100 Menschen ums Leben (siehe auch Indische Regierung: In Bombay herrscht Krieg).
In konzertierten Angriffen hatten Terroristen der bisher unbekannten Gruppe „Deccan Mudschaheddin“ am Mittwochabend im Stadtzentrum unter anderem Luxushotels, ein Kino, ein bei Touristen beliebtes Restaurant und den Hauptbahnhof „Victoria Terminus“ mit Schnellfeuerwaffen und Handgranaten attackiert. Anschließende Geiselnahmen in Hotels und anderen Gebäuden halten die Sicherheitskräfte weiter in Atem, die Lage blieb auch am Donnerstagmorgen unübersichtlich. Es sind noch immer Schüsse zu hören, wie Agenturen berichteten.
Erhöhte geopolitische Unsicherheit
Um das von schwer bewaffneten Männern gestürmte Luxushotel Taj Mahal wurde am Donnerstag ein Ausgehverbot verhängt, was nach Einschätzung von Beobachtern auf einen bevorstehenden Angriff der Sicherheitskräfte hindeuten könnte. Die Attentäter forderten jüngsten Berichten zufolge die Freilassung aller in Indien inhaftierten Islamisten.
Nach Einschätzung geopolitischer Analysten von Stratfor hat die Regierung angesichts des offensichtlich strategisch geplanten Vorgehens der Terroristen zwei Möglichkeiten. Entweder sie muss eingestehen, sicherheitspolitisch versagt zu haben. Oder sie kann die Schuld auf das Nachbarland Pakistan abwälzen und entsprechende Vergeltungsmaßnahmen anstreben. Diese Konstellation würde das Verhältnis zwischen den beiden Ländern auf den „gespanntesten“ Stand seit dem Jahr 2002 zurückwerfen. Damals hatten militante Islamisten mit Unterstützung Pakistans das indische Parlament angegriffen.
Die damit verbundene Unsicherheit wird das Vertrauen der internationalen Anleger in die die indische Börse kaum beflügeln. Am Donnerstag ist der Handel ausgesetzt worden. Bereits in den vergangenen Monaten war der Aktienmarkt der Landes aufgrund der Wirtschafts- und Finanzkrise deutlich in die Defensive geraten. Der Leitindex Sensex hat von Januar bis zum 20. November des laufenden Jahres knapp 60 Prozent seines Wertes verloren und konnte sich danach trotz des kurzfristig wieder etwas auflebenden Risikoappetits kaum erholen.
Die weiteren Aussichten werden nicht nur von den terroristischen Ereignissen überschattet, sondern auch von der wirtschaftlichen Entwicklung. Immerhin ist die Wachstumsrate der Industrieproduktion des Landes von knapp 15,8 Prozent im November des Jahres 2006 auf zuletzt 4,8 Prozent im September gefallen. Im August hatte sie sogar bei nur 1,4 Prozent gelegen. Nach steigenden Wachstumsraten in den Jahren 2001 bis 2006 zeigt der Trend nunmehr nach unten.
Verhaltene Wachstumsaussichten
Indien rechnet in dem im März endenden Haushaltsjahr mit einem verlangsamten Wirtschaftswachstum von sieben Prozent. Die gleichzeitig sinkende Inflation gebe der Zentralbank aber Spielraum für eine geldpolitische Lockerung, sagte der stellvertretende Vorsitzende der staatlichen Planungskommission, Montek Singh Ahluwalia, am Dienstag optimistisch. Allerdings ist die Inflationsrate weiter hoch. Die Großhandelspreise legten im Oktober noch um 10,7 Prozent zu.
Gesunkene Rohstoffpreise mögen die Erwartung aufkommen lassen, die Preissteigerungsrate könne weiter zurückgehen. Allerdings hat die Rupie in den vergangenen Monaten deutlich abgewertet. Zusammen mit dem ausgeprägten Leistungsbilanzdefizit - das Land ist stark auf die Importe von Öl, Maschinen, Düngemittel und Chemikalien angewiesen - wird sie den Rückgang der Preise begrenzen.
„Die Zentralbank hat ein Wachstum zwischen 7,5 und acht Prozent in Aussicht gestellt“, sagte Singh Ahluwalia. „Jetzt stellen wir uns aber auf einen Wert bei sieben Prozent ein.“ Die Regierung halte dennoch an ihren Plänen fest, die Wirtschaftsleistung mittelfristig in den fünf Jahren bis 2011/12 um neun Prozent zu steigern. Ihr Optimismus wird allerdings durch den Internationale Währungsfonds (IWF) relativiert. Der hat infolge der Rezession in den Industriestaaten zuletzt für Asien eine deutliche Verlangsamung des Wachstums vorausgesagt.
Insgesamt dürfte man die Aktien des Landes angesichts der globalen Wachstumsschwäche und der politischen Turbulenzen weiter mit einer gewissen Skepsis betrachten müssen, auch wenn sie auf Basis der durchschnittlichen Gewinnschätzungen günstig aussehen mögen. Manche der in Indien ansässigen Firmen sind stark vom schwachen amerikanischen Markt abhängig, zum Beispiel die Software-Dienstleister. Andere dagegen sehen auch dann günstig aus, wenn man das Kurs-Buchwert-Verhältnis betrachtet. In diesem Sinne scheint der Kauf von Einzelwerten interessanter zu sein als die Investition in den Markt an sich.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |