Home
http://www.faz.net/-gv7-qfc1
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Schwellenländer Indien: Enttäuschendes Börsendebüt von Reliance Power

11.02.2008 ·  Der indische Aktienmarkt gehörte in den vergangenen Jahren zu den Boombörsen schlechthin. Inzwischen kommt es zu einer Konsolidierung, ein Börsengang geht deutlich in die Hose. Viele Aktien waren einfach zu teuer geworden.

Artikel Bilder (3) Lesermeinungen (0)

Der indische Aktienmarkt gehörte in den vergangenen Jahren zu den Boombörsen schlechthin. Anleger, die sich den Sensex direkt oder indirekt ins Depot gelegt hatten, konnten vom Frühling des Jahres 2003 bis in den Januar des laufenden Jahres Kursgewinne von bis zu 600 Prozent verbuchen.

Der Index erreichte am achten Januar des Jahres 2008 ein Allzeithoch von 20.873 Zählern, liegt inzwischen allerdings nach einer Korrektur rund 20 Prozent darunter bei 16.630 Zählern. Alleine am Montag verlor der Index 4,8 Prozent. Die deutlichsten Kursverluste traten bei den Papieren der Reliance Energy und Reliance Communications.

Konsolidierende Börse - enttäuschender Börsengang

Nach einem Blick auf die Bewertung dürfte das kaum verwundern. Denn die Papiere sind mit Kurs-Gewinnverhältnissen von 40 und 35 sowie mit knapp 25 und 19 auf Basis der Gewinnschätzungen für das laufende und das kommende Geschäftsjahr alles andere als günstig.

In den vergangenen Tagen scheint die an den Weltbörsen aufgrund der Kreditkrise aufgekommene Volatilität auch auf die indische Börse übergegriffen zu haben. Das zeigte sich sowohl an den Kursverlusten der vergangenen Tage als auch daran, dass Börsengänge keine Selbstläufer mehr sind.

So hat die Aktie des indischen Energieversorgers Reliance Power, eine Tochter der Reliance Energy, am Montag an der Börse in Bombay ein unerwartet schwaches Debüt gegeben. Das Wertpapier eröffnete bei der größten Emission in der Geschichte Indiens zunächst bei 440 indische Rupien und damit 2,2 Prozent unterhalb seines Emissionspreises von 450 indische Rupien. Nach einem schwankungsstarken Handel ging es schließlich mit einem Kursverlust von 17,2 Prozent mit einem Kurs von 372,5 Rupien aus dem Handel.

Diese Entwicklung spricht für sich. Niemand habe erwartet, dass das Wertpapier unterhalb des Ausgabepreises eröffnen werde, erklärte Deven Choksey, Managing Director von K.R. Securities, der Nachrichtenagentur Dow Jones. Er sprach von „großen Überraschung“, da die Anleger davon ausgegangen waren, Zeichnungsgewinne mitnehmen zu können. Immerhin waren solche in der Vergangenheit so regelmäßig angefallen, dass sich die Investoren schon daran gewöhnt hatten. Optimistische Analysten waren im Vorfeld der Erstnotiz davon ausgegangen, dass der Eröffnungskurs zwischen 550 indische Rupien und 600 indische Rupien liegen könnte.

Als Grund für das schwache Börsendebüt der Reliance-Aktie führte Choksey den generell schwachen Markt an, auf dem gegenwärtig eine nur geringe Nachfrage herrsche. Allerdings gibt es auch andere Argumente. Kritische Analysten erklärten, die Aktie sei „in höchsten Maße überbewertet“.

Aktien sind zum Teil deutlich überbewertet

Obwohl der Konzern noch keine Energie produziere und damit auch noch keine Einnahmen generiere und zudem in einer stark regulierten Branche agiere, betrage die Marktkapitalisierung von Reliance Power bereits 841,8 Milliarden indische Rupien. Beim Wettbewerber Tata Power, der bereits Kapazitäten von 3.000 MW besitzt, liegt die Marktkapitalisierung gerade einmal bei 256 Milliarden Rupien.

Reliance Power hatte den Emissionspreis für ihren Börsengang am oberen Ende der Preisspanne bei 450 indische Rupien je Aktie festgelegt. Mit einem Emissionserlös von 2,93 Milliarden Dollar war der Börsengang damit der größte in Indien jemals. Die 260 Millionen zum Verkauf angebotenen Aktien - die 10,1 Prozent des Kapitals entsprechen - waren zu Beginn der Zeichnungsfrist am 15. Januar innerhalb von 58 Sekunden vollständig gezeichnet worden. Insgesamt hatten Anleger Aktien im Wert von über 7,5 Billionen Rupien oder umgerechnet 130 Milliarden Dollar nachgefragt, womit die Erstnotiz beinahe 73 Mal überzeichnet war.

Den Emissionserlös plant der Energieversorger in die Entwicklung von sechs Kraftwerken zu stecken, die zwischen 2009 und 2016 gebaut werden sollen. Zudem sollen nach Angaben im Emissionsprospekt weitere Projekte verwirklicht werden, die die Bedienung der stetig steigenden Energienachfrage in Indien ermöglichen sollen. Solche Infrastrukturinvestitionen waren bei Anlegern in der Vergangenheit sehr beliebt und offensichtlich zu einer Mode geworden.

Da das Wachstum in China und Indien eine stark zunehmende Nachfrage nach Energie implizierte, waren Anleger lange Zeit bereit, für solche Werte einen hohen Preis zu zahlen. Dabei ist das Geschäft zumindest in Indien gar nicht so viel versprechend. Denn oft kommt es zu Verzögerungen bei geplanten Projekten, die Stromübertragungsverluste sind hoch und der Staat lässt Preiserhöhungen nur widerwillig und zögerlich zu. Kurzfristig kommt dazu die Bedenken, das Wachstum in Indien könnte nachlassen.

Insgesamt deuten einige Argumente darauf hin, dass die indische Börse aufgrund der ambitionierten Bewertungen bis auf weiteres konsolidieren wird. Daran dürfte sich erst etwas ändern, wenn der Risikoappetit wieder aufleben sollte.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @cri
Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen
25.05.2012 17:45 Uhr
  Vortag
Dax 6.339,94 +0,38%
 OK
25.05.2012
Name Kurs Prozent
DAX 6.339,94 +0,38%
FAZ-INDEX 1.377,69 −0,11%
TecDAX 752,47 +0,08%
MDAX 10.196,40 −0,34%
SDAX 4.817,28 +0,29%
REX 434,70 −0,15%
Eurostoxx 50 2.161,87 +0,25%
F.A.Z. EURO 69,61 +0,13%
Dow Jones 12.454,80 −0,60%
Nasdaq 100 2.527,05 −0,17%
S&P500 1.317,82 −0,22%
Nikkei225 8.580,39 +0,20%
EUR/USD 1,2515 −0,14%
Rohöl Brent Crude 106,90 $ +0,14%
Gold 1.569,50 $ +0,06%
Bund Future 144,35 € +0,25%