Der Sri Lanka Stock Market Colombo All-Share Index hat seit März des vergangenen Jahres 280 Prozent zugelegt und markiert seit einem Jahr bei zunehmender Eigendynamik ein neues Rekordhoch nach dem anderen. Die Entwicklung des Jakarta Stock Price Index sieht ähnlich aus, während europäische Anleger bei Aktieninvestitionen in Indonesien noch zusätzliche Währungsgewinne einfahren konnten, da die indonesische Rupie in den vergangenen eineinhalb Jahren den vorhergehenden Abwertungstrend gebrochen und zwischenzeitlich bis zu 47 Prozent gegen den Euro aufwertete.
Satte Kursgewinne an der Börse in Sri Lanka
In Sri Lanka konnte die Aktien von Unternehmen wie der Lanka Orix Leasing Company, Dankotuwa Porcelain, dem Geflügelproduzenten Bairaha Farms, People's Leasing, dem Fahrzeughandels- und Reparaturunternehmen Diesel & Motor Engineering, Lb Finance, Hotel Reefcombe, dem Palmplantageunternehmen Bukit Darah oder der Colombo Fort Land & Building Company in diesem Zeitraum Kursgewinne zwischen 900 und 1.700 Prozent verzeichnen. Die Trends dieser Papiere zeigen mit so unheimlicher Dynamik nach oben, dass eine überhitzte Entwicklung nahe zu liegen scheint.
Tatsächlich lässt der nähere Blick auf die Fundamentaldaten dieser Unternehmen eine gewisse Skepsis aufkommen. Nicht bei allen kann die Umsatzentwicklung überzeugen, während vor allem bei den Leasingunternehmen die Gewinnentwicklung kritische Fragen aufkommen lassen kann. Dagegen zeigt die Erlöskurve bei Bairaha Farms im Trend nach oben, die Gewinne konnten in den vergangenen Quartalen deutlich gesteigert werden und die Bewertung sieht noch außerordentlich günstig aus.
Tatsächlich ist es allerdings nicht einfach, in Sri Lanka zu investieren, da die meisten Werte nur an den lokalen Börsen gehandelt werden und nur größeren Fonds zugänglich sind. Dort jedoch dürfte ihre Bedeutung kaum ins Gewicht fallen. Auf der anderen Seite scheint sich die Wirtschaft des Landes von der Krise erholt zu haben. Das Wirtschaftswachstum lag im ersten Quartal bei 7,1 Prozent und erreichte mit 644 Milliarden Rupien einen Rekordwert. Der Agrarbereich wuchs um 14 Prozent, die Industrie um 28,4 Prozent und der Dienstleistungsbereich sogar um kapp 58 Prozent. Im zweiten Quartal rechnet der Markt mit einem Wachstum von 6,5 Prozent. Der Preisauftrieb hält sich mit knapp fünf Prozent im Rahmen, obwohl die Zentralbank den Leitzins von 10,5 Prozent noch zu Beginn des vergangenen Jahres auf zuletzt 7,25 Prozent gesenkt hat. Zinssenkungen mögen zur wirtschaftlichen Dynamik beitragen, während die Staatsverschuldung von 86 Prozent des Inlandsproduktes noch im vergangenen Jahr nicht unbedenklich ist.
Viele bisher gut laufende indonesische Aktien sind auch an deutschen Börsen gelistet
In Indonesien konnten in den eineinhalb Jahren Aktien wie die des Futtermittelherstellers Charoen Pokphand Indonesia, des Backwarenherstellers Mayora Indah, des Kautschukunternehmens Gajah Tunggal, des Zigarettenherstellers Gudang Garam oder auch des Schwergerätehändlers Hexindo Adiperkasa Kursgewinne zwischen 670 und 1.500 Prozent verzeichnen. Auch hier zeigen die Trends deutlich nach oben, während die Unternehmen operativ selektiv einen guten Eindruck bei vernünftiger Bewertung hinterlassen. Viele der zumindest bisher sehr gut laufenden Aktien sind auch in Deutschland direkt handelbar und können risikofreudige Anleger dazu bringen, sie ihren Depots beizumischen.
Die Wirtschaft Indonesiens scheint von der Wirtschafts- und Finanzkrise kaum beeinflusst worden zu sein. Das Wachstum lag im zweiten Quartal bei 6,2 Prozent. Die Exporte erholten sich schnell und lagen im zweiten Quartal wieder auf dem Rekordniveau der Vorkrisenzeit. Die Inflationsrate hat in den vergangenen Monaten zwar etwas angezogen, lag aber im August mit 6,4 Prozent im Rahmen der vergangenen Jahre und auf dem Niveau des Leitzinses. Dem Land flossen in den vergangenen Jahren massive Mittel aus dem Ausland zu, was nehmen der dynamischen Entwicklung der vergleichsweise jungen Bevölkerung zum Boom an der Börse des Landes beitragen dürfte.
Insgesamt scheint vor allem der indonesische Markt risikofreudigen Anlegern zumindest in einem panikfreien Umfeld weitere Reize zu bieten, auch wenn hyperbolische Kursentwicklungen nicht selten auf eine kurzfristige Überhitzung hindeuten.
Schwellenländer
Werner Eickhoff (WernerEickhoff)
- 16.09.2010, 10:56 Uhr