Home
http://www.faz.net/-gv7-3f65
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Schwarzbuch Börse An Taten sollt ihr sie messen

 ·  Hehre Worte müssen sich Minderheitsaktionäre immer wieder anhören. Doch nicht immer stimmen die Taten damit über ein, wie Fälle aus dem neuen „Schwarzbuch Börse“ zeigen.

Artikel Bilder (15) Lesermeinungen (0)

In jedem Jahr gibt die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) ihr „Schwarzbuch Börse“ heraus, eine Art Almanach, in dem die Organisation zusammenträgt, was aus ihrer Sicht am Kapitalmarkt nicht sauber gelaufen ist.

Was in diesem Jahr, bezogen auf den Aktienmarkt, besonders ins Auge fällt, ist die hohe Präsenz bekannter Namen mit hoher Börsenkapitalisierung. Gleich sieben, zum Teil ehemaligen Dax-Werten haben die Anlegerschützer ein eigenes Kapitel gewidmet. Darunter sind selbstverständlich die bekannten Geschichten zu finden - unvermeidlich die „Schwarzen Kassen“ bei Siemens.

Viel Ärger auch im Dax

Aber auch die „schleichende Machtübernahme“ bei VW durch Porsche. Als Urheber des „Staatsstreichs“ sieht die SdK Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch, der seinen engen Vertrauten Martin Winterkorn an der Unternehmensspitze installiert habe. Nun sei zu befürchten, dass dieser den von seinem Vorgänger eingeschlagenen Sanierungspfad wieder verlasse. Zu befürchten sei vor allem, dass Winterkorn mit seiner Neugliederung der Markenwelt ganz neue Baustellen im Konzern aufreiße. Außerdem glaubt die SdK, dass sich künftig auch Ferdinand Piëch wieder verstärkt in das operative Geschäft einmischen werde.

Neben der „fragwürdigen Rekorddividende“ bei Altana (siehe: ) und den Strategiewechseln bei Tui, dessen Entstehen aus der Preussag laut SdK „inzwischen ... als eine der größten Wertvernichtungsaktionen der deutschen Unternehmensgeschichte“ gilt (siehe auch: ), kann man der Schutzgemeinschaft kaum verübeln, dass sie sich ganz besonders über Thyssen-Krupp-Aufsichtsratschef Gerhard Cromme ärgert.

Der Bock zum Gärtner?

Der Vorsitzende der Regierungskommission Corporate Governance habe als Aufsichtsratsvorsitzender von Thyssen-Krupp eine „Forderung der Stiftung nach Satzungsänderung unterstützt, diese mitbetrieben und vor der Hauptversammlung gerechtfertigt“.

Nach dieser soll der „Alfred Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung“, die 25,1 Prozent am Unternehmen hält, ein Entsenderecht von drei Aufsichtsratsmitgliedern gewährt werden - begründet „im Sinne guter Corporate Governance“. Doch nach dem von Cromme mitinitiierten Corporate-Governance-Kodex bedeutet das, dass alle Aktionäre gleich behandelt werden. Cromme habe an einem glatten Verstoß gegen den Geist dieses Regelwerks mitgewirkt. Schon die seinerzeitige Übernahme des Amtes als Aufsichtsratsvorsitzender bei Thyssen-Krupp - unmittelbar nach seinem Ausscheiden als Vorstandsvorsitzender - sei keine gute Corporate Governance gewesen.

Aktionäre für dumm verkauft

Neben solchen, so manchen Aktionär verärgernden, umstrittenen Aktionen präsentiert die SdK auch wieder haarsträubende Fälle aus dem Bereich der Nebenwerte. So mag man versucht sein zu glauben, das Management der Schweizer Centertainment AG wollte die Anleger für dumm verkaufen, ebenso wie eine Investorengruppe der insolventen Gontard & Metallbank.

Erstere hatten angeblich Euro Disney übernehmen und aus den Klauen der Walt Disney Corporation befreien wollen. Denn Euro Disney ist eine Kommanditgesellschaft auf Aktien, so dass die Übernahme der Stimmenmehrheit nur schwer zu bewerkstelligen gewesen wäre.

Als der Kurs der Centertainment abstürzte, gab das Unternehmen zur Begründung an, die Aktie sei aus den Reihen von Euro Disney gezielt geshortet worden, um die Aktientauschofferte zu torpedieren. Doch als die französische Börsenaufsicht ein offizielles Übernahmeangebot verlangte,ließ Centertainment die Frist wortlos verstreichen. Mittlerweile hat sich auch die Finanzaufsicht Bafin eingeschaltet, die ermittelt, ob „die unausgegorenen Übernahmepläne der Schweizer nicht von vornherein nur dazu dienten, die eigene Aktie hochzutreiben.“

Im Falle Gontard & Metallbank tauchte eine ominöse Investorengruppe auf und gab bekannt, 30 Prozent der Aktien aufgekauft zu haben und einen Neustart als Mittelstandsbank zu planen (). Für 2008 wurde bereits eine Dividende von 30 Cent pro Aktie versprochen - und zwar „im schlechtesten Fall“.

Doch war weder war bei der Bafin eine Banklizenz beantragt, noch Verhandlungen mit dem Insolvenzverwalter aufgenommen worden. Der habe auch nur fassungslos den Kopf geschüttelt und die Vorgänge in der Presse damit kommentiert, dass seines Wissens noch nie eine insolvente Bank saniert worden sei.

Unter dem Strich zeigt das Schwarzbuch wieder, dass sich Großaktionäre und Vorstände das Vertrauen der übrigen Anteilsinhaber durch Taten verdienen müssen und man sie auch daran messen sollte - und nicht an ihren Worten und an ihrem vermeintlich guten Willen.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @mho
Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Emittenten-News
Anzeige
Für die Inhalte sind die Emittenten verantwortlich
Weitersagen
Aktienmärkte
Name Wert Änderung
  FAZ-INDEX --  --
  DAX --  --
  Dow Jones --  --
  Nikkei225 --  --
  Hang Seng --  --
  FAZ-Euro-Index --  --
  Eurostoxx 50 --  --
  S&P500 --  --
  Nasdaq 100 --  --
  M-Dax --  --
  Tec-Dax --  --
  SDAX --  --
  Dax Future --  --
Wertpapiersuche