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Schwellenländer Chinesische Börsen neigen zur Schwäche

04.01.2005 ·  China beherrscht zwar die Wirtschaftsschlagzeilen. Die Börsen des Landes können allerdings nicht überzeugen. Denn die Sorge über eine „Flut“ neuer Aktien und der anhaltenden Intransparenz führt zu Kursverlusten.

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Das Wachstum in China und die damit verbundenen Phantasien und Seiteneffekte bestimmen nun schon seit Monaten die Schlagzeilen. Angefangen von steigenden Rohstoffpreise über rasant anziehenden Transportkosten bis hin zu Währungsspannungen werden die Argumente beinahe schon routinemäßig auf das bevölkerungsreiche Land zentriert.

Ließen sich Anleger davon mitreisen und investierten an den Börsen des Landes, so haben sie sich zumindest in den vergangenen drei Jahren damit keinen Gefallen getan. Denn zumindest die beiden Börsen in Shanghai und Shenzen gehörten mit Kursverlusten in den A-Indizes von knapp 50 und 55,6 Prozent zu den schlechtesten weltweit. Denn im Gegensatz zum großen Teil der restlichen Weltbörsen konnten sie keinen Aufwärtstrend etablieren oder ihn wenigstens nicht halten.

Shanghai Composite Index auf tiefstem Stand seit Juni 1999

Mit 1.242,77 Punkten hat der Shanghai Composite Index, der in Yuan denominierten A-Aktien und die in Fremdwährungen gehandelten B-Aktien zusammenfaßt, den tiefsten Stand seit dem Juni des Jahres 1999 erreicht. Der Index scheint damit technisch deutlich angeschlagen zu sein. Denn er ist aus einer im Jahr 2002 etablierten Handelsspanne zwischen 1.300 und 1.800 Punkten nach unter ausgebrochen.

Marktteilnehmer machen dafür die Tatsache verantwortlich, daß nach einem mehrmonatigen Stop bei Neuplazierungen an der Börse nun bald neue Werte an den Markt kommen könnten. Zeitungsberichte zitieren Quellen, nach welchen chinesische Unternehmen Mittel im Gegenwert von umgerechnet etwa zehn Milliarden Euro aufnehmen wollen.

Aus diesem Grund scheinen Anleger einerseits ihre Depots frei zu machen, um interessant Neuemissionen aufnehmen zu können. Auf der anderen Seite kommt aber auch die Furcht vor einer Flut neuer Werte an den Börsen auf. Denn sollte die Nachfrage mit dem Angebot nicht mithalten, könnte diese Entwicklung zu einem anhaltenden Preisdruck auf die Aktien führen. Das ist genau das Gegenteil dessen, was in vielen Märkten weltweit zu beobachten ist. Denn dort treiben hohe Geldmengen die Preise von Gütern und Wertpapieren nach oben, obwohl sie vielfach schon lange nicht mehr günstig sind.

Sorge über „Flut“ neuer Aktien und der anhaltenden Intransparenz

Aber das dürfte nicht alles sein. Denn das große Problem bei der Anleger in China besteht in der Intransparenz. Sie besteht sowohl in Bezug auf die volkswirtschaftliche Entwicklung - wer weiß schon genau, wie die regelmäßig gemeldeten Wachstumszahlen ermittelt werden -, als auch auf die einzelnen Unternehmen. Stellt sich die Frage der Vertrauenswürdigkeit bei vorgelegten Umsatz- und Ertragszahlen schon bei vielen westlichen Unternehmen, so dürfte das Problem in China noch deutlich ausgeprägter sein.

Darauf deutet alleine schon der jüngste Handelsskandal um Chinas größten Kerosinimporteur China Aviation Oil hin. Das Unternehmen, das noch im Oktober des vergangenen Jahres unter Federführung der Deutschen Banken neue Aktien an der Börse in Singapur plaziert hatte, verzockte“ Mittel im Wert von rund 410 Millionen Euro, ohne daß das aufgefallen wäre. Anleger erfuhren erst von den Verlusten, als das Unternehmen nicht mehr zu retten war. Die Aktie ist seit November des vergangenen Jahres vom Handel ausgesetzt.

"Die Unternehmen sind komplex strukturiert und ihre Buchhaltung wird nur unzuverlässig geführt. Damit wird eine sachliche und substantielle Analyse in einigen Tochterunternehmen sehr schwierig,“ lautete ein Kommentar der Ratingagentur Standard & Poor's. Aus diesem Grund dürfte es nicht wundern, wenn Anleger die chinesischen Werte kurz- bis mittelfristig kritisch betrachten und lieber auf Umwegen investieren. Sei es über Aktien „chinaorientierter“ Unternehmen in Australien, Hongkong oder den anderen umliegenden Staaten.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @cri
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