08.06.2005 · Die chinesischen Börsen verbuchten am Mittwoch massive Kursgewinne. Allerdings dürfte es sich um Spekulationen auf stützende Maßnahmen handeln. Denn die Trends zeigen nach wie vor nach unten und die Skepsis ist noch groß.
Mit zum Teil massiven Kursgewinnen machen am Mittwoch die chinesischen Börsen auf sich aufmerksam. Der relativ neue Shanghai-Shenzhen-Composite-Index legt 7,73 Prozent auf knapp 902 Punkte zu und überwindet dabei den bisher etablierten, aber noch kurzfristigen Abwärtstrend.
Die anderen Indizes verbuchen zum Teil noch deutlichere Gewinne. Der Shenzhen-A-Index legt beispielsweise um satte 8,41 Prozent auf 286,22 Punkte zu. Solche Kursgewinne hören sich im ersten Augenblick sehr positiv an. Um sie allerdings einzuschätzen und auch gleich zu relativieren, genügt ein Blick auf die Charts. Und die sehen nicht sonderlich prickelnd aus.
Trends an den chinesischen Börsen zeigen weiterhin nach unten
Denn die Trends der lokalen Indizes zeigen mittelfristig nach unten. So hat beispielsweise der Shenzhen-A-Index in den vergangenen vier Jahren knapp 64 Prozent verloren, bevor es am Mittwoch wieder einmal zu einer Gegenbewegung kam. Das heißt, die deutlichen Tagesgewinne am Mittwoch können das mittelfristig deutlich angeschlagene Bild des Marktes nur sehr bedingt verbessern.
Das widerspricht auf den ersten Blick möglichen Erwartungen, die angesichts der wirtschaftlichen Dynamik im Reich der Mitte mit einer boomenden Börse rechnen könnten. Wenn diese boomt, dann nicht an den Märkten im Mutterland, sondern in Hongkong. Dort hat der Hang Seng China Enterprise Index vom Oktober des Jahres 2002 bis in den Januar des vergangenen Jahres etwas mehr als 200 Prozent zugelegt und sich seitdem auf dem erreichten Niveau gehalten - wenn auch konsolidierend.
Hintergrund der divergierenden Entwicklung und des bisherigen Mißtrauens der Anleger gegenüber den chinesischen Börsen ist einerseits der Mangel an Transparenz bei vielen Unternehmen und andererseits die Furcht vor einer Angebotsflut, die die Balance zwischen Angebot und Nachfrage nach Aktien weiter verschlechtern könnte. Ein großer Teil der Aktien zahlreicher Unternehmen befindet sich in den Händen staatlicher Stellen oder anderer Institutionen. Sie kommen auf einen Anteil von zwei Dritteln an der gesamten Marktkapitalisierung des chinesischen Marktes.
Tagesgewinne: Wette auf regulierende Eingriffe der Behörden
Die Tagesgewinne am Mittwoch sind eine Wette darauf, daß die Regierung Maßnahmen ergreifen wird, um ein weiteres Abgleiten der Indizes nach unten zu verhindern. „Es ist eine politische Börse, die Anleger setzen auf die Regulierung des Marktes,“ sagte Fondsmanager Rico Cheung von China International Fund Management der Nachrichtenagentur Bloomberg.
Hintergrund dürfte auch die Sorge sein, die sowieso schon stark verschuldeten Wertpapierhändler und Banken des Landes könnten auf Grund weiter fallender Kurse noch mehr in die Bredouille geraten. Gleichzeitig würden eine Fortsetzung der negativen Kursentwicklung Pläne durchkreuzen, Anteile an staatlichen Unternehmen zu verkaufen, um damit die Finanzausstattung der unterversorgten Pensionskassen zu verbessern.
In der Vergangenheit wurden immer wieder Fonds aufgefordert, Aktien zu kaufen, um weitere Kursverluste zu vermeiden. Nun erhalten Unternehmen auch die Möglichkeit, eigene Aktien zurückzukaufen, um auf diese Weise den Ertrag je Aktie zu steigern und diese zumindest optisch attraktiver zu machen. Die Regierung bietet bei vereinzelten „Testverkäufen“ staatlicher Aktien mittlerweile auch Kompensationen an.
Insgesamt dürfte es allerdings ratsam sein, die weitere Entwicklung in China selbst mit einer gewissen Skepsis zu betrachten, bis sich charttechnisch so etwas wie eine Bodenbildung oder gar eine Wende zum Besseren abzeichnet. So lange selbst im Ausland gehandelte Unternehmen wie China Aviation Oil ohne Vorwarnung von heute auf morgen Verluste von 550 Millionen Dollar offenlegen und daran Pleite gehen können, dürfte der Markt nur für nervenstarke Anleger geeignet sein. Auch die geopolischen Spannungen zwischen China und Japan sind nicht gerade ermutigend.
Mit einem Kurs-Gewinnverhältnis (KGV) von 18,9 auf Basis der ausgewiesenen Gewinne und einer Dividendenrendite von 2,3 Prozent ist die Börse in Schanghai zudem nicht sonderlich preiswert. Auch diesbezüglich sieht der Hang Seng China Entreprise Index attraktiver aus. Dort liegt das KGV bei 10,5 und die Dividendenrendite bei drei Prozent.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |