18.05.2010 · Chinas Börsenkurse sind aus einer Konsolidierungsbewegung nach unten ausgebrochen. Skeptiker fürchten das Platzen einer Immobilienblase. Die Bau- und Immobilienbranche hat bis zu 60 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt beigetragen.
China hat in den Monaten der Krise die Hoffnungen der internationalen Anleger auf sich gezogen. Ein gigantisches Stimulationsprogramm hat die Wirtschaft des Landes beflügelt und indirekt über eine starke Nachfrage nach Energie und Rohstoffen sowie nach Importwaren aller Art die Weltkonjunktur angekurbelt.
Genau das beflügelte Kursphantasie vieler Anleger weltweit. Der Shanghai Stock Exchange Composite Index konnte von November des Jahres 2008 bis in den August des Jahres 2009 um bis zu 100 Prozent zulegen. China habe sich von der schuldenindizierten Malaise der Industriestaaten abgekoppelt. Das bevölkerungsreiche Land werde zusammen mit den asiatischen Nachbarn nachhaltig wachsen können, hieß es damals gemeinhin optimistisch. Viele Strategen und Börsenbriefe rieten im Rahmen der damaligen Euphorie zum Kauf chinesischer Aktien.
Chinas Börsenkurse sind aus einer Konsolidierungsbewegung nach unten ausgebrochen
Dabei gingen die Kurse unmittelbar danach zunächst in eine Konsolidierungs- und neuerdings gar in eine Korrekturbewegung über. Nach massiven Kursverlusten in den vergangenen Tagen liegt der Shanghai Composite 26 Prozent unter dem im vergangenen Jahr erreichten Zwischenhoch. Zumindest der kurzfristige Trend zeigt weiter nach unten, während inzwischen viele Indikatoren auf das Nachlassen des künstlich mittels extrem lockerer Geld- und Fiskalpolitik erzeugten Booms hinweisen.
Im Immobilienbereich, der für rund 60 Prozent des chinesischen Wachstums verantwortlich war, deuten sich sogar krasse Fehlentwicklungen an. So sind die Immobilienpreise im vergangenen Jahr bei zunehmendem Angebot stark gestiegen, während die Nachfrage zuletzt deutlich zurückging. Das dürfte Skeptiker bestätigen, die schon länger argumentierten, China habe zu stark und zu einseitig in Immobilien und den Exportsektor investiert, statt den Binnenkonsum genügend zu beflügeln. Die zu niedrigen Zinsen und die hohe Geldmenge habe die Land- und Häuserpreise in weiten Teilen des Landes auf unglaubliche Höhen getrieben und Unternehmen eher zu Spekulationen am Immobilien- und Aktienmarkt als zu Investitionen bewegt. Zudem hätten viele Provinzen des Landes unkontrolliert zu viele Kredite für Projekte aufgenommen, die sich nie rechnen könnten.
Immer mehr verwiesen auf den durchwachsenen Kursverlauf der chinesischen Börse in den vergangenen Monaten und die geldpolitischen „Straffungsmaßnahmen“, die die chinesische Zentralbank wegen anziehender Inflationsraten, der offensichtlichen Überhitzung der Immobilien- und Aktienmärkte und der zunehmenden Diskussionen über die Koppelung der Währung an den Dollar sowie über die Höhe der Währungsreserven in den vergangenen Wochen eingeleitet habe.
Chinas Zentralbank und Regierung versuchen zu bremsen
Tatsächlich hat die Peoples Bank of China nicht nur den Mindestreservesatz, der die Kreditvergabe der Banken einschränken soll, mehrfach auf zuletzt 17 Prozent erhöht, sondern auch das Geldmengenwachstum gebremst. Alleine die Anhebung des Mindestreservesatzes werde bis zu 300 Milliarden Yuan einfrieren, die zuvor noch zur Kreditvergabe zur Verfügung gestanden hätten, hieß es damals. Zudem habe die Zentralbank in den vergangenen zehn Wochen durch Offenmarkt-Operationen 1,1 Billionen Yuan aus dem Markt genommen. Die chinesische Regierung hat in der vergangenen Woche zudem die Aufnahme von Krediten für den Kauf von Dritthäusern verboten und die Hypothekenzinsen sowie die notwendigen Anzahlungen für den Kauf von Zweithäusern erhöht. Die notorisch zu tiefen Zinsen wurden bisher nicht erhöht, manche Strategen rechnen jedoch auch damit.
Immer mehr Anleger fragen sich, ob China sich wirtschaftspolitisch nicht verkalkuliert habe. Sie blicken zudem auf die Entwicklung der Schuldenkrise in Europa und befürchten, notwendige Sparmaßnehmen könnten dort die wirtschaftliche Entwicklung dämpfen und auf diese Weise die Nachfrage nach chinesischen Exportgütern zurückgehen lassen. Sollte sich diese Befürchtung bestätigen, so würde sich die Wirtschaft Chinas schwächer entwickeln als gemeinhin angenommen. Schon jetzt hat die Investmentbank China International Capital die Wachstumsprognosen von bisher 10,5 auf 9,5 Prozent gesenkt.
Das hätte negative Folgen für Rohstoffstaaten wie Australien, Kanada oder auch Brasilien. Da ihre Produkte weniger gefragt wären. Möglicherweise würde aber auch die Nachfrage nach Industriegütern aus Europa und den Vereinigten Staaten nachlassen. Immerhin werden die Vereinigten Staaten in den kommenden Jahren mit ähnlichen Problemen wie Europa konfrontiert werden. Immerhin sind die Steuereinnahmen extrem tief, während die Ausgaben bei explodierenden Staatsschulden sehr hoch sind. Das heißt, auch dort muss gespart und müssen Einnahmen (Steuern?) erhöht werden. Auf diese Weise würde auch hier die Nachfrage nach chinesischen Exportgütern gebremst werden.
Kapitalzufluss
Klaus Dieter (Leser2009)
- 18.05.2010, 06:10 Uhr
Es sprang der chinesische Tiger und landete...
Jürgen Becker (Obergeheimrat)
- 18.05.2010, 23:00 Uhr
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |