06.08.2009 · Die Kurse an der chinesischen Börse haben sich in den vergangenen Monaten verdoppelt, der Trend zeigt weiterhin nach oben. Die „Letzten beißen allerdings die Hunde“, heißt es und der Immobilienmarkt des Landes sei zudem extrem überbewertet.
Die Kursentwicklung an den chinesischen Börsen in den vergangenen Monaten war phänomenal: Der Shanghai Stock Exchange Composite Index hat sich seit November des vergangenen Jahres etwas mehr als verdoppelt, bevor er nun gewisse Konsolidierungszeichen offenbart.
Diese müssen allerdings nicht allzu viel bedeuten. Denn die Kursentwicklung an den chinesischen Börsen wird noch weniger von der fundamentalen Entwicklung des Landes bestimmt als in anderen Märkten. Verantwortlich für den Kursauschwung in den vergangenen Wochen waren eine riesiges Konjunkturprogramm im Wert von mehr als 500 Milliarden Euro, das im Rahmen einer Kommandowirtschaft rasch umgesetzt werden kann.
Lockere Geldpolitik beflügelt überteuerten Immobilienmarkt, die Börsen und die Rohstoffpreise
Dazu kam eine extrem lockere Geldpolitik, in deren Rahmen die Banken des Landes die Kreditvergabe mit hohen Wachstumsraten ausdehnten. Ein Teil dieser Gelder floss in Investitionen, die allerdings zu einem Teil in die weitere Expansion eines strukturell längst überdimensionierten und mit einer tief gehaltenen Währung subventionierten Exportsektors gingen.
Ein großer Teil fand jedoch auch seinen Weg an die Immobilien-, Rohstoff- und Finanzmärkte und führte dort zusammen mit dem Zufluss „heißer Gelder“ aus dem Ausland, zu tiefen Zinsen im Binnenmarkt und einem unterbewerteten Yuan zu einem deutlichen Preis- und Kursauftrieb. Die massiven Rohstoffimporte Chinas im ersten Quartal sind inzwischen legendär, während die Immobilien- und Aktienmärkte viel zu teuer geworden sind. „Ich denke, die chinesischen Aktien und Immobilien sind zwischen 50 und 100 Prozent überbewertet,“ erklärt Andy Xie. Er war noch bis vor wenigen Monaten Chefökonom von Morgan Stanley für die asiatische Region, bevor er aus china-kritischen Gründen gegangen wurde.
Die chinesischen Vermögensmärkte seien längst zu einem riesigen Ponzi-System geworden, im welchem die Marktteilnehmer beim Kauf zu überhöhten Preisen nur noch darauf spekulierten, später noch teurer verkaufen zu können, erklärte Xie. Diese Preis- und Kursblase könne noch eine Weile vor sich hin „blubbern“, werde allerdings spätestens dann platzen, wenn inflationäre Tendenzen die amerikanische Zentralbank zu einer restriktiveren Zinspolitik zwinge.
Spätestens dann werde ein großer der Teil der Überschussliquidität in China abfließen, während der Dollar zyklisch aufwerten könne. Was sich derzeit dort abspiele sei nichts anderes als das, was sich in anderen Schwellenländern in der Vergangenheit immer wieder gezeigt habe. Auch die chinesische Regierung selbst könne geneigt sein, etwas geld- und fiskalpolitischen Dampf abzulassen. Denn sonst hätte sie keine „Munition“ mehr um die chinesische Wirtschaft zu stabilisieren, sollte sich die Weltwirtschaft nicht dynamisch erholen und die Exportnachfrage nicht anziehen.
Chinesische Börse: Die Letzten beißen die Hunde
Wer Kurs- und Preisblasen identifizieren wolle, müsse nur die Bewertung betrachten. Im chinesischen Immobilienmarkt liege der landesweite Durchschnittspreis pro Quadratmeter in etwa auf dem amerikanischen Niveau. Dagegen sei das Pro-Kopf-Einkommen in den Vereinigten Staaten etwa sieben Mal so groß wie in China. Um einen Quadratmeter einer Immobilie erwerben zu können, müsse der Durchschnittschinese etwa drei Monate arbeiten - ein extremes Verhältnis, das es sonst nirgendwo gebe auf der Welt.
Viele Immobilien könnten nicht gemietet werden. Und wenn, dann liege die Bruttorendite vor Abschreibungen bei etwa drei Prozent. Das heißt, chinesische Immobilien seien im punkto Renditeüberlegungen nicht nur reizlos, sondern sogar gefährlich. Denn im Gegensatz zur allgemeinen Erwartung, nach welcher die Preise nur nach oben gingen, fielen sie in den Jahren 1995 bis 2001 dramatisch, als der Dollar aufwertete.
Die Börse dagegen befinde sich in der letzten Phase einer heißen Spekulation. Zuletzt seien jene Kleinanleger in den Markt gezogen worden, die davon träumten, über Nacht reich zu werden. Das jedoch sei genau die Anlegerschicht, die immer verlöre, weil sie immer zu spät komme. Sei es auf dem Weg nach oben oder nach unten.
Insgesamt scheint es nur eine Frage der Zeit zu sein, bis die Phantasie der globalen Spekulation intensiver als bisher auf andere Märkte ausweicht. An anderen Börsen weltweit und vor allem auch am Energiemarkt sind ihre Effekte kaum noch zu übersehen.
Völlig richtig - und bald zu erwarten,
Karl-Heinz Andresen (khaproperty)
- 10.08.2009, 16:45 Uhr
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |