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Schweizer Aktien Relative Stärke ist beeindruckend

26.02.2010 ·  Ganz Europa wird vom europäischen Einigungsgedanken beherrscht? Nein. Ein kleines Land in der Mitte Europas widersetzt sich seit langer Zeit erfolgreich fast allen Vereinnahmungsversuchen. Auch die Börse des Landes floriert.

Von Wieland Staud
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Ganz Europa wird vom europäischen Einigungsgedanken beherrscht? Nein. Ein kleines Land in der Mitte Europas widersetzt sich seit langer Zeit erfolgreich fast allen Vereinnahmungsversuchen. Dominiert von hohen Bergen, tiefen Seen und einer beeindruckenden Sprachvielfalt, haben sich die Bewohner dieser Region eine Eigenständigkeit bewahrt, die vor allem dann, wenn es rundherum stürmt und braust, vielerorts sehr geschätzt wird.

Jedenfalls lässt sich gerade die jüngste Entwicklung des Schweizer Aktienindex SMI kaum anders deuten. Während der Euro Stoxx 50 seit seinem Jahreshoch deutlich mehr als 10 Prozent verloren hat, konnte sich der SMI nach einer äußerst moderat ausgefallenen Konsolidierungsphase schnell wieder berappeln und zu Wochenbeginn sogar ein signifikantes neues Erholungshoch erzielen.

Der Schweizer SMI zeigt Kursdynamik nach oben

Der SMI befindet sich anders als Dax oder Dow Jones weiterhin in einem unangefochtenen Aufwärtstrend. Während die anderen Indizes sich bereits vor Wochen in breit angelegte Korrekturphasen verabschiedet haben und sich auch schon in mittelfristig angelegten Abwärtstrends befinden könnten, laufen die Dinge in der Schweiz mal wieder ganz anders und zumindest mit Blick auf deren wichtigsten Aktienindex auch sehr viel besser. Die Wahrscheinlichkeit dafür, dass sich diese Entwicklung in der überschaubaren Zukunft fortsetzen wird, ist groß.

Es sind vor allem diese Trends der relativen Stärke, die nicht einfach heute kommen und morgen gehen. Im Regelfall sind sie äußerst stabile Erscheinungen, denen man noch weniger als den absoluten Trends vorzeitig ihr Ende verkünden darf. Es ist deshalb davon auszugehen, dass der SMI seinen Aufwärtstrend fortsetzen und weitere neue Erholungshochs erzielen wird. Kurse bis in Bereiche um 7100 Punkte und im bestmöglichen Fall sogar bis in Bereiche um 7750 Punkte scheinen momentan in Reichweite zu sein. Am Donnerstag stand der Index auf rund 6650 Punkten.

Natürlich werden sich auch Aktien wie Nestlé, Novartis und Credit Suisse einer weiteren weltumspannenden Krise an den Märkten nicht dauerhaft entziehen können. Aber momentan spricht auch für einen solchen Fall viel dafür, dass sie sich dabei unter dem Strich besser aus der Affäre ziehen werden als ihre Pendants in den Euro-Ländern. Einen nicht ganz unwesentlichen Beitrag zu der wirklich erstaunlichen Entwicklung des SMI könnte auch die Stärke des Franken und die damit verbundene Schwäche des Euro geleistet haben. Zwar ist der Euro mittlerweile mit Kursen um 1,46 Franken im Bereich einer ausgeprägten Unterstützung angekommen, von der aus eine temporäre Erholung zumindest nicht ausgeschlossen werden muss. Aber gerade weil sich zwischen 1,44 und 1,46 Franken eben auch die bisherigen historischen Tiefstwerte des Euro befinden, wagt der Euro gerade den Tanz auf einer Rasierklinge.

Dax: Fortsetzung der Korrekturphase wahrscheinlich

Jeder Kurs unter dieser Unterstützungszone könnte der Auftakt zu einer beispiellosen Implosion der europäischen Gemeinschaftswährung werden und den Euro im schlimmsten Fall langfristig sogar bis in den Bereich der Parität führen. Momentan besteht zwar noch eine gewisse analytisch berechtigte Hoffnung, dass zumindest dieser GAU ausbleibt. Aber gerade mit Blick auf die Entwicklung, die der Euro auch gegenüber dem Dollar in den vergangenen beiden Monaten genommen hat, wäre es schlicht fahrlässig, ein solches Szenario völlig aus den Augen zu verlieren oder es gar bewusst abzulehnen. Der Euro wird wenigstens in den nächsten Monaten ein echter Krisen- und Wackelkandidat bleiben.

Der Dax hat zwar in den vergangenen beiden Wochen seine technisch ableitbaren Erholungschancen genutzt und unter dem Strich ein paar Punkte hinzugewonnen. Nach wie vor besteht auch die Chance, dass er sich kurzfristig ein weiteres Mal aufraffen und dabei sogar neue Erholungshochs von mehr als 5744 Punkten erzielen wird. Am Donnerstagnachmittag lag der Index auf 5540 Punkten. Aber gerade die analytisch wenig erbaulichen Konsequenzen des schwachen Starts in diese Woche zeigen sehr deutlich, auf welch tönernen Füßen diese kleine Rally gegenwärtig steht. Alles andere als eine Fortsetzung der einst Mitte Januar bei rund 6100 Punkten begonnenen Korrekturphase käme deshalb einer kleinen analytischen Sensation gleich.

Spätestens in Bereichen um 5850 Punkte dürfte den Optimisten die Kraft wieder ausgehen und die Bären übernehmen wieder das Ruder und drücken den Dax in die Unterstützungszone zwischen 5050 und 5300 Punkten. Dort wird sich dann das langfristige Schicksal des Dax entscheiden. Bliebe zum Schluss noch der Blick auf Gold. Die Feinunze hat wahrscheinlich mit Kursen um 1050 Dollar die Tiefstkurse der Korrektur durchschritten und nun den langfristigen Aufwärtstrend wiederaufgenommen. Am Donnerstag kostete die Feinunze 1090 Dollar. Das minimale Kursziel für das gelbe Krisenmetall bleibt unverändert bei 1400 Dollar. Dieses Niveau wird zwar kaum in einem Rutsch, sondern wohl vielmehr unter erheblichen Schwankungen erreicht werden. Aber bis zum nächsten langen kalten Winter sollte es auf jeden Fall erreicht worden sein.

Der Autor leitet die Staud Research GmbH in Bad Homburg.

Quelle: F.A.Z.
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Eurostoxx 50 2.161,87 +0,25%
F.A.Z. EURO 69,61 +0,13%
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