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Schwarzbuch Börse Solaraktien und andere Kapitalvernichter

Anlegerschützer sind sich einig: Zu den größten Kapitalvernichtern an der Börse gehörten 2011 Unternehmen der Solarbranche. Aber auch anderenorts gibt es wenig erfolgreiche, dafür um so reichere Manager.

© dpa Vergrößern Sonnen-, aber keine Börsenenergie

Unternehmen der schwer gebeutelten Solarbranche verbrennen weiter in riesigen Mengen das Kapital ihrer Aktionäre. Nach den Insolvenzen von Solon AG und Q-Cells führt inzwischen das Hamburger Solarunternehmen Conergy die unrühmliche Liste der „größten Kapitalvernichter“ in Deutschland an, wie die Deutsche Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) berichtet. Mit Phoenix Solar kommt auch der höchste Neueinsteiger auf der DSW-Watchlist aus der Branche, in die Anleger einst große Hoffnungen setzten.

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Doch auch in anderen Branchen verloren Investoren teilweise viel Geld: Überdurchschnittlich hohe Wertverluste erlitten demnach etwa die Aktien der sanierungsbedürftigen Baumarktkette Praktiker, der teilverstaatlichten Commerzbank oder des angeschlagenen Druckmaschinenherstellers Heidelberger Druck. Die Analyse beleuchtet die Kursentwicklung binnen 12, 36 und 60 Monaten.

Alno und Air Berlin im Krisentunnel

Die „Sonnenfinsternis in der Solarbranche“ war auch schon Thema des alljährlich erscheinenden „Schwarzbuchs Börse“der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK), das darüber hinaus auch über eine Fülle von Einzelfällen berichtet. Manche erscheinen dabei so skurril, dass man versucht wäre darüber zu lachen, wenn nicht Anleger damit Geld verloren hätten.

Neben Praktiker (Platz 6 auf der DSW-Liste) ist da beispielsweise der Küchenhersteller Alno, der sein zehnjähriges Verlustjubiläum hoffentlich nicht feiert. 2011 hat Alno einmal mehr den Vorstand ausgewechselt. Der SdK missfällt besonders, dass der neue Sanierer Max Müller für die Aushandlung eines Forderungsverzichts Provisionen in Millionenhöhe erhalten hat. Und die Umsätze sinken weiter und auch der Verlust nimmt wieder zu. Und da ist ja auch noch Air Berlin (Platz 29 auf der DSW-Liste) , die vom Börsengang an konsequent in die Krise geflogen sind.

Wenig erfolgreiche Geschäftsmodelle

Wesentlich weniger präsent ist da das Schicksal der Varetis, pardon, GoYellow, pardon, 118000. In 12 Jahren wechselte das Unternehmen (Platz 14 auf der DSW-Liste, von 19 kommend) sein Geschäftsmodell dreimal, landete erst mit Software für Callcenter und dann mit Internet-Branchenfernsprechverzeichnissen Bruch. Ging letzteres trotz Werbefigur Paris Hilton schief, so warb zuletzt Daniela Katzenberger für den Verbindungsdienst mit den drei Nullen (wie drei Stullen, so die Werbung). Mal sehen, wie das ausgeht.

Ihr Geschäftsmodell änderte mangels Erfolg 2006 auch die Stilwerk AG. Statt Projektentwicklung und Centermanagement für Stilwerk-Häuser, eigenen ergänzenden Einzelhandelsaktivitäten sowie der Entwicklung von Luxus-Wohnimmobilien wurde Stilwerk unter dem Namen 1st Red zum Bestandsverwalter der Immobilien der Garbe Holding.

Infografik Chart Conergy 120412 © FAZ Bilderstrecke 

Das wäre nicht so tragisch gewesen, lasen sich die Ergebnisse doch gut. Nur wuchsen die Forderungen gegen verbundene Unternehmen der Garbe-Gruppe immer weiter, bis diese schließlich 2010 zu Wertberichtigungen von 21 Millionen Euro bei rund 35 Millionen Euro Eigenkapital führten. Und jetzt hängt 1st Red in der Luft.

Auch die JK Wohnbau startete 2010 mit großen Versprechungen an die Börse. Danach aber herrschte Funkstille. Keine Zahlen, keine Aktionärsversammlung. Dann redete man plötzlich von einem Investor, bevor man trotz boomenden Münchener Immobilienmarkts 75 Millionen Euro Verlust einräumen musste und Gründervorstand Josef Kastenberger (JK) seinen Abschied nahm.

Arroganz und Selbstherrlichkeit

Und noch mehr Geschichten sind aufgelistet: Da ist der Giftmüllentsorger Envio, dessen Betriebsstätte massiv mit PCB verseucht war und dessen Vorstand Dirk Neupert vorgeworfen wird, wissentlich gegen Auflagen verstoßen, vorsätzlich und mit krimineller Energie gearbeitet und die Vergiftung von Mitarbeitern bewusst in Kauf genommen zu haben.

Oder die Hansen Sicherheitstechnik, bei der sich der polnische Großaktionär ebenso selbstherrlich einer Sonderprüfung entzieht wie die Brüder Schafstein, Vorstände der Brüder Mannesmann trotz schwacher Geschäftszahlen mit ihren Aktionären auf der Hauptversammlung umspringen. Es sei traurig anzusehen, wie das Traditionsunternehmen heruntergewirtschaftet werde – ungefähr so wie der ehemalige Kosmetikkonzern Marbert, der nach jahrelanger Talfahrt endgültig pleite und wertlos geworden ist.

Keine eierlegende Wollmilchsau

Und da wäre da noch die Sieche einer eierlegenden Wollmilchsau: Mit einer weltweit einzigartigen Beschichtungstechnologie, die deutlich umweltverträglicher, billiger und besser die galvanische Verchromung teilweise ersetzen sollte, trat Ropal Europe 2008 zum Börsengang an. 2009 gab es statt 23,8 Millionen Euro 68.000 Euro Umsatz. 2010 waren es 58.000 Euro und 2011 im ersten Halbjahr 27.000 Euro.

Die 2007 erste verkaufte Anlage funktionierte angeblich nicht so wie versprochen. Anfang 2012 soll nun eine Anlage beim Lohnbeschichter Impreglon in Betrieb gehen. Die Aktionäre haben dafür schon mal einen Kapitalschnitt hinter sich. Aber: Laut Eigendarstellung sind Firmen der Ropal-Gruppe seit nahezu 10 Jahren erfolgreich im Markt für Spezialbeschichtungen tätig. Kommentar der SdK: Den Aktionären der Ropal Europe AG würde schon ein erfolgreiches Jahr, wenn es denn mal kommt, neuen Mut geben.

Quelle: FAZ

 
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Veröffentlicht: 11.04.2012, 11:37 Uhr


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