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Schwarzbuch Börse Korruption, Missmanagement, Abzocke

 ·  Das „Schwarzbuch Börse“ stellt eine Reihe von Aktiengesellschaften an den Pranger - unter anderem Dax-Größen wie Siemens, VW oder die Hypo Real Estate.

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Die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) wirft in ihrem am Montag vorgestellten „Schwarzbuch Börse“ abermals einer Vielzahl von Aktiengesellschaften Verhaltensweisen zum Nachteil ihrer Aktionäre vor. „Das Jahr 2007 war zwar im Großen und Ganzen ein gutes für die Aktionäre, es gab aber auch wieder zahlreiche Schattenseiten“, sagte Klaus Schneider, Vorstandsvorsitzender der SdK.

So habe es die 1847 gegründete Siemens AG innerhalb eines Jahres geschafft, auf der ganzen Welt zum Inbegriff der Korruption zu werden. Daimler habe wegen einer aktionärsfeindlichen Ausgestaltung seiner Aktienoptionsprogramme seinem ehemaligen Chef Jürgen Schrempp - von der SdK als Managementversager bezeichnet - auch noch millionenschwere Gewinne beschert. Und Ferdinand Piëch setze rücksichtslos bei Volkswagen und MAN - wo er jeweils Aufsichtsratsvorsitzender ist - seine Interessen durch und missachte dabei jedwede Form guter Unternehmensführung.

IPO-Zitrone für die Deutsche Bank

Einen wesentlichen Teil des Schwarzbuchs widmet die SdK der Kreditkrise. So wirft sie dem Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate vor, wider besseres Wissen die Belastungen aus der Kreditkrise viel zu lange verschwiegen zu haben. Nur deshalb sei der Kurssturz nach Bekanntwerden der Abschreibungen dann auch derart heftig ausgefallen. „Die Börse hat die Hypo Real Estate nicht nur für die Abschreibungen abgestraft, sondern vor allem wegen des massiven Vertrauensverlusts in die Führung“, sagt Schwarz.

Die SdK fordert daher den Rücktritt von Vorstandschef Georg Funke. Auch an den Vorgängen in der IKB und der West LB lässt die SdK kein gutes Haar. Der Deutschen Bank kommt in diesem Jahr die zweifelhafte Ehre zuteil, die IPO-Zitrone verliehen zu bekommen. Sie habe 2007 vier der schlechtesten fünf Börsengänge in maßgeblicher Funktion begleitet: Tognum, Versatel, Alstria und Wacker Construction. Lediglich Platz drei der größten wertvernichtenden Börsenneulinge ging mit Envitec Biogas an einen Börsengang von Dresdner Kleinwort. Lob gibt es hingegen für die Citigroup, die mit dem Hamburger Hafen und Centrotherm Photovoltaics zwei gute Börsengänge organisiert habe.

Zu hohe Ambitionen

Die Mehrzahl der kritisierten Unternehmen finden sich abermals unter den Nebenwerten. Meist handelt es sich um Aktiengesellschaften, die den Großteil ihres Börsenwertes eingebüßt haben. So habe GPC Biotech weitgehend auf die Zulassung eines Medikaments gesetzt und sei gescheitert. Auch die ambitionierten Pläne des Solarunternehmens Conergy mussten begraben werden. Escada-Aktien seien seit 15 Jahren eine einzige Enttäuschung. Jene von Beate Uhse hätten seit dem Börsengang 1999 auch fast nur eine Richtung gekannt - nämlich nach unten.

Die SdK möchte mit ihrem Schwarzbuch die Anleger über vergangene Skandale aufklären und sie damit vor künftigen bewahren. Mit ihrer Forderung nach einer weiter gehenden Haftung der Vorstände und Aufsichtsräte für Fehlverhalten konnte sie bisher nicht durchdringen.

Quelle: dmoh/ F.A.Z., 12.02.2008, Nr. 36 / Seite 21
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