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Schwellenländer Chinas Wirtschaftskraft treibt auch die Börse an

18.07.2006 ·  Die chinesische Börse ist in den vergangenen Monaten in Schwung gekommen. Aufgrund der Wachstumsgeschichte des Landes sollte sie weitere Kursphantasie bieten. Allerdings sollten die Risiken nicht übersehen werden.

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Nach mehreren Jahren mit einer unterdurchschnittlichen Kursentwicklung ist die chinesische Börse in den vergangenen Monaten in Schwung gekommen. So hat der Shanghai Composite Index seit einem Jahr rund 70 Prozent zugelegt und dabei auch den im Jahr 2001 etablierten Abwärtstrend überwunden.

Rein charttechnisch deutet das auf weitere Kursgewinne hin. Auch fundamental scheint zunächst vieles dafür zu sprechen. Immerhin ist Chinas Wirtschaftsleistung im zweiten Quartal des laufenden Jahres um 11,3 Prozent und damit so stark wie seit über einem Jahrzehnt nicht gewachsen. Starkes Wachstum bringt man in der Regel in Verbindung mit zunehmenden Unternehmensgewinnen und vor allem auch mit zunehmenden Gewinnen.

Anhaltende Investitionen in Produktionsanlagen und Immobilien

Ob das auch in China so ist, wird sich erst noch zeigen müssen. Denn im Unterschied zu vielen anderen Wirtschaftssystemen ist das chinesische nicht primär marktwirtschaftlich orientiert und es ist vor allem auch nicht sonderlich transparent. Das gilt auch für die Unternehmensbilanzen.

Triebfeder des Wachstums waren Investitionen in Produktionsanlagen und Immobilien. Und das ist nur bedingt ein gutes Zeichen. Denn aufgrund der zu starr an den Dollar gebundenen, unterbewerteten Währung in Verbindung mit tiefen Löhnen erzielt China massive Exportüberschüsse, hortet aus diesem Grund immer gigantischer werdende Devisenreserven, die das Land nur so mit billigem Geld überschwemmen. Vieles deutet darauf hin, daß es in die falschen Bereiche fließt und zu Überkapazitäten führt.

So etwas geht langfristig nicht gut. „Ein Wirtschaftsmodell, das auf überzogenen Anlageinvestitionen und exzessivem Export beruht, ist nicht nachhaltig“, erklärte denn auch Zheng Jingping, Sprecher der Staatlichen Statistikbehörde in Beijing der Nachrichtenagentur Bloomberg. Er ergänzt, „die Regierung wird ein wachsames Auge auf den Inflationsdruck haben.“ Der Wachstumsbericht stärkte Spekulationen, die chinesische Zentralbank werde den Leitzins ein zweites Mal in diesem Jahr erhöhen. Sie dürfte zudem verstärkt darauf drängen, daß die Banken die Kreditvergabe in der am schnellsten wachsenden großen Volkswirtschaft der Welt beschränken. Auch für den Yuan ist eine stärkere Aufwertung denkbar.

Dies würde die Exportnachfrage dämpfen und auf diese Weise den Geldzufluß ins Reich der Mitte drosseln und damit die Investitionen in Fabriken und in den Immobiliensektor. Es werde für die Behörden schwer, den Konjunkturmotor effektiv abzukühlen, ohne das Grundproblem der überschüssigen Liquidität anzugehen, sagen viele Experten. Und das sei das Resultat des Wechselkursregimes. Allerdings sträuben sich Regierungsvertreter trotz massiven Drucks aus dem Ausland dagegen, da eine stärkere Währung die Gewinne der chinesischen Exporteure gefährden würde.

Selektion dürfte an der Börse ratsam sein

Die Ratingagentur Standard & Poor's hatte im Juni berechnet, daß eine Aufwertung des Yuan um 25 Prozent und ein Anstieg der Leitzinsen um zwei Prozentpunkte die Unternehmensgewinne um ein Drittel senken würde, sofern die Unternehmen überhaupt welche erzielen. Bislang hat China den Yuan nur um 1,3 Prozent gegenüber dem Dollar zulegen lassen, seit die direkte Koppelung an die amerikanische Währung im Juli 2005 abgeschafft wurde.

Allerdings scheint die chinesische Verwaltung alles zu versuchen, um einen größeren Währungsschnitt zu vermeiden. Dazu gehörte unter anderem auch die Liberalisierung - mehr In- und Ausländer können chinesische Aktien kaufen ald früher - der Börsengeschäfte, um auf diese Weise zumindest einen Teil der überschüssigen Liquidität abführen zu können. So dürfte es kaum verwundern, daß ein staatliches Unternehmen nach dem anderen privatisiert und kotiert wird. Nun zeichnet sich sogar der größte Börsengang der Welt ab: Die Industrial and Commercial Bank of China, die größte Bank des Landes, will zeitgleich in Hongkong und Schanghai an die Börse gehen.

Ausgehend von der Wachstumsgeschichte des Landes sollte die Börse grundsätzlich Kursphantasie bieten. Allerdings dürfte es ratsam sein, die Investitionen genau zu selektieren, die Auswahl mit dem Kauf eines etablierten Fonds den Profis zu überlassen und die Anlagebeträge zu beschränken. Denn mit durchschnittlichen Kurs-Gewinnverhältnissen von 20 bis 36 sind die Aktien des Landes auf dieser Basis in Verbindung mit der bedingten Transparenz nicht gerade günstig. Auch die denkbaren Probleme sind nicht zu übersehen, falls es nicht gelingen sollte, rechtzeitig und nachhaltig vom Exportgeschäft auf die Binnennachfrage umzuschalten.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @cri
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