Auf den ersten Blick erscheint das Geschäft mit Warenprüfungen und Zertifizierungen langweilig. Doch läßt sich damit gutes Geld verdienen. Das zeigt regelmäßig der Schweizer Konzern Société Générale de Surveillance (SGS). Das vergangene Jahr bildete da keine Ausnahme. Im Gegenteil: Der Gewinn des Warenprüf- und Inspektionskonzerns hat um 33,5 Prozent auf 371 Millionen Franken oder auf 47,56 Franken je Aktie und damit stärker als von Analysten erwartet zugenommen.
Das ist an sich schon eine gute Nachricht. Aber SGS liefert weitere hinzu: So fällt die Dividende erheblich höher aus als gedacht. Zudem zahlt der Konzern den Aktionären Geld zurück, indem er den Nennwert der Aktie senkt. Daraus errechnet sich eine Dividendenrendite, die dreimal so hoch ist wie erwartet. Nicht zuletzt wird der Ausblick auf das begonnene Jahr von Analysten als sehr gut bewertet.
Diese Gemengelage sollte der Aktie dienen. Zumal der Trend stimmt und der Titel für 2006 günstiger bewertet ist als für das vergangene Jahr. Am Montag erreichte die Notiz an der Heimatbörse mit einem Plus von 1,3 Prozent den Rekordkurs von 1.165 Franken - insofern haben die Anleger, die den Titel eingebucht haben, ein gutes Näschen bewiesen. Am Dienstag baut die Notiz mit einem Plus von 2,9 Prozent auf 1.199 Franken ihr Rekordhoch aus und steigt gegen den allgemeinen Tagestrend.
Gewinn um gut ein Drittel gesteigert
Der Umsatz stieg um 14,7 Prozent auf 3,308 Milliarden Franken, teilte der in Genf ansässige Konzern am Dienstag mit. Der operative Gewinn verbesserte sich um 27,7 Prozent 502 Millionen Franken. Von Reuters befragte Analysten hatten im Durchschnitt einen SGS-Gewinn von 362 Millionen prognostiziert. Der Umsatz war auf 3,236 Milliarden Franken geschätzt worden.
Der Konzern verdient unter anderem sein Geld damit, über Ebay verkaufte Autos zu prüfen oder Konsumgüter wie Nutella unter die Lupe zu nehmen. Er profitierte im abgelaufenen Jahr vom weiter wachsenden Welthandel und vom Trend zum Outsourcing der Wareninspektionen und -zertifizierungen. Das organische Wachstum betrug den Angaben zufolge 11,4 Prozent. Die Geschäftsbereiche in Asien und Osteuropa trugen signifikant zum Umsatzwachstum bei, so SGS. Das Unternehmen befindet sich seit längerem auf Einkaufstour. In den vergangenen 18 Monaten wurden neun Firmen gekauft, um die Umsätze auszuweiten.
SGS bestätigte zudem die für 2008 gesteckten Ziele eines Umsatzes von fünf Milliarden Franken und eines Gewinns je Aktie von 80 Franken. SGS will für 2005 eine Dividende von 31 Franken je Aktie ausschütten und zusätzlich eine Nennwertrückzahlung von 19 Franken vornehmen. Für das laufende Jahr erwartet das Unternehmen eine Verbesserung der operativen Margen und ein organisches Umsatzwachstum im Rahmen des Vorjahres.
Dividendenrendite von 4,3 Prozent
Analystin Britta Simon vom Bankhaus Sarasin bewertete die Nachrichten um SGS im Gespräch mit FAZ.NET positiv. Umsatz und Ergebnis vor Zinsen und Steuern lägen leicht über ihren Erwartungen. SGS habe die längerfristigen Ziele bestätigt und für 2006 eine sehr gute Prognose abgegeben. „Man darf dabei nicht vergessen, daß die Handelsströme aus Fernost ebenso für SGS spielen wie der Trend zum Outsourcing“, erläuterte sie. Denn im Zuge dessen müßten viele Waren geprüft und zertifiziert werden. Unternehmen, die Aufgaben verlagert hätten, wollten wissen, ob diese auch wie gewünscht erledigt würden. Deshalb zögen sie SGS zu Rate.
Als wirklich überraschend bezeichnete Simon die Höhe der Dividende von 31 Franken. Denn sie selbst hatte, wie andere Analysten aus, mit knapp 17 Franken gerechnet - woraus sich eine Dividendenrendite von fast 1,5 Prozent ergeben hatte. Diese Kennziffer steigt bei 31 Franken auf 2,7 Prozent. Überhaupt nicht gerechnet hatte Simon mit der Herabsetzung des Nennwerts und der Rückzahlung von 19 Franken. Addiert schüttet SGS mit 50 Franken aus. Dadurch steigt die Dividendenrendite auf satte 4,3 Prozent - und das im Niedrigzinsland Schweiz.
Dabei ist der Titel mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 21 zwar auf den ersten Blick nicht billig, aber günstiger als vergangenes Jahr; aus dem erreichten Ergebnis je Anteilsschein errechnet sich ein KGV von 24,5. Die Gemengelage läßt den Titel weiter attraktiv erscheinen.