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Schwellenländer An der türkischen Börse rennen die Bullen

07.10.2003 ·  Türkische Aktien befinden sich auf Haussepfad. Seit Anfang September sind sie um fast 40 Prozent gestiegen und jetzt rückt sogar das Rekordhoch in Reichweite. Zuvor wäre aber eine Verschnaufpause wünschenswert.

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Die im Vorjahr abgehaltenen türkischen Parlamentswahlen sind gültig. Dieses Gerichtsurteil in Reaktion auf eine Annullierungs-Klage der Opposition verstärkte am dortigen Aktienmarkt die ohnehin schon vorhandene Jubelstimmung.

Dank der damit unterbundenen Gefahr von Neuwahlen, welche die Verhandlungen mit dem Internationalen Währungsfonds und die erhofften Reformen gestört hätten, schnellte der National 100 Index am Montag um elf Prozent nach oben. Und am Dienstag legt der National 100 Index mit plus 2,6 Prozent auf 16.134 Punkte im Eröffnungsgeschäft weiter nach.

Dieses Kursniveau ist gleichbedeutend mit dem höchsten Stand seit über drei Jahren. Und charttechnisch gesehen ist damit der aus dem Jahr 2002 resultierende wichtige Widerstand bei knapp 14.900 Punkten überwunden, womit jetzt der Weg frei zu sein scheint für einen Angriff auf das im Jahr 2000 markierte Rekordhoch von 19.577,20 Punkten.

Warten auf die dringend notwendige Konsolidierung

Allerdings würden sich Marktexperten nach den zuletzt starken Kurssteigerungen zur Vermeidung von Übertreibungen nun zunächst eine Verschnaufpause wünschen. Schließlich steht beim ISE National 100 Index seit Jahresbeginn schon ein Anstieg von 57 Prozent zu Buche und alleine seit Anfang September ging es mit dem Index um fast 40 Prozent voran.

„Die Bullen sind am Rennen“, lautet angesichts dieser Bilanz das treffende Fazit von Mike Bayer, der es mit seinem Türkei 75 Plus Fonds seit 1. Januar auf einen Wertzuwachs von 53 Prozent gebracht hat. Damit den Bullen nicht irgend wann die Luft ausgeht, wäre es laut Beyer hilfreich, wenn der Markt jetzt erst einmal auf einen längeren Konsolidierungskurs einschwenken würde. „Eine Korrektur ist auch deshalb wünschenswert, weil sonst wieder einmal das für den türkischen Markt typische Überschießen droht“, erklärt Bayer.

Diese kurzfristige Haltung, die dazu führt, daß Bayer derzeit seine Positionen im Fonds etwas zurückfährt, ändert aber nichts an seiner grundsätzlich konstruktiven Einstellung zum türkischen Aktienmarkt. „Wenn die Politik mitspielt, sind mittel- und langfristig durchaus neue Rekordkurse drin“, so sein Urteil.

Deutliche Entspannungssignale, aber Restrisiken bleiben

Was der Türkei derzeit fundamental hilft, ist der leichter gewordene Zugang zum dringend benötigten Kapital. Dazu tragen eine geringere Risikoaversion der Anleger, eine Kreditzusage in Höhe von 8,5 Milliarden Dollar der Amerikaner als Gegenleistung für die im Irak-Krieg geleistete Hilfe und die fallenden Zinsen bei. „Derzeit sieht alles nach Entspannung aus. Eine neue Krise zeichnet sich jedenfalls momentan nicht ab“, faßt Bayer die Lage zusammen.

Ein Restrisiko bleibt bei historisch volatilen Aktienmärkten wie dem türkischen aber natürlich immer bestehen. So kann irgend wann die Glückssträhne auch wieder abreißen und sei es nur, weil populistische Politiker im Wahlkampf den Staatssäckel zu sehr aufmachen. Das längst noch nicht alle Probleme gelöst sind, zeigt sich auch daran, daß die Rendite im einjährigen Laufzeitenbereich trotz bereits stark gesunkener Sätze noch immer bei rund 33 Prozent liegt. Für die Wirtschaft und die Unternehmen ist das noch immer eine Bürde, die allerdings dann verwaltbar erscheint, wenn wie zuletzt die Weichen richtig gestellt werden.

Wer als Anleger auf diese Karte setzen will, dem bleibt angesichts der geringen Umsätze und der hohen Differenzen zwischen Ankauf- und Verkaufkursen bei den hierzulande gehandelten Aktien aber nichts anderes übrig als auf Türkei-Fonds zu setzen. So wird Bayers Topfavorit überhaupt nicht in Deutschland gehandelt. Dabei handelt es sich um die Versicherung Aksigorta, deren gut laufenden operativen Geschäfte ein Investor umsonst erhält, da die Marktkapitalisierung praktisch durch den Wert der an Akbank gehandelten Anteile abgedeckt ist.

Der Chart zeigt die Entwicklung des ISE-National 100 Index.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @JüB
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