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Schwellenländer Indische Börse hat vorerst ihr Flair verloren

13.06.2008 ·  Der indische Aktienmarkt ist durch den Aufwärtstrend gebrochen. Es gab deutliche Kursverluste bei dollarlastigen Werten in den vergangenen Monaten. Der Preisauftrieb zwingt die Zentralbank zu restriktiver Geldpolitik.

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Die Kreditkrise und ihre Folgen zieht immer weitere Kreise. Lange Zeit hatte es zwar geheißen, die Märkte in den Schwellenländern blieben davon unberührt, der Blick auf die Kursentwicklung in den vergangenen Monaten spricht jedoch eine andere Sprache.

Das gilt auch für die Börse in Indien. Nach starken Kursgewinnen in den Jahren 2002 bis noch in den Januar des laufenden Jahres hinein hat der Sensex inzwischen deutlich korrigiert und dabei den langfristigen Aufwärtstrend nach unten durchbrochen. Das ist in der Regel kein sonderlich gutes Zeichen. Inzwischen liegt der Index rund 30 Prozent unter seinem Hoch.

Deutliche Kursverluste in den vergangenen Monaten bei dollarlastigen Werten

Auf Sicht eines Jahres liegen zwar noch die meisten Aktien im Plus. Andere jedoch verbuchten in den vergangenen Monaten deutliche Kursverluste. Allen voran die IT-Dienstleistungsunternehmen mit starker Affinität zu den Vereinigten Staaten . Dazu zählen Tata Consultany, Wipro, Infosys, die einen großen Teil ihrer Umsätze in den Vereinigten Staaten erwirtschaften. Sie alle spüren die schwache amerikanische Konjunktur die sich in Verbindung mit dem schwachen amerikanischen Dollar gleich doppelt negativ bemerkbar macht.

Mit einem durchschnittlichen Kurs-Gewinnverhältnis von 17 auf Basis der abgelieferten Gewinne sind die Aktien im Sensex 30 nach der Korrektur inzwischen angesichts der erwarteten Wachstumsraten zumindest im Durchschnitt wieder vergleichsweise vernünftig bewertet. Allerdings stellt sich erstens die Frage, ob sich angesichts der Verwerfungen an den internationalen Energie-, Rohstoff- und auch den Finanzmärkten relativ hohe Erwartungen noch erfüllen lassen.

Immerhin ist Indiens Industrieproduktion in den vergangenen Monaten zumindest im Trend gefallen und lag zuletzt bei sieben Prozent Ende April. Dagegen sind die Großhandelspreise in den vergangenen Monaten dramatisch gestiegen um zuletzt 8,75 Prozent Ende Mai. Das hat die indische Währung geschwächt - sie wertet im Trend gegen den Euro ab - und die indische Zentralbank gezwungen, geldpolitisch restriktiver zu werden: Am Mittwoch hob sie den Leitzins um einen Viertelprozentpunkt auf zuletzt acht Prozent an.

Preisauftrieb zwingt Zentralbank zu restriktiver Geldpolitik

Die offizielle Inflationsrate dürfte im Mai nach Experteneinschätzungen Werte von bis zu 9,5 Prozent erreichen, nachdem die Regierung die bisher subventionierten Preise für Diesel und Benzin aufgrund der hohen Marktpreise nicht mehr halten konnte und deutlich anhob. Dazu kommt der Preisauftrieb bei Nahrungsmitteln und anderen Artikeln des täglichen Bedarfs. Auf der anderen Seite wurden die Importsteueren auf Brennstoffe und Nahrungsmittel gesenkt, während der Export von Hülsenfrüchten, Weizen, Reis und Zement untersagt wurde.

Weder die Inflation, noch die abwertende Währung noch die restriktive Geldpolitik der Zentralbank dürfte bei den Anleger auf Gegenliebe stoßen. Denn sie beschneiden direkt und indirekt die Renditemöglichkeiten der indischen Unternehmen und machen sie weniger attraktiv als sie in der Vergangenheit optisch ausgesehen haben mögen.

Insgesamt dürfte sich erst klären müssen, wie restriktiv die Zentralbank in Indien und in anderen Teilen der Welt werden müssen, um den Preisauftrieb zu dämpfen, bevor sich die Volatilität an den Finanzmärkten wieder etwas legen kann. Aus diesem Grund scheint es ratsam zu sein, Schwellenländermärkte mit inflationären Probleme kritisch zu betrachten und sich gegebenenfalls gegen Kursverluste zu versichern. Das gilt zumindest dann, wenn man das nicht schon längst getan hat.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @cri
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